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„Adi“ Preißler zum 100. : Entscheidend is’ auf’m Platz

  • -Aktualisiert am

Ein Glücksmoment: Alfred Preißler 1956 mit der Meisterschale Bild: Picture-Alliance

Auch wenn er seinen 100. Geburtstag nicht mehr erlebt: Alfred Preißler ist bis heute unsterblich geblieben. Weil er keine Angst vor Königsthronen hatte – und immer gesagt hat, was er dachte.

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          An diesem Freitag wäre Alfred, genannt „Adi“, Preißler hundert Jahre alt geworden. Hätte er diesen Jahrhundertgeburtstag in alter Frische erlebt, er hätte ihn genossen, denn der legendäre Stürmer von Borussia Dortmund war ein Lebensgenießer. Preißler aber starb im Alter von 82 Jahren – und ist eigentlich doch unsterblich geblieben.

          Ein einziger Satz des um flotte Sprüche nie verlegenen Angreifers ist vielen, die den Fußball als verbindendes Spiel für Millionen lieben, im Gedächtnis geblieben. So unfertig er klingt, spiegelt er bis heute exakt das direkte Denken und Handeln der im Ruhrgebiet aufgewachsenen und mit diesem Sport verwachsenen Menschen. Preißler beschrieb die Essenz seines Sports so: „Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz.“ Damit war fast alles gesagt, was dieses Spiel bis heute manchmal so wild, unvorhersehbar und praxistauglich macht.

          Herberger: „Adi, Sie fummeln zu viel“

          Der deutsche Meister von 1956 und 1957, als der BVB erstmals und dann gleich wieder in exakt derselben Aufstellung die Schale eroberte, befreite die Schwarz-Gelben von dem Albtraum, im Duell um die Nummer eins im Revier stets dem FC Schalke 04 hinterherzujagen. Preißler war seinerzeit der Kapitän der Mannschaft, in der die „Drei Alfredos“, er, Alfred Kielbassa und Alfred Niepiklo, zauberten und nach Lust und Laune trafen. Er blieb aber trotzdem „nur“ ein westfälischer Held, weil ihm Bundestrainer Sepp Herberger als „Chef“ der Weltmeister von 1954 seinerzeit nicht so recht über den Weg traute.

          Da konnte der schmächtig und mit seinem schütteren Haar ganz und gar nicht glamourös anmutende Preißler noch so viele Tore schießen – es waren für den Schützenkönig der Borussen-Historie 174 in 269 Spielen –, Herberger berief ihn nur zweimal in die Nationalmannschaft. Vielleicht auch, weil der bodennahe Fußball-Philosoph zum Widerwort neigte. „Adi, Sie fummeln zu viel“, rief der oberste Fußballlehrer im Lande den gebürtigen Duisburger zu mehr Gemeinsinn am Ball auf. Worauf Preißler konterte: „Herr Herberger, wenn Sie einen Fußballer haben wollen, der nicht dribbeln kann, den können Sie gleich wegjagen.“

          Keine Angst vor Königsthronen, auch das zeichnete diesen Spieler aus, der zwischen 1945 und 1959, unterbrochen von einem Intermezzo bei Preußen Münster („die haben mehr Geld geboten“), für den BVB spielte. Verdient hat Preißler nie so viel Geld, um mit dem Fußball seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Damals war das Spiel für alle noch ein nahbarer Volkssport.

          Nicht auszudenken, wie Preißler sich gefühlt hätte, wäre er mit dem Fachchinesisch vieler Trainer von heute behelligt worden. Die werden nicht wie Adi Preißler mit einem einzigen Satz im Gedächtnis der Menschen verhaftet bleiben, auch wenn der Urheber der von ihm geprägten Fußballweisheit einmal beim Blick auf seine grammatikalisch ausbaufähige Sentenz geäußert hat: „Heute finden das natürlich alle toll, früher haben die Leute aber auch oft gesagt: ,Mein Gott, die Fußballer haben ja nichts im Kopf, die können ja noch nicht mal richtig reden.‘“ Dafür haben sie gesagt, was sie dachten.

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