https://www.faz.net/-gtl-7sfl9

U20-WM der Frauen : Erfolgreicher Testlauf auf Kunstrasen

Freude der Siegerinnen: Wibke Meister und Torschützin Theresa Panfil (r.) Bild: AP

Perfekter Start für die deutschen Nachwuchsfußballspielerinnen: Bei der U20-Weltmeisterschaft revanchieren sie sich gegen die Vereinigten Staaten im Auftaktspiel für die Endspielniederlage von 2012. Das Turnier hat auch Bedeutung für die A-Nationalmannschaft.

          3 Min.

          Der Auftakt ist den deutschen U20-Frauen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada mit einem 2:0-Sieg gegen die Vereinigten Staaten schon einmal perfekt gelungen: Ein Sieg gegen den Erzrivalen ist für deutsche Frauenfußball-Teams ohnehin eine Besonderheit. Die A-Nationalmannschaft hat beispielsweise seit einem Jahrzehnt kein Duell mehr gewonnen. Und auch die U20 hat aus der jüngsten Vergangenheit eine schlechte Erinnerung an die Amerikanerinnen. 2012 verloren sie schließlich das WM-Finale gegen den Erzrivalen.

          Und tatsächlich gab es am Dienstagabend für zwei Spielerinnen eine richtige Revanche: Sowohl die deutsche Spielführerin Lina Magull wie die amerikanische Kapitänin Cari Roccaro waren vor zwei Jahren schon dabei. Dieses Mal durfte Magull am Ende jubeln, weil die in Florida studierende Lena Petermann (65. Minute) und die Leverkusenerin Theresa Panfil (90.) trafen.

          „Es war ein Spiel auf sehr hohem Niveau mit dem glücklicheren Ende auf unsere Seite. Ich sage das nicht sehr oft, aber ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft“, meinte Trainerin Meinert. Sie dürfte ihre Spielerinnen freilich vor allzu großer Begeisterung bremsen: 2012 hatte ihr Team in der Gruppenhase ebenfalls gegen die Amerikanerinnen gewonnen, ehe das Endspiel verloren ging.

          Im zweiten Spiel der deutschen Gruppe B gelang China ein 1:1-Unentschieden gegen Brasilien. Die deutschen U20-Frauen treffen am Freitag auf China und könnten sich mit einem Sieg bereits das Weiterkommen ins Viertelfinale sichern.

          Wiedergutmachung für schwache Resultate

          Ein erfolgreiches Turnier der ältesten deutschen Nachwuchsfrauen wäre ein wichtiger Erfolg auch für das gesamte Fördersystem, nachdem die U17 und die U19 in diesem Jahr enttäuschende Ergebnisse abgeliefert hatten: Die U17 schied bei der Weltmeisterschaft im Frühjahr ohne Sieg in der Vorrunde aus, die U19 scheiterte bei der EM gar schon in der Qualifikation.

          Aus dem Weg geräumt: Torschützin Die deutsche Torschützin Lena Petermann (l.) im Duell mit der Amerikanerin Katie Naughton

          Einen Trend will U20-Trainerin Maren Meinert, die zugleich bei großen Turnieren als eine der Assistentinnen von Bundestrainerin Silvia Neid fungiert, daraus freilich nicht ablesen. „Wir waren in den vergangenen Jahren mit allen U-Mannschaften sehr erfolgreich. Geraderücken müssen wir hier nichts, wir wollen erfolgreich sein und das für uns und den weiteren Weg der Spielerinnen für die Frauen-Nationalmannschaft“, sagte sie gegenüber FAZ.NET. „Grundsätzlich steht zudem jedes Team für sich und eine gute Zusammenarbeit. Wir betrachten jedes Turnier in jeder Altersgruppe neu. Für uns ist in erster Linie wichtig, wie viele Spielerinnen wir für die Frauen-Nationalmannschaft ausbilden, da schauen wir auch nicht so sehr auf die Ergebnisse bei einzelnen Turnieren.“

