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Frauenfußball : Ziel erreicht: Wolfsburg in der Champions League

Neue „Wölfinnen“: Die Nationalspielerinnen Viola Odebrecht (l.) und Alexandra Popp verstärken den VfL Wolfsburg Bild: imago sportfotodienst

Die Fußballfrauen des VfL Wolfsburg sind den Männern von Felix Magath mehr als einen großen Schritt voraus. Sie spielen als zweiter deutscher Vertreter neben Meister Turbine Potsdam in der heute beginnenden Spielzeit der Champions League.

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          Der VfL Wolfsburg kann sich in dieser Saison seinen großen Fußball-Traum tatsächlich erfüllen. Der Sieg in der Champions League ist möglich - wenn auch nur bei den Frauen des Vereins. Erstmals haben sich die „Wölfinnen“ in dieser Spielzeit als Meisterschaftszweite der vergangenen Bundesligasaison für den Wettbewerb qualifiziert, den Felix Magath so gerne mit seinen Männern bestreiten und vermutlich noch lieber gewinnen würde.

          Ralf Kellermann, als Trainer und Sportlicher Koordinator des Teams der Magath der Frauen, will freilich von solchen Vergleichen nichts wissen. „Unser Wettbewerb ist ein anderer als die Champions League der Männer, und wir stehen auch nicht in Konkurrenz zu Felix Magath“, sagt Kellermann vor dem Auftaktspiel beim polnischen Meister Unia Raciborz am Donnerstag (17 Uhr/ live in Eurosport).

          Stattdessen nimmt der 45 Jahre alte ehemalige Zweit- und Drittligatorwart lieber den Vergleich an mit dem zweiten deutschen Champions-League-Vertreter. Turbine Potsdam geht als zweifacher Sieger des einzigen europäischen Vereinswettbewerbs für Frauenfußball-Teams ins Rennen. Daraus leitet Trainer Bernd Schröder, auch er ein ehemaliger Torwart, selbstbewusst eine Rolle als Mitfavorit ab. „Wenn man die Champions League schon gewonnen hat, dann will man sie natürlich auch wieder gewinnen, wenn man dabei ist“, sagt der 70 Jahre alte Trainer-Oldie des deutschen Frauenfußballs.

          Auch im 42. Jahr ehrgeizig: Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder

          Dem knorrigen Schröder ist es offenkundig wieder gelungen, eine schlagkräftige Turbine-Elf zusammenzustellen, obwohl gleich vier Nationalspielerinnen den deutschen Meister der vergangenen vier Jahre vor der Spielzeit verlassen haben. „Es sind aber alle ersetzbar, wenn es uns gelingt, als Team Fußball zu spielen“, sagt Schröder trotzig. Drei souveräne Siege in den drei Bundesligapartien dieser Spielzeit bestätigen den Potsdamer Meistermacher in seiner Philosophie. Schröder scheint also auch im zweiundvierzigsten Jahr seines Schaffens in Potsdam noch immer in der Lage, die meist jungen Frauen mit seinen vermeintlich althergebrachten Trainingsmethoden, harter Konditionsarbeit und der oftmals belächelten Taktik samt Libero zu Höchstleistungen zu treiben.

          Ohne den Stammgast FFC

          Kellermann gehört unterdessen zur jungen Fußballlehrer-Generation. Er hat in Wolfsburg in den vergangenen Jahren ein Team geformt, das in dieser Spielzeit erstmals einen Titel gewinnen soll. Dafür hat sich der Werksklub mit den Nationalspielerinnen Alexandra Popp, Luisa Wensing und Viola Odebrecht entscheidend verstärkt. Auch in der Champions League setzt sich der Neuling auf internationalem Parkett deshalb gar nicht erst zu bescheidene Ziele. „Wir wollen die Tradition der deutschen Teams aus den vergangenen Jahren fortsetzen, da war immer mindestens das Halbfinale drin“, sagt Kellermann und fügt dann noch ebenso verklausuliert wie selbstbewusst hinzu, „dass wir die Dreifachbelastung besser auffangen wollen als der FFC Frankfurt im Vorjahr“.

          Der Vorzeigeklub des deutschen Frauenfußballs hatte zwar eine gute Saison gespielt, stand aber zum Schluss der Spielzeit und am Ende seiner Kräfte mit zwei Finalniederlagen in DFB-Pokal und Champions League sowie Rang drei in der Bundesliga da. So hat der Stammgast aus Hessen die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb verpasst und muss nun zuschauen, wie die anderen deutschen Klubs in den Wettstreit mit dem wohl attraktivsten Feld in der jungen Geschichte der Frauen-Champions-League treten.

          So klangvoll wie nie

          Neben dem VfL Wolfsburg tauchen so viele aus dem Männerfußball etablierte Klubs wie nie auf. Titelverteidiger Olympique Lyon, der FC Barcelona, Arsenal London, Birmingham, Bröndby Kopenhagen und auch der Potsdamer Gegner Standard Lüttich (Mittwoch, 19 Uhr) unterstützen den Frauenfußball mittlerweile so stark, dass ihre Frauen in der europäischen Spitze mitspielen können.

          Einen Glanz wie bei den Männern hat der Wettbewerb freilich bei weitem noch nicht, da das Feld der 32 Teams, die im K.-o.-System den Sieger ermitteln, deutlich größere Leistungsunterschiede aufweist. Eine Sternstunde wie das Endspiel in München im Mai, als der FFC Frankfurt gegen Lyon vor mehr als 50 000 Zuschauern 0:2 unterlag, wird es in dieser Saison beim Finale in London aufgrund deutlich geringeren Interesses in England zudem nicht geben.

          Kampf um die Torjägerinnenkrone

          Für drei deutsche Stürmerinnen bietet der Wettbewerb indes noch ein Fernduell der besonderen Art. Die Wolfsburgerin Conny Pohlers, die mittlerweile für Zürich spielende Inka Grings und die als Legionärin in Malmö angestellte Nationalspielerin Anja Mittag haben gute Aussichten, die Führung in der ewigen Torjägerinnenliste des Wettbewerbs zu übernehmen.

          Inka Grings braucht nur drei Treffer, Conny Pohlers und Anja Mittag jeweils vier, um die Bestmarke von 39 Toren der Schwedin Hannah Ljungberg zu überbieten. „Das ist sicherlich ein Anreiz für mich. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, das mich diese Marke nicht interessiert“, sagt Inka Grings. „Ich bin Stürmerin und werde an Toren gemessen.“ Eine solche selbstbewusste Aussage ist einer Königinnenklasse immerhin defintiv würdig.

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