https://www.faz.net/-gtl-6m7ws

Fußball-Aktien : Selten Erfolgsgeschichten

  • Aktualisiert am

Manchester United: Begehrte Marke, aber auch an der Börse? Bild: dpa

Wenn Fußballvereine an die Börse streben, sind die Erwartungen hoch. Doch oft landet der Aktienkurs irgendwann im Centbereich. Trotzdem will Manchester United nun an die Börse zurückkehren.

          3 Min.

          In den börsenverrückten neunziger Jahren hatte der damalige Manager des FC Bayern München zwei Träume: erst ein neues Stadion, dann den Börsengang seines Fußballklubs - diese Reihenfolge schwebte Uli Hoeneß 1997 vor. „Wir wollen den Aktionären nicht nur Anteile an Mario Basler oder Oliver Kahn geben, sondern auch an einer Immobilie“, sagte Hoeneß. Damals war sich der Manager sicher, dass die Umwandlung seines Klubs in eine Aktiengesellschaft „von der Resonanz her dem Börsengang der Telekom noch die Krone aufsetzt“. Heute besitzt Bayern München mit der Arena in Fröttmaning das für manchen Fußballfan schönste Stadion Deutschlands - an der Börse jedoch ist der Klub nicht zu finden.

          Wahrscheinlich ist Hoeneß glücklich darüber. Denn in der Summe sind Börsengänge von Fußballvereinen selten Erfolgsgeschichten, was am Kursverlauf der Werte deutlich wird. Viele Vereine starteten mit Hoeneß'schen Hoffnungen: Ihre Aktien wurden beim Initial Public Offering (IPO) dementsprechend hoch gehandelt - und landeten später doch vielfach im Niedrigstwertbereich. So ist in Deutschland Borussia Dortmund bis heute der einzige Verein, der sich an die Börse gewagt hat.

          Fußballaktien sehr volatil

          Gleichzeitig macht der deutsche Meister von 2011 auch das Auf, vor allem aber das Ab von Fußballaktienkursen deutlich: Gestartet waren die Dortmunder am 31. Oktober 2000 mit einem Kurs von 10,30 Euro, am Mittwochnachmittag lag der Kurs bei 2,50 Euro. Auch die sportlich hervorragende Meisterschaftssaison schlug sich an der Börse nur kurzzeitig positiv nieder: Bis zum Titelgewinn gewann zwar auch der Aktienkurs der Borussia wieder an Wert. Doch am ersten Handelstag nach der Meisterschaft sackte der Kurs ab, verlor zeitweise um bis zu 4 Prozent. Und dabei waren die Aussichten dank des Titels und der damit gesicherten Teilnahme an der mit Millioneneinkünften verbundenen Champions League gar nicht schlecht.

          Borussia Dortmund: Selbst die Meisterschaftssaison hat den Aktienwerten kaum Auftrieb gegeben

          Wer als Privatanleger in Fußballaktien investieren will, sollte Vorsicht walten lassen, rät deshalb die Aktionärslobby Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Fußball ist ein leidenschaftliches und emotionales Geschäft und die Aktien von Fußballklubs sind sehr volatil, denn der sportliche Erfolg ist schwer zu planen“, sagt DSW-Sprecherin Silke Hofmann. „Wer auf Fußballaktien setzt, sollte nicht seine gesamte Anlagesumme auf diesen einzigen Wert konzentrieren, sondern sein Risiko streuen.“ Jedem Privatanleger müsse zudem klar sein, dass neben dem sportlichen Erfolg auch der wirtschaftliche Erfolg gegeben sein müsse. Deshalb empfiehlt die DSW Anlegern, sich nach dem Kauf von Fußballaktien nicht nur über die Spielergebnisse und Transfers ihres Vereins zu informieren, sondern sich auch die Quartals- und Geschäftsberichte direkt von den Klubs zusenden zu lassen. „Zudem sollten sie neben dem Sportteil der Zeitung auch regelmäßig die Wirtschaftsseiten lesen“, sagt Hoffmann.

          Nur etwas für treue Fans

          So sind Fußballaktien weiter vor allem für die treuen Fans der jeweiligen Vereine interessant. Das gilt auch für Werte aus anderen europäischen Ländern, wie der Eurokick-Index für derzeit 26 Werte von europäischen Fußballklubs deutlich macht. Seit seiner Auflage Anfang 2001 verlor der Index rund 36 Prozent. Am Mittwochnachmittag lag er bei 64,5 Punkten. Von den 26 im Index vertretenen Klubs wiesen seit Jahresbeginn nur fünf Vereine eine Kurssteigerung auf. Darunter befanden sich eher unbekanntere Namen wie Sporting Braga aus Portugal, oder der FC Tetovo aus Mazedonien.

          Spitzenreiter unter den Gewinnern ist der französische Zweitligist FC Istres: Die kaum gehandelte Aktie des Vereins aus der Nähe von Marseille verzeichnete seit Anfang dieses Jahres eine Verfünffachung ihres Kurses. Zu den Verlierern des Indexes zählten in diesem Zeitraum Großklubs wie Ajax Amsterdam, AS Rom, Lazio Rom, die Glasgow Rangers oder Tottenham Hotspur.

          „ManU“ Rückkehr an die Börse

          Ein Beispiel hingegen für einen bekannteren Klub, der sich seit seinem Börsengang positiv entwickelt hat, ist Fenerbahce Istanbul. Auch dank solider Unternehmensführung konnte der türkische Traditionsverein seinen Aktionären seit 2005 in jedem Jahr eine Dividende ausschütten, die von Jahr zu Jahr stieg. 2010 betrug die Bruttorendite 4,3 Prozent des Aktienkurses. Auch Fenerbahces Klub-Nachbar in Istanbul, Besiktas, kann auf einen positiven Verlauf blicken: Der Kurs legte seit dem Börsengang um mehr als 200 Prozent zu.

          Auf solche Entwicklungen hoffen nun auch wieder Fans und potentielle Anleger des Traditionsvereins Manchester United, von dem am Dienstag bekannt geworden war, dass er nach gut sechs Jahren an die Börse zurückkehren wolle. Die Eigner, die amerikanische Unternehmerfamilie Glazer, will rund 25 Prozent ihrer Anteile in Singapur an die Börse bringen und damit 1 Milliarde Dollar erlösen. Bis heute gilt der Verein bis zum vorläufigen Ende an der Börse im Jahre 2005 als ein weiteres Vorzeigebeispiel für eine positive Kursentwicklung, auch weil der Klub als Marke weltweit bekannt ist. Wie der Kurs von „ManU“ sich aber nach dem angestrebten Börsengang entwickeln wird, ist noch unklar: Denn das Geld soll erst einmal für eher unschöne Dinge eingesetzt werden - zur Schuldentilgung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der türkische Präsident mit seiner Ehefrau Emine in der Hagia Sophia

          Zukunft der Türkei : Kommt jetzt das Kalifat?

          Versperrte Wege: Wofür die Türkei dem Westen nicht mehr zur Verfügung steht und wohin sie unter dem „neuen Sultan“ treibt. Ein Gastbeitrag.
          Der Hauptangeklagte Stephan E. mit seinem Verteidiger.

          Geständnis von Stephan E. : „Es war falsch, feige und grausam“

          Eine schwere Kindheit, Jähzorn und Ausländerhass, der vom Vater übernommen sein soll. Nach dem Geständnis von Stephan E., Walter Lübcke erschossen zu haben, ist dessen Familie empört.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.