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Afrika-Cup : „Freut euch, bei uns wird alles besser“

Rasenpflege auf afrikanisch, es dauert eben etwas länger Bild:

Diebstähle, Hotelchaos, Stromausfälle - beim Afrika-Cup in Ghana trifft es die Besucher hart. Dabei will der Kontinent schon in zwei Jahren beweisen, dass er eine Weltmeisterschaft organisieren kann.

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          Schafft Afrika es? Die Frage wird seit 1990 gestellt, als Kamerun bei der WM glänzte und die Fußballwelt begann, sich einen Weltmeister aus Afrika vorzustellen. Bis heute vergeblich. Der Afrika-Cup in Ghana liefert derzeit einigen Anlass, diese Phantasie für die WM 2010 in Südafrika neu zu beleben. Die Spiele sind durchweg ansehnlich.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Disziplin, Tempo, taktische Sicherheit, defensive Organisation, ja sogar die Torhüterleistungen bewegen sich auf einem Niveau wie nie zuvor in dieser kontinentalen Breite. Das führt unmittelbar zum zweiten Aspekt der Eingangsfrage – nämlich, ob Afrika es nicht nur hinkriegt, den Fußball auf europäischem Niveau zu organisieren; sondern auch ein Fußballturnier, eine Weltmeisterschaft gar.

          Miserabler Rasen beim Eröffnungsspiel

          Wie immer ist der Afrika-Cup ein Fußballfest, mit prächtigen Farben, rhythmischen Klängen, unglaublichen Fans und knackigen Toren. Doch die Antwort auf die Frage nach der Organisation fällt noch nicht sehr hoffnungsvoll aus. Wohlwollend könnte man sie in eine schlechte und eine gute Nachricht aufteilen. Die schlechte: Es klappt nicht viel. Die gute: Für alles, was nicht klappt, gibt es eine schnelle Erklärung. Der miserable Rasen zum Beispiel beim Eröffnungsspiel. Ghanas Trainer Claude Leroy nannte ihn den „schlechtesten, den ich in zwanzig Jahren Afrika gesehen habe“.

          Für alles, was nicht klappt, gibt es eine schnelle Erklärung

          Man fragte den Platzwart, er ist kein Dilettant, er hat in der englischen Premier League gearbeitet, beim FC Fulham. Was lief schief? Er habe den Rasen absichtlich so lang stehen lassen, damit er das dreiwöchige Turnier gut durchhalte, und ihn erst am ersten Spieltag mähen wollen. Aber da war die Wiese schon für die Eröffnungsfeier abgedeckt. Wenigstens wässern wollte der Mann mit dem grünen Daumen das Geläuf noch: „Aber da war schon die Kapelle auf dem Platz.“

          Anthony Baffoe als Mädchen für alle

          Dabei ist der Afrika-Cup kein Feld-Wald-und-Wiesen-Turnier mehr, sondern ein weltweit beachtetes Sportereignis. Schon die letzten zwei Jahre brachten dem afrikanischen Kontinentalverband Einnahmen aus Marketing und Medienrechten, vor allem durch sein Top-Turnier, von 23,5 Millionen Dollar, und nun hat man einen neuen, achtjährigen TV-Deal, der 80 Prozent mehr bringt als der alte. Allerdings hätte es beinahe keine Bilder vom aktuellen Turnier gegeben. Fünf Tage vor Beginn stellte man fest, dass irgendwelche afrikanischen Anschlüsse nicht mit der europäischen Technik der übertragenden Agentur zusammenpassten.

          Für die Lösung des Problems sorgte einer, der ghanaische Gene mit europäischer Organisation kombiniert. Anthony Baffoe, in Deutschland geboren und dort als Bundesligaprofi, Moderator und Schauspieler aufgetreten, ist beim Turnier das Mädchen für alles. Ständig sind irgendwelche Probleme zu lösen. Ohne den Diplomatensohn, der für Ghana den entscheidenden Ball im Elfmeterschießen des Afrika-Cup-Finals 1992 gegen die Elfenbeinküste verschoss, gingen beim Afrika-Cup vielleicht manchmal die Lichter aus.

          Leere Stadien, teure Schwarzmarkttickets

          Manchmal tun sie das trotzdem. Am zweiten Spieltag war der Vizepräsident Ghanas dabei, in Sekondi die Mannschaften von Benin und Mali zu begrüßen, da wurde es stockdunkel, und das Spiel verzögerte sich um zwölf Minuten. Die Erklärung wurde rasch nachgereicht: In einem der beiden Hauptgeneratoren musste dringlich ein Ölfilter gewechselt werden. Man schaltete also auf die öffentliche Stromleitung, die das aber leider nicht gut verkraftete – was man hätte wissen können, denn auch bei der Generalprobe im Stadion von Tamale tappte man im Dunkeln.

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