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Frauenfußball : Wolfsburg meint es ernst mit den Frauen

Aktuelle Stars im werdenden Spitzenteam: Conny Pohlers (l.) und Lena Goeßling Bild: Wonge Bergmann

Wenn es schon bei den Männern nicht klappt: Der VfL Wolfsburg strebt nach Titeln im Frauenfußball. Der Werksklub will die Vorherrschaft in der Bundesliga.

          Thomas Röttgermann redet nicht um den heißen Brei herum. „Wenn sich der VfL Wolfsburg im Spitzensport engagiert, dann macht er das auch richtig“, sagt der für den Frauenfußball zuständige Geschäftsführer des Werksklubs aus der Volkswagenstadt. „Unser Maximalziel lautet natürlich, dass wir so schnell wie möglich Titel gewinnen wollen.“

          So viel offen zur Schau getragener Siegeswille vor Beginn der zweiten Saisonhälfte der Bundesliga am Wochenende ist gut für den noch immer schwächelnden Vereinsfußball der Frauen. Die Liga ist trotz des Schubs der WM 2011 noch weit entfernt von den hehren Zielen, die der DFB für seine weibliche Eliteklasse einst ausgegeben hat.

          Phalanx der Topklubs

          Ohne großzügige Freikartenaktionen wäre der Zuschauerschnitt weiterhin nur dreistellig. Die meisten Vereine sind finanziell zu schwach und auch zu wenig professionell organisiert, um ihren Sport besser vermarkten zu können. Lediglich die Spitzenvereine FFC Frankfurt und Turbine Potsdam, die sich alle Meistertitel der vergangenen elf Jahre aufgeteilt haben, dürfen als Ausnahmen gelten.

          Auf Augenhöhe: Schon jetzt hält Wolfsburg mit den Arrivierten wie dem FFC Frankfurt mit

          Der große Schub für die derzeit zwölf Vereine umfassende Spielklasse scheint indes nur möglich, wenn sich endlich die finanzkräftigen Männer-Bundesligaklubs auch beim anderen Geschlecht engagieren. „Das Know-how der männlichen Bundesligavereine würde uns natürlich voranbringen“, sagt auch Steffi Jones, die nach der WM vom Posten der Organisationschefin als Direktorin Frauenfußball in den Schoß des DFB gewechselt ist. Dort soll Jones vor allem auch die Bundesliga voranbringen, die bislang zu großen Teilen durch Subventionen des reichen Dachverbands überlebt.

          Seit 2009 erhalten die Erstligavereine dank des scheidenden DFB-Präsidenten Theo Zwanziger jährlich 180000 Euro, die sie in hauptamtliche Mitarbeiter investieren müssen. Dadurch hat wenigstens ein Mindestmaß an Professionalität Einzug gehalten. Zudem zahlt der DFB für die Produktion von Fernsehbildern, um wenigstens auf der verbandseigenen Internetplattform eine allerdings nur von wenigen tausend Usern verfolgte Berichterstattung in Bild und Ton zu gewährleisten. Die Präsenz in ARD, ZDF oder den Dritten Programmen ist indes fern von Frankfurt und Potsdam vernachlässigenswert.

          Strahlkraft der Männerklubs

          Mehr scheint nur möglich, wenn die aus dem Männerfußball bekannten Klubs ihre Strahlkraft dem Frauenfußball leihen. Seit der ersten deutschen Frauenfußball-Meisterschaft ist aber nur ein einziges Mal im Jahr 1976 mit Bayern München einer dieser klangvollen Namen in der Siegerliste aufgetaucht. Beim Männer-Rekordmeister wie auch bei den ebenfalls erstklassigen Teams vom Hamburger SV oder von Bayer Leverkusen fristet der weibliche Kick derzeit indes ein Schattendasein.

          Als einziger der bei Männern wie Frauen erstklassig vertretenen Klubs hat Wolfsburg echte Ambitionen auf Titel, was auch die Konkurrenz freut. „Die Ernsthaftigkeit, mit der Wolfsburg sich im Frauenfußball engagiert, nutzt uns allen, weil Konkurrenz das Geschäft belebt“, behauptet der Frankfurter Manager Siegfried Dietrich.

          Neuzugang: Alexandra Popp soll Wolfsburg noch stärker machen

          Im Winter verkündete der VfL nun auch noch die Verpflichtung von Alexandra Popp, der derzeit begehrtesten deutschen Spielerin, für die kommende Spielzeit. Die Signale sind also eindeutig. Mit nun mehr als einem halben Dutzend Nationalspielerinnen strebt der Klub die Vorherrschaft im deutschen Frauenfußball an. „Wir sind in erster Linie ein Sportverein, der wie jeder andere Sportverein Erfolg haben will. Aber auch VW als unser Gesellschafter ist daran interessiert, dass wir das gut machen, weil auch die Erfolge im Frauenfußball das Gesicht von VW prägen“, sagt Geschäftsführer Röttgermann. „Die anderen Männerklubs werden schon noch merken, dass sich Engagement im Frauenfußball lohnt.“

          Wolfsburger Chancen im Jetzt

          Trainer Ralf Kellermann reagiert derweil allergisch auf Fragen bezüglich der aussichtsreichen Zukunft mit der Galionsfigur Alexandra Popp. „Ich rede jetzt nicht vom Sommer, weil das noch lang hin ist“, sagt Kellermann. „Ich arbeite im Hier und Jetzt.“

          Seit Mittwochabend ist Kellermanns Abneigung gegen den Blick voraus endgültig verständlich. Nachdem Titelverteidiger Potsdam in einem Nachholspiel beim HSV nur ein enttäuschendes 1:1 erzielt hat, ist Wolfsburg als Tabellenzweiter so dicht wie nie zuvor am Platz an der Sonne dran. Offenbar will der VfL, der am Sonntag in Bad Neuenahr die Jagd auf den derzeit um drei Punkte besseren Titelverteidiger startet, schon in diesem Frühjahr und somit eine Spielzeit früher als vereinsintern angestrebt die Meisterschaft gewinnen.

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