          Erfahrungen in Grenzsituationen

          Die U20 soll demnach in Kanada beim organisatorischen Testlauf für die „richtige“ WM im kommenden Jahr den Spielerinnen möglichst wichtige Erfahrungen in Grenzsituationen bescheren. So gesehen meinte es die Auslosung gut mit den Deutschen: In den beiden nächsten Spielen in der „Todesgruppe“ B warten China (Samstag, 0 Uhr, Eurosport) und Brasilien (Dienstag, 22 Uhr Eurosport), zwei weitere Hochkaräter im Frauenfußball auf die Auswahl von Maren Meinert. Ein Weiterkommen scheint aber nach dem Auftaktsieg fast sicher.

          „Teamerfolg heißt ja auch immer, dass man möglichst am Ende sechs Spiele machen kann. Damit wären die Spielerinnen mit internationaler Erfahrung bei einem großen Turnier ausgestattet. Das ist die beste Vorbereitung auf die Frauen-Nationalmannschaft„, sagt die Trainerin, die die Hoffnungen ihrer Spielerinnen auf eine weitere WM in Kanada im kommenden Jahr indes zugleich etwas trübt. „Man  muss sehen, dass wir derzeit eine sehr junge Frauen-Nationalmannschaft haben, mit sehr hohem Potential und einem großen Kader. Von daher hoffe ich, dass einige noch eine Chance bekommen, aber wir haben schon sehr viele Spielerinnen nach oben gebracht, so dass es sicher schwieriger wird, weil wir den Generationenwechsel bei den Frauen schon fasst vollzogen haben. Aber für gute Spielerinnen ist immer Platz.“

          Zugepackt: Die deutsche Torfrau Meike Kämper hat sich mit einem starken Spiel in den Fokus gerückt

          Drei Akteurinnen durften sich zuletzt ohnehin schon als Nationalspielerinnen fühlen: Sarah Däbritz und die bei der WM wegen Rückenproblemen fehlende Melanie Leupolz dürfen sich gar seit dem vergangenen Jahr schon als Europameisterinnen bezeichnen, auch wenn sie lediglich als Ergänzungsspielerinnen im Kader standen. Pauline Bremer feierte im April an ihrem 18. Geburtstag ihr Länderspieldebüt.

          Erfahrungen auf Kunstrasen

          Zudem können diese Nachwuchsspielerinnen im nächsten Jahr zwei Vorteile einbringen in den Kampf um Plätze im A-Nationalteam: Zum einen wissen sie, wie man Amerikanerinnen, den großen Favoriten fürs Turnier im kommenden Jahr, schlägt. Zum anderen sammeln die jungen Frauen Erfahrungen auf einem ungewohnten Untergrund: In Kanada wird im kommenden Jahr zum Ärger der meisten Spielerinnen erstmals ein WM-Turnier auf Kunstrasen ausgetragen. Das U20-Turnier wird auf dem selben Geläuf gespielt.

          Auch deshalb wäre es wichtig, dass das Nachwuchsteam  möglichst weit kommt im Turnier. Denn Bundestrainerin Silvia Neid will von Maren Meinert erfahren, welche Probleme der ungewohnte Untergrund unter dreiwöchiger Turnierbelastung für Bänder und Gelenke der Spielerinnen mit sich bringt. „Wir reden über alles, auch über die Situation vor Ort“, sagt U20-Trainerin Meinert. „Wir arbeiten sehr eng zusammen, so dass wir uns auch nach der WM noch einmal intensiv austauschen werden.“

          Weitere Themen

          FC Bayern trifft auf Olympiakos Video-Seite öffnen

          Champions League : FC Bayern trifft auf Olympiakos

          Am dritten Spieltag müssen die Bayern nach Griechenland zu Olympiakos Piräus, dem Tabellen-Dritten in der Gruppe B. Trainer Niko Kovac warnte auf der letzten Pressekonferenz vor der Partie und vor dem Gegner.

          Topmeldungen

          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.