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Keller gegen Curtius : Finale um Macht im DFB geht in die Verlängerung

DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius (links) und Präsident Fritz Keller (Bild von März 2020) Bild: dpa

Zwischen Präsident Keller und Generalsekretär Curtius tobt ein einmaliger Machtkampf im DFB. Seit Monaten wird er auf offener Bühne ausgetragen. Nach langer Sitzung geben sie sich nun eine letzte Chance für einen gemeinsamen Weg.

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          Die Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist am Freitag nicht zu einer Entscheidung im Machtkampf zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius gekommen. Sieben Stunden nach Beginn der Präsidiumssitzung in Frankfurt teilte der Verband mit, die Parteien wollten noch ein letztes Mal versuchen, einen gemeinsamen Weg zu finden: „Nach intensiver und konstruktiver Aussprache im DFB-Präsidium werden wir im Sinne des Deutschen Fußball-Bundes, seiner Mitgliedsverbände und seiner Mitarbeiter*innen unverzüglich letztmalig einen gemeinsamen Versuch unternehmen, Regeln und Rollen für eine künftige gemeinsame professionelle Zusammenarbeit zu diskutieren und festzulegen“, heißt es in dem gemeinsamen Statement von Keller und Curtius.

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          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Vor der Sitzung war publik geworden, dass Keller das Vertrauen zu Curtius vollständig verloren hat. Das hatte er seinem Präsidium am Freitag schildern und dabei auf belastbare Indizien verweisen wollen, die eine Verbreitung von Interna an die Öffentlichkeit zu seinen Lasten dokumentieren. Dieser Versuch, eine Mehrheit im Präsidium von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen, dass eine Zusammenarbeit mit Curtius nicht mehr möglich sei, ist offenbar gescheitert.2

          Dem DFB-Präsidenten wird wiederum aus der Fraktion seiner Gegner vorgeworfen, unberechenbar zu sein, sprunghaft zu agieren und eine Reihe von Fehlern begangen zu haben seit seinem Amtsantritt im Herbst 2019. Sein ursprüngliches Ziel, eine Entscheidung in der Auseinandersetzung mit seinem Generalsekretär zu erzwingen, hat Keller in der DFB-Zentrale am Freitag nicht erreicht.

          In den vergangenen Tagen waren in den Medien verschiedene Interna zu Lasten von Curtius öffentlich geworden. Am Donnerstag hatte sich auch der Profifußball unter Führung der Deutschen Fußball Liga (DFL) gegen den DFB-Generalsekretär ausgesprochen und ihn von seinen künftigen Sitzungen ausgeschlossen. Nach diesem öffentlichen Misstrauensvotum dürfte auch die DFL die Entscheidung des DFB-Präsidiums, Curtius nicht von seinen Aufgaben zu entbinden, als Niederlage empfinden.

          Neben dem Konflikt zwischen Präsident und Generalsekretär belastet den Verband seit Monaten die Schwäche der Administration, trotz eindeutiger wie unübersehbarer Warnungen in den vergangenen Jahren, Razzien der Steuerfahndung nicht vermieden zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachtes der schweren, bewussten Steuerhinterziehung. Selbst eine Nachzahlung nach der Durchsuchung der Zentrale und der Wohnungen von beschuldigten aktuellen und ehemaligen Funktionären durch 200 Beamte, führte vorerst nicht zum Ziel. Im Gegenteil. In der Sache ist nun ein weiteres Steuerstrafverfahren anhängig.

          Weil das Thema „Machtfrage“ nicht auf der offiziellen Tagesordnung gestanden hatte, fehlte die formale Grundlage, einen Antrag etwa auf Entbindung Curtius von seinen Aufgaben stellen zu können. Andererseits hätte das Präsidium im Falle einer überwältigenden Mehrheit für die Argumentation einer Seite entweder Curtius oder Keller einen Rückzug nahelegen können. Dass es dazu nicht gekommen ist, spricht für ein in dieser Machtfrage weiter gespaltenes DFB-Präsidium.

          Hinter Keller stehen die dem Gremium angehörenden Vertreter des Profilagers. Sie können im DFB-Präsidium allerdings vom Amateurlager überstimmt werden. Keller soll einige aus diesem Kreis von seiner Sicht überzeugt haben, hatte es vor der Sitzung am Freitag geheißen. Offenbar reichten seine Argumente und Belege aber nicht, um Einmütigkeit in seinem Sinne zu erzielen. Oder Curtius von der Aussichtslosigkeit seines Kampfes um den Verbleib im Amt zu überzeugen.

          Das Finale um die Macht im DFB geht in die Verlängerung. Alle Anwesenden wurden zu Stillschweigen verpflichtet. Hätten sich die Beteiligten im DFB in den vergangenen Monaten an diesen Grundsatz gehalten, wäre es vermutlich nicht zu dem in der Geschichte der bedeutenden deutschen Spitzensportverbände einmaligen Machtkampf gekommen, der seit Monaten auf offener Bühne ausgetragen wird. Die nächste Präsidiumssitzung findet Ende Januar statt.

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