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Fußball : ARD und ZDF zeigen Euro 2008

In quasi letzter Sekunde zugeschlagen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Nach fieberhaften Verhandlungen am Wochenende haben ARD und ZDF zugeschlagen: Sie erwarben die Übertragungsrechte an der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz in letzter Sekunde.

          Über den offiziellen Betrag ist Stillschweigen vereinbart. Dem nicht ganz unsicheren Kalkül gemäß aber haben sich die Vertragspartner auf 115 Millionen Euro geeinigt. Für diese Summe haben ARD und ZDF über die gemeinsam betriebene Agentur SportA - und vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Aufsichtsgremien - die Fernsehübertragungsrechte an 27 der 31 Spiele bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 erworben. Über Monate hinweg hatten sich die Verhandlungen mit dem Rechtegeber, dem Europäischen Fußballverband Uefa, und der von ihm exklusiv mit der Fernsehvermarktung beauftragten Agentur Sportfive hingezogen.

          Jochen Hieber

          Freier Autor im Feuilleton.

          Dabei ist mächtig gepokert worden. So hat SportA auf zweierlei Weise mit dem Faktor Zeit gespielt: Man erklärte einerseits, es sei angesichts der enormen Logistik von Live-Übertragungen eigentlich schon viel zu spät für einen Abschluss, andererseits aber konnte das Team um Dagmar Brandenstein, der tüchtigen SportA-Geschäftsführerin, darauf setzen, dass die Forderungen der Anbieter mit jedem ergebnislos verstreichenden Tag keineswegs in den Himmel wachsen, sondern eher in den Keller gehen würden. Der Anbieter Sportfive mit seinem Verhandlungsführer Stefan Felsing pries hingegen die hohe Qualität seiner Ware - weniger, dafür attraktivere Begegnungen als bei einer WM -, wucherte mit den Übertragungszeiten - alle Spiele in Österreich und der Schweiz finden zur Primetime statt - und flirtete zudem mit einigen privaten Fernsehsendern in Deutschland, zumal mit RTL.

          Besorgter Medienwächter

          Dort, bei RTL, gibt man sich nun, von Heuchelei nicht ganz frei, als besorgter Medienwächter: ARD und ZDF seien, heißt es in einer Pressemitteilung, „das wahre Pay-TV“, der „vermeintlich sorgsame Umgang mit Gebührengeldern“ habe sich zudem als „reine Farce“ erwiesen. Dabei haben die Öffentlich-Rechtlichen beim Poker durchaus Punkte gutgemacht. Nimmt man die ebenfalls nicht offiziell bestätigte Ausgangssituation - einer Forderung von 150 Millionen Euro stand ein Angebot von neunzig Millionen gegenüber -, so hat Sportfive 35 Millionen nachgelassen, während SportA lediglich deren 25 drauflegte.

          ARD und ZDF berichten aus Bern und den anderen Spielorten

          Die Spiele, die ARD und ZDF nicht live übertragen werden, fallen auch nicht weiter ins Gewicht. Es handelt sich um vier der acht Partien am dritten und letzten Spieltag der Gruppenphase, von denen zwischen dem 15. und dem 18. Juni ohnehin pro Tag jeweils zwei zur selben Zeit stattfinden. Welche dieser Begegnungen sie live und welche sie nur zeitversetzt senden werden, können sich unsere Gebührengroßanstalten zudem bis zuletzt aussuchen - auf die deutsche Nationalmannschaft muss von Anfang an und bis zu einer potentiellen Finalteilnahme ohnehin niemand verzichten. Dass sich das deutsche Team - im Gegensatz etwa zu Mannschaften aus Hauptfernsehmärkten wie England oder Spanien - schon so gut wie sicher für die Euro 2008 qualifiziert hat, dürfte wiederum die Position von Uefa und Sportfive erleichtert haben.

          Am 7. Juni 2008 wird das ZDF das Eröffnungsspiel, am 29. Juni die ARD das Finale übertragen. Jedes der 27 Live-Spiele kostet etwa 4,25 Millionen Euro und wird, legt man die EM 2004 zugrunde, im Schnitt von mindestens zwölf Millionen Zuschauern gesehen werden. Jede virtuelle Eintrittskarte kostet also knapp dreißig Cent. Das ist kein schlechter Preis. Mit ihm können beide Verhandlungspartner leben. Vor allem bei der Agentur Sportfive, die (naturgemäß unbestätigt) wohl 600 Millionen Euro für das weltweite Vermaklungsrecht an den Seniorpartner Uefa berappen musste, dürfte angesichts des deutschen Ergebnisses erhebliche Erleichterung herrschen.

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