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Ehemaliger Ministerpräsident : Silvio Berlusconi steigt auf

Silvio Berlusconi darf sich auf ein Wiedersehen mit Milan freuen. Bild: picture alliance / IPP

Silvio Berlusconi ist zurück in der ersten Liga: Sein Fußballklub AC Monza steigt in die Serie A auf. Der frühere italienische Regierungschef hatte den Verein einst in der dritten Liga übernommen.

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          Nach einem dramatischen Finale ist das historische Ziel erreicht: Die Associazione Calcio Monza, gegründet 1912, ist zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte erstklassig. Das erste Finalspiel um den letzten von drei Aufstiegsplätzen in die Serie A hatte die AC Monza am Donnerstagabend im eigenen Stadion 2:1 gewonnen, wobei dem SC Pisa das Gegentor erst in der dritten Minute der Nachspielzeit gelungen war.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Beim Rückspiel am Sonntagabend in der Toskana aber schoss Pisa zwei Tore in den ersten neun Minuten. Aus einem eigentlich beruhigenden Vorsprung von zwei Toren für Monza war in kumuliert kaum zehn Minuten ein Rückstand geworden. Und Pisa drückte weiter. Monza-Torhüter Michele Di Gregorio, von den Pisa-Ultras in der Nordkurve nachhaltig beschimpft und gelegentlich beworfen, zeigte eine Unsicherheit nach der anderen. Das Aluminium und seine Verteidiger bewahrten den überforderten Schlussmann vor dem finalen Untergang.

          Steckten den Schock weg

          Und dann kam die Wende. Nein, kamen gleich mehrere Wenden. Monza gelang noch vor der Pause der Anschlusstreffer, ehe der schon im Hinspiel treffsichere dänische Stoßstürmer Christian Gytkjær zehn Minuten vor Schluss den Ausgleich erzielte und damit den Lombarden den Aufstieg zu sichern schien.

          Nur dass Pisa abermals in der Nachspielzeit ein Tor erzielte und mit dem 3:2 die Verlängerung erzwang (die Auswärtstorregel gilt in Italien bei Play-offs nicht). Und wieder steckten die von einer langen Saison, einem neuerlichen Rückschlag kurz vor dem Schlusspfiff sowie den hochsommerlichen Temperaturen in Pisa sichtlich gezeichneten Spieler aus Monza den Schock weg. Und machten mit zwei Toren (zuletzt abermals Gytkjær) in der ersten Halbzeit der Verlängerung zum 3:4-Endstand alles klar.

          Der Aufstieg in die Serie A bedeutet für die AC Monza den Durchmarsch aus der drittklassigen Serie C – freilich mit einem Jahr Verzögerung. In der vergangenen Saison war der Klub, verstärkt durch prominente Zugänge wie Kevin-Prince Boateng und Mario Balotelli, noch auf den letzten Metern gescheitert. Der Erfolg des Traditionsvereins aus der Stadt mit rund 120.000 Einwohnern nordöstlich von Mailand, wo man den Motorsport mindestens so liebt wie den Calcio, hat drei maßgebliche Väter.

          Es sind der Medienunternehmer und Mehrfach-Regierungschef Silvio Berlusconi als Geldgeber (der Kaufpreis für die AC Monza soll günstige drei Millionen Euro betragen haben), dessen jüngerer Bruder Paolo als Präsident des Klubs und schließlich Vorstandschef Adriano Galliani, Unternehmer, Fußballmanager und langjähriger Weggefährte von Silvio Berlusconi. Zusammen bringen es die drei auf stattliche 234 Lebensjahre.

          Galliani ist als Monzese so etwas wie der Spiritus Rector hinter dem Aufstiegsprojekt AC Monza: Sein Ehrgeiz war es seit Langem, den beiden erfolgsverwöhnten Mailänder Klubs Inter und AC Milan mit einem Team aus seiner Heimatstadt Konkurrenz in der Serie A zu machen. Als die Berlusconis und Galliani die AC Monza 2018 in der Serie C übernahmen, war der Aufstieg ins Oberhaus ihr erklärtes Ziel. Jetzt haben sie das Planziel erreicht, in erstaunlich kurzer Zeit.

          Im April 2017 hatte Berlusconi seine Anteile an der AC Milan an ein chinesisches Konsortium verkauft, welches den Klub im Jahr darauf an amerikanische Investoren weiterreichte. Berlusconi hat den Verkauf „seiner“ AC Milan nach eigenen Worten nie ganz verwunden. Von 1986 an hatten er und Galliani die AC Milan zu einem europäischen Spitzenteam geformt. Das goldene Zeitalter des 1899 gegründeten Traditionsklubs unter dem Duo Berlusconi/Galliani brachte den „Rossoneri“ acht Meistertitel und fünf Siege im Europapokal der Landesmeister beziehungsweise der UEFA Champions League. Ohne seinen Nimbus als Siegertyp in der Wirtschaft und zumal im Fußball hätte Berlusconis politische Karriere in den Jahren nach 1994 kaum so durchstarten und ihn direkt ins Amt des Ministerpräsidenten befördern können.

          Als Milan jüngst den 19. Titel gewann und auf dem Domplatz in Mailand feierte, war Berlusconi natürlich dabei. Und auch in Pisa war er beim Play-off-Spiel „seiner“ AC Monza zugegen. Von der VIP-Lounge begab sich Berlusconi nach guter alter Gewohnheit in die Kabine und hielt eine Ansprache. Nach dem Triumph von Pisa berichtete Berlusconi stolz, er habe wie üblich wertvolle Ratschläge erteilt.

          Und wie üblich hätten weder die Spieler noch Trainer Giovanni Stroppa seine Ratschläge befolgt. Und deshalb hätten sie gewonnen. Sagte Berlusconi und setzte sein verschmitztestes und jungenhaftestes Lächeln auf. Neben ihm stand seine gegenwärtige Lebensgefährtin Marta Fascina, die ihn bei Stadionbesuchen ebenso begleitet wie zu Parteikongressen. Fascina ist 32 Jahre jung. Berlusconi 53 Jahre älter. Aber sein Fußballherz ist so jung wie eh und je.

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