https://www.faz.net/-gtl-9kwe0

Nationalmannschaft : Für Löw ist alles in Ordnung

Es fiel auf, wie Löw gerade bei diesem letzten Punkt betonte, dass er in sportlichen Fragen „völlig autark“ entscheide und Grindel ja über Oliver Bierhoff informiert worden sei, wenn auch erst am Morgen seiner München-Reise. Diese schilderte Löw ansonsten als etwas, was in allerbester Absicht geschehen und noch nicht einmal schiefgelaufen sei – sondern allenfalls schief interpretiert. Von der Öffentlichkeit und den Medien wohlgemerkt, mit den Spielern, er nannte Boateng und Müller, habe er sich noch einmal telefonisch ausgetauscht – und das offenbar zur Zufriedenheit, zumindest seiner. „Grundsätzlich gibt es überhaupt keine Probleme, die unser Verhältnis belasten“, behauptete Löw.

Warum dann gerade Müller selbst mit einer Nacht Abstand noch mit einem deftigen Videoreplik reagiert hatte, in der er beklagte, dass das „mit Wertschätzung nichts zu tun“ habe? Was das anging, sprach Löw von „Interpretationsjournalismus“, er hingegen wisse, worauf sich Müllers Aussagen bezögen und legte nahe: auf die Form der vermeintlich vorbereiteten Pressemitteilung, aber nicht auf Form und Inhalt des Gesprächs – was dann eher an Grindels als an Löws Adresse ging. Das klang angesichts der Deutlichkeit von Müllers Worten wenig überzeugend – es wird spannend sein, ob aus Sicht der Spieler noch einmal Näheres zu hören sein wird.

Löw rechtfertigt sein Vorgehen

Am Freitag musste man sich mit Löws Sicht begnügen, die er zum ersten Mal persönlich und im Detail schilderte. Ihm sei es „das Allerallerwichtigste“ gewesen, „ein persönliches, offenes, ehrliches Gespräch zu führen“, sagte der Bundestrainer. Diese Spieler hätten „Einmaliges geleistet“ und genössen seine „allerallergrößte Wertschätzung und Dankbarkeit“. Weshalb er auf keinen Fall habe riskieren wollen, dass die Nachricht von seiner Entscheidung, die erst vor zwei Wochen „endgültig“ gefallen sei, vorzeitig an die Öffentlichkeit gerate. „Ich hätte mich geschämt, wenn vorher etwas durchgedrungen wäre“, sagte er und man konnte sich fragen, ob der Hinweis auf den kleinen Kreis der Eingeweihten sich womöglich auch auf befürchtete Indiskretionen aus dem eigenen Haus bezog.

An der Deutlichkeit seiner Aussagen in den Gesprächen mit Boateng, Hummels und Müller ließ er indes keinen Zweifel. Er habe „keinen Eiertanz“ gewollt und den Spielern gesagt, dass er „für die Qualifikation und die EM ohne sie plane“. Als Trainer, sagte Löw, habe er auch „harte Entscheidungen“ zu treffen, dies sei auch im Sinne der jungen Spieler geschehen: Um ihnen die Gelegenheit zu geben, sich in Ruhe zu entwickeln.

Im Laufe des Vormittags war spekuliert worden, Löw könne die Endgültigkeit seiner Entscheidung relativieren. Das aber klang dann doch ganz anders, konsequenter: „Ich habe die Spieler nicht verbannt, aber ich plane ohne sie“, so seine Sprachregelung. Darin mochte man zwar streng genommen die Existenz eines Hintertürchens erkennen.  Löw machte aber überhaupt nicht den Eindruck, als habe er vor, dieses auch zu öffnen.

Mehr Spielraum enthielten Löws Aussagen in einer anderen Frage: Wie es sich denn nun mit der Position im Tor verhalte. „Manuel Neuer ist aktuell unsere Nummer eins, unser Kapitän“, sagte Löw. Aber auch der müsse „bei uns Leistungen bringen“, fügte der Bundestrainer hinzu. „Marc-André ter Stegen, der mittlerweile genauso auf Weltklasseniveau agiert, wird seine Chancen bekommen. Die werde ich ihm einräumen, dann wird man sehen.“ Das klang zumindest nach Konkurrenz. Ob daraus im Fall der Fälle auch eine unbequeme Konsequenz folgt – das darf man sich nicht nur in München fragen.

Weitere Themen

Ärger um Rebic, Wirbel um Dost

Eintracht Frankfurt : Ärger um Rebic, Wirbel um Dost

Ante Rebic lässt es bei der 0:1-Niederlage im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg an fast allem mangeln. Eintracht-Sportvorstand Bobic stellt den Abbruch der Transfergespräche mit Lissabon in Aussicht.

Topmeldungen

Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

Schwäche der EU? : Boris Trump

Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

Axel Voss auf der Gamescom : Zu Gast bei Feinden

Der EU-Abgeordnete Axel Voss ist die Hassfigur der Youtuber und Gamer. Mit der Reform des Urheberrechts hat er die Szene gegen sich aufgebracht. Sein Besuch auf der Spielemesse Gamescom lief dann aber anders als erwartet.
Noch baumelt der Golf an den Greifarmen im Zwickauer VW-Werk. Bald soll ihn das Elektromodell ID ablösen.

VW-Werk : Zwickau wird elektrisch

VW produziert im sächsischen Zwickau bald nur noch Elektroautos. Das Werk wird damit zum Modell für die ganze Branche. Was bedeutet das für die Arbeiter? Ein Besuch im Versuchslabor.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.