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Frauenfußball : Grabenkrieg um Kunstrasen-WM

Streitobjekt: Die Frauenfußball-WM 2015 soll auf Kunstrasen ausgetragen werden Bild: AP

Am Mittwoch (18 Uhr) spielen die deutschen Fußballfrauen auf dem umstrittenen Kunstrasen. Der WM-Test in Schweden wird überlagert von neuen Vorwürfen der protestierenden Spielerinnen. Verbände sollen sie unter Druck gesetzt haben.

          An diesem Mittwoch soll eine Freundschaft ihren Anfang nehmen: Beim Länderspiel der deutschen Fußballfrauen in Örebro gegen Schweden (18 Uhr / Live in der ARD) wird nämlich auf Kunstrasen gespielt. Auf diesem Untergrund wird nach Stand der Dinge im kommenden Jahr auch bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Kanada gespielt. Erstmals soll dann ein komplettes Fifa-Turnier auf diesem Belag ausgespielt werden.

          Die Wahl dieses ungewohnten Untergrunds hat deutschen Fußballspielerinnen zuletzt nur Argwohn und Ablehnung entlockt, bis zur WM im kommenden Juni sollen sich die Spielerinnen nach den Vorstellungen von Silvia Neid nun mit dem künstlichen Grün arrangieren und anfreunden. „Ich habe mich schon lange damit abgefunden, dass wir darauf spielen müssen. Und das sollten jetzt auch die Spielerinnen annehmen“, sagt die Bundestrainerin, die den Fokus von der Debatte um synthetisches Grün wieder auf die zuletzt bei der 0:2-Niederlage im Länderspiel gegen Frankreich so dürftige sportliche Leistung lenken will.

          Die Spielerinnen haben damit freilich noch ihre Schwierigkeiten. Zuletzt betonte Torjägerin Celia Sasic, dass sie es vor allem als Unverschämtheit empfinde, dass die Fifa den Frauen einfach den Kunstrasen untergejubelt habe. Torhüterin und Weltfußballerin Nadine Angerer, die sich während ihrer Zeit als Profi in Portland gemeinsam mit den amerikanischen Superstars Abby Wambach und Alex Morgan einen Protest von einer großen Zahl internationaler Top-Spielerinnen initiiert hat, sagt immer wieder gerne: „Sepp Blatter spricht immer wieder davon, dass die Zukunft des Fußballs auf Kunstrasen stattfindet. Wir fragen uns aber, warum die Zukunft nur bei den Frauen beginnt, aber bei den Männern auch noch 2022 auf Naturrasen gespielt werden soll.“

          Klage vor Gericht für Menschenrechte

          Fast alle aktuellen deutschen und amerikanischen Nationalspielerinnen standen Abby Wambach und Nadine Angerer, die in der amerikanischen Profiliga freilich beide meist auf Kunstrasen spielen, im Widerstand zur Seite, den die Weltfußballerin nun sogar bis zu einer Klage wegen angeblicher Diskriminierung der Frauen vor einem Gericht für Menschenrechte im kanadischen Bundesstaat Ontario geführt hat, die zwar gute Erfolgsaussichten für einen Achtungserfolg hat, womit aber vermutlich kein Zugriff auf die übernationale Organisation Fifa zu bekommen ist. Die WM wird also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf Kunstrasen stattfinden, selbst wenn noch mehr Spielerinnen protestieren sollten.

          Im Kampf gegen Kunstrasen: Nationaltorhüterin Nadine Angerer bevorzugt wie viele andere Natur

          Oder sind es doch gar nicht so viele, die eine juristische Auseinandersetzung anstreben? Das kanadische Organisationskomitee plauderte zuletzt in einer Telefonschaltkonferenz  mit einigen Journalisten jedenfalls fast schon provokant süffisant darüber, dass die offizielle Klageschrift angeblich nur sieben Namen enthalte. Damit wäre die breite Front an weltweiten Spitzenspielerinnen nicht gar so stolz wie es anfangs erschien.

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