https://www.faz.net/-gtl-a5wef

Argentiniens Fußball-Ikone : Ein ganzes Land weint um Maradona

  • Aktualisiert am

Ein großer Schmerz: Argentinien trauert nach dem Tod von Diego Maradona. Bild: Reuters

Diego Maradona war in Argentinien viel mehr als nur ein Fußballspieler. Nach dem Tod der Legende ist das Land fassungslos. Zum Abschied in Buenos Aires werden bis zu eine Million Trauergäste erwartet.

          4 Min.

          Millionen Menschen auf der ganzen Welt trauern um Diego Maradona – vor allem in Argentinien. Fassungslos über den Tod ihrer Fußballlegende brachen in seinem Heimatland am Mittwoch viele in Tränen aus. Tausende Menschen kamen in der Hauptstadt Buenos Aires am La Bombonera genannten Stadion seines früheren Klubs Boca Juniors und dem Obelisken im Stadtzentrum zusammen, um ihres Idols zu gedenken. Der weinende River Plate-Anhänger wurde dabei von verfeindeten Boca-Fans tröstend in den Arm genommen. Auf elektronischen Anzeigetafeln über der Stadtautobahn und in U-Bahn-Eingängen war zu lesen: „Danke Diego“.

          Maradona starb am Mittwoch im Alter von nur 60 Jahren in seinem Haus in Tigre nördlich von Buenos Aires an einem Herzinfarkt. Herbeigerufene Sanitäter konnten ihn nicht wiederbeleben. Akute Herzinsuffizienz ergab die Autopsie, zudem ein daraus resultierendes Lungenödem. Nach dem Notruf standen neun Rettungswagen vor seinem neuen Anwesen. Keiner hätte rechtzeitig herbeieilen können. Erst vor zwei Wochen war er aus dem Krankenhaus entlassen worden, nachdem ihn Ärzte dort wegen einer Gehirnblutung operiert hatten.

          „Heute ist ein sehr trauriger Tag für alle Argentinier“, sagte Staatschef Alberto Fernández im Fernsehsender TyC Sports. „Diego hat Argentinien in der Welt repräsentiert, er hat uns mit Freude erfüllt, und das werden wir niemals vergelten können.“ Der Präsident ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. „Ich habe einen großen Freund und die Welt hat eine Legende verloren“, schrieb das brasilianische Seleção-Idol Pelé (80) bei Twitter. „Ich hoffe, eines Tages können wir im Himmel zusammen Fußball spielen.“

          Vor dem Eingang der Bombonera im Hafenviertel Boca zündeten Fans Kerzen an, legten Blumen nieder und hängten Rosenkränze auf. „Er ist eine Legende. Wir werden ihn vermissen“, sagte eine Frau namens Patricia im Fernsehsender TN. Sie saß auf dem Boden, umarmte ihren Sohn und kämpfte mit den Tränen. „Er wird als der Größte in Erinnerung bleiben.“ Maradona-Fan Diego sagte: „Das ist ein harter Schlag. Er war der größte Spieler der Geschichte. So einen wie ihn wird es nie mehr wieder geben.“

          Nicht zu fassen: Millionen von Argentiniern kamen auf die Straße nach der Nachricht des Todes von Maradona. Bilderstrecke
          Argentiniens Fußball-Ikone : Ein ganzes Land weint um Maradona

          Von Donnerstag an können die Argentinier im Regierungspalast Casa Rosada von Maradona Abschied nehmen können. Diese Ehre war zuletzt dem früheren Präsident Néstor Kirchner vor zehn Jahren zuteilgeworden. Inmitten der Corona-Pandemie rechnet die argentinische Regierung nun mit bis zu einer Million Trauergästen. Angesichts der Corona-Pandemie riefen die Behörden die Menschen dazu auf, Schutzmaßnahmen einzuhalten. Auf dem Balkon der Residenz hatte sich Maradona 1986 als Weltmeister feiern, aber auch 1990 nach dem verlorenen Finale gegen Deutschland trösten lassen.

          Nach dem Maradonas Tod wurde der Leichnam im Regierungspalast in der Hauptstadt Buenos Aires aufgebahrt. Der Sarg mit den sterblichen Überresten sei in der Nacht zum Donnerstag in einem Krankenwagen in die Casa Rosada gebracht worden, berichteten örtliche Medien. Tausende Menschen standen schon vor Sonnenaufgang Schlange, um Abschied von Maradona nehmen zu können. Familienangehörige und enge Freunde waren bereits vorher eingelassen worden, wie es weiter hieß.

          Als sich am frühen Morgen (Ortszeit) die Pforten öffneten, zogen die Fans nach einer Sicherheitskontrolle an dem mit einer argentinischen Fahne bedeckten Sarg vorbei, um ihrem Idol die letzte Ehre zu erweisen. Viele weinten, andere warfen Trikots mit der Nummer 10 über die Absperrung, wie auf TV-Bildern zu sehen war. „Gracias Diego, gracias!“ (Danke Diego, danke!), schrie ein Mann unter Tränen, als er an dem Sarg vorbeiging.

          Weitere Themen

          Die neue Mitte im deutschen Team

          Handball-WM in Ägypten : Die neue Mitte im deutschen Team

          Johannes Golla und Sebastian Firnhaber gelten als eifrige und lernwillige Profis. Bei der Handball-WM sollen sie den deutschen Innenblock bilden und treten damit ein großes Erbe an.

          Siege für Hermann und Gassner in St. Moritz

          Skeleton-Weltcup : Siege für Hermann und Gassner in St. Moritz

          Tina Hermann fuhr trotz eines Fehlers ihren ersten Saisonsieg ein, Alexander Gassner seinen ersten Weltcupsieg überhaupt. Gut drei Wochen vor dem Start der Heim-WM in Altenberg zeigt die Formkurve der Deutschen steil nach oben.

          Topmeldungen

          Pfizer verringert kurzfristig die Lieferungen von Impfstoff seines deutschen Kooperationspartners Biontech an Deutschland und weitere europäische Staaten.

          Dämpfer für Biontech : Mögliche Nebenwirkungen des Impfstoffs

          Tote nach Impfungen: Norwegens Gesundheitsbehörde stuft die Zahl der Vorfälle als „nicht alarmierend“ ein. Pfizer verringert kurzfristig die Lieferungen des Impfstoffs an Deutschland.
          Blechteile, die zu einem Baumhaus gehörten, hängen hoch in einem Baum im Hambacher Forst.

          Unfall im Hambacher Forst : Brandgefährlicher Wald

          Schon lange ist klar, dass der Hambacher Forst bleibt. Trotzdem wollen die Besetzer nicht gehen und bauen ihre Anlagen weiter aus. Nach einem schweren Unfall stellt sich die Frage umso dringender: Was soll aus dem Wald werden?
          Wut kann bei Kindern viele Gründe haben

          Tipps für Eltern : Wie man mit Wutanfällen bei Kindern umgeht

          Wenn Kinder plötzlich ausflippen, fühlen Eltern sich oft hilflos und schuldig. Dabei ist das ganz normal. Eine Psychologin gibt Tipps, wie Eltern mit den Wutanfällen ihres Nachwuchses umgehen können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.