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Fußball-Bestechungsskandal : Schockierende türkische Wahrheiten

  • -Aktualisiert am

Prominentester Häftling: Fenerbahce-Präsident Aziz Yildirim wird ins Gefängnis abgeführt Bild: Reuters

Dutzende von Funktionären, Trainern und Spielern führender Klubs sitzen hinter Gittern. Sie sollen in der „Süper Lig“ im großen Stil bestochen haben. Doch der Verband zeigt wenig Interesse an der Aufklärung der Machenschaften.

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          Es ist, als würde Uli Hoeneß in Untersuchungshaft gesteckt und Jürgen Klopp von der Polizei verhört. Wenige Wochen vor dem Start der neuen Fußballsaison in der Türkei sitzen Dutzende von Funktionären, Trainern und Spielern führender Klubs hinter Gittern. Sie sollen in einen Bestechungsskandal von gigantischen Ausmaßen verwickelt sein. Im Mittelpunkt steht Fenerbahce Istanbul, der türkische Rekordmeister und über hundert Jahre alte Traditionsverein. Fast täglich werden neue Facetten des Skandals publik, und die Behörden bereiten laut Presseberichten weitere Festnahmen vor. Doch Kritiker vermuten, dass hinter den Kulissen bereits daran gearbeitet werde, die großen Vereine glimpflich davonkommen zu lassen.

          Ein grau-brauner Betonblock, umgeben von Wachtürmen und einer hohen Mauer, beherbergt derzeit einige der mächtigsten Männer der türkischen Fußballszene. Prominentester Insasse des Metris-Gefängnisses im Istanbuler Stadtteil Esenler ist Aziz Yildirim, 58 Jahre, steinreicher Bauunternehmer und seit mehr als einem Jahrzehnt der Vereinspräsident von Fenerbahce, dem früheren Klub von Christoph Daum. Die Staatsanwaltschaft wirft Yildirim die Gründung einer kriminellen Vereinigung und Bestechung vor, ein Gericht erließ vor einigen Tagen Haftbefehl gegen ihn.

          Fenerbahce ist nicht irgendein Verein in der Türkei. Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk gehörte zu den Fans des 1907 gegründeten Klubs, der heute noch der Lieblingsverein vieler Prominenter ist, auch vieler Armee-Generäle. Mehr noch als Bayern München in Deutschland oder Manchester United in Großbritannien ist Fenerbahce in der Türkei alter Fußball-Hochadel. Entsprechend heftig sind die Reaktionen. Der Fußballskandal drängt in den Medien des Landes seit Wochen alle anderen Themen in den Hintergrund.

          Mit Schmiergeld zur Meisterschaft: Feiert Fenerbahce einen gekauften Titel?

          Ermittlungen unter dem Titel „Saubere Stollen“

          Yildirim soll mit illegalen Zahlungen in der vergangenen Saison die Gegner von Fenerbahce zu einer plötzlichen Formschwäche überredet und die Konkurrenten des Hauptrivalen Trabzonspor zu Höchstleistungen motiviert haben. In einigen Fällen flossen laut Presse mehrere hunderttausend Euro. Mit anderen Worten: Yildirim steht im Verdacht, den Meistertitel für Fenerbahce in der Saison 2010/2011 gekauft zu haben.

          Die vor einigen Monaten eingeleiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unter dem Titel „Saubere Stollen“ erstrecken sich auch auf andere Spitzenklubs, darunter Besiktas Istanbul. Insgesamt wurden bisher mehr als sechzig Funktionäre und Sportler mehrerer Vereine verhört, viele Verdächtige landeten in Untersuchungshaft. Selbst ein früherer Präsident des türkischen Fußballverbandes, Mahmut Özgener, wurde zum Verhör geladen. Weitere Festnahmen seien zu erwarten, melden die Zeitungen.

          Abgehörte Telefonate der Beschuldigten ergeben der Staatsanwaltschaft zufolge ein so klares wie erschreckendes Bild. Spieler und Funktionäre wurden mit hohen Summen geködert, teilweise wurde versucht, einen Geldgeber gegen den anderen auszuspielen. Knapp zwanzig Spiele der vergangenen Saison werden untersucht.

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