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Rangnick beim F.A.Z.-Kongress : „Der Abgang von Jürgen Klopp hat der Bundesliga geschadet“

  • -Aktualisiert am

Ralf Rangnick im Gespräch mit Michael Horeni: „In spätestens acht bis zehn Jahren bekommen wir ein Qualitätsproblem im deutschen Fußball.“ Bild: Frank Röth

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung wird 70 und ist auf dem Weg in die Zukunft. Ralf Rangnick befasst sich mit der Zukunft des Fußballs. Als Gast des F.A.Z.-Kongresses fordert er den deutschen Fußball zu Reformen auf.

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          Der ehemalige Bundesligatrainer Ralf Rangnick sieht den sportlichen Qualitätsverlust der Bundesliga gegenüber der englischen Premier League auch in der Abwanderung von Spitzentrainern wie Jürgen Klopp und Pep Guardiola begründet. „Top-Spieler werden von Top-Trainern entwickelt. Und vor fünf, sechs Jahren hatten wir noch Trainer in der Bundesliga, die mittlerweile im Ausland äußerst erfolgreich arbeiten“, sagte der derzeitige „Head of Sport and Development Soccer“ der Red Bull GmbH beim F.A.Z.-Kongress „Zwischen den Zeilen“ am Donnerstag in Frankfurt.

          Neben Klopp und Guardiola zähle er dazu auch Thomas Tuchel, der mittlerweile das französische Spitzenteam Paris St. Germain betreut oder Roger Schmidt, der nach seiner erfolgreichen Zeit bei Bayer Leverkusen in die chinesische Super League gewechselt war. „Dadurch, dass wir solche Leute nicht mehr in der Bundesliga haben, ist das Tempo ein bisschen gemächlicher, das Spiel ist langsamer geworden. Das hat auch dazu beigetragen, dass in den vergangenen Jahren kein Weltklassespieler aus der Bundesliga hervorgegangen ist.“

          „Nagelsmann ist das größte Trainertalent“

          Das Bundesligateam RB Leipzig, das der 61-Jährige noch in der vergangenen Saison selbst als Cheftrainer betreut hat, sieht Rangnick jedoch als Ausnahme. „Julian Nagelsmann ist das größte deutsche Trainertalent. Er ist für sein Alter sehr reif und sehr weit und kann, wenn er sich so weiterentwickelt, auf eine Stufe kommen mit Klopp und Guardiola.“ Dieses Potential hätten nicht alle anderen aufstrebenden Trainer in der Bundesliga, meinte Rangnick, der augenzwinkernd anfügte: „Über den Modegeschmack von Julian kann man natürlich aber noch diskutieren.“

          Guardiola leiste beim derzeitigen englischen Meister Manchester City ebenso eine sehr gute Arbeit wie Klopp beim Champions-League-Sieger FC Liverpool. Dies verdeutlichte Rangnick, der mittlerweile die Fußballstrategie des gesamten Red-Bull-Konzerns verantwortet, an den Beispielen einiger Profis der „Reds“: „Wenn man sich Jordan Henderson oder James Millner anschaut, die waren vor Klopp absoluter Durchschnitt. Dass sie nun aber zu solchen Spielern geworden sind, liegt ausschließlich an ihrem Trainer.“ Auch das berüchtigte Angriffs-Trio des FC Liverpool zählte der Fußball-Fachmann dazu: „Sadio Mané, Mohamed Salah und Roberto Firmino waren bis vor drei, vier Jahren alles andere als typische Pressing-Stürmer. Die wollten nur den Ball haben und kicken. Dass das in Liverpool so zusammengewachsen ist, hat nur mit Jürgen Klopp zu tun.“

          In Deutschland aber würden sich einige Vereine zu oft zu viel Zeit bei Veränderungsprozessen lassen. „Bei perspektivischen Entscheidungen drehen sich manche Traditionsklubs langsamer als die Queen Elizabeth im Hamburger Hafen.“ Bei RB Leipzig jedoch hätten kurze Entscheidungswege rasch zu zukunftsfördernden Entscheidungen geführt. „Wir sind eher mit Schnellbooten unterwegs.“

          „Bolzplatzfußball“ pflegen

          Ein weiterer Grund für die wachsende Kluft zwischen Premier League und Bundesliga, die auch durch die enormen TV-Gelder in England befeuert würde, ist für Rangnick die mangelhafte Ausbildung der jungen Spieler in Deutschland. Dabei werde nicht mehr genügend auf das „ungeordnete Spiel“ geachtet, Elemente des „Bolzplatzfußballs“ würden nicht ausreichend geübt. Stattdessen habe man in den Vereinen und auch in den Nationalmannschaften viel zu lange auf „Ballbesitzfußball“ gesetzt. „Mittlerweile wurde zwar ein anderer Weg eingeschlagen, das ist auch gut und richtig. Doch in spätestens acht bis zehn Jahren bekommen wir ein Qualitätsproblem im deutschen Fußball.“

          Für die nächsten „fünf bis acht Jahre“ aber sieht der Schwabe, der im Profi-Fußball unter anderem den VfB Stuttgart, Hannover 96 und Schalke 04 betreut hat, die DFB-Elf noch gut gerüstet. Das liege vor allem an Spielern wie Kai Havertz, bei dem es lediglich eine Frage der Zeit sei, bis er „nicht nur Stammspieler sondern auch Leistungsträger in der Nationalmannschaft ist. Das gleiche gilt übrigens auch für Leroy Sané und Julian Brandt.“ Selbst als Bundestrainer die Geschicke des deutschen Fußballs zu leiten, steht für Rangnick derzeit nicht zur Diskussion. „Nur für eine Trainerstelle bin ich nicht der Richtige. Ich bin jemand, der über mehr nachdenkt. Für mich ist es dann interessant, wenn ich Einfluss nehmen, Dinge entwickeln und verändern kann.“ Ganz so, wie es auch Jürgen Klopp macht.

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