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1:2 gegen Niederlande : Gewinnbringender Verlust für die DFB-Frauen

  • -Aktualisiert am

Fast auf Augenhöhe: Die deutschen Frauenfußballerinnen schlugen sich gegen Europameister Niederlande achtbar. Bild: dpa

Nach alarmierenden 40 Minuten schlug sich die Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen Europameister Niederlande achtbar. Das soll erst der Anfang sein.

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          Natürlich zielte die Bundestrainerin in der Nachbetrachtung auf die miese Chancenverwertung ab, die zum „Haare raufen“ gewesen sei. Natürlich sprach sie von „fehlendem Lohn“ nach einer fußballerischen Vollgasveranstaltung zweier Teams mit Vorwärtsdrang. Niederlagen in Länderspielen machen sich ja nie gut – das galt für Martina Voss-Tecklenburg auch bei der 1:2-Schlappe am Mittwochabend gegen die Niederlande. Und doch war es ein verlorenes Spiel, das versehen werden kann mit dem Prädikat: gewinnbringend.

          Denn die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft gab beim ersten Stresstest, der ersten Standortbestimmung seit einem Jahr, ein Bild ab, aus dem sich viel Positives und auch klare Arbeitsaufträge ableiten ließen. Grob gesagt: Wie deutlich die DFB-Auswahl in den schwachen ersten 40 Minuten abfiel gegenüber dem aktuellen Europameister und Weltmeisterschaftszweiten, das war irritierend, bisweilen sogar alarmierend.

          Wie deutlich sie sich in den folgenden 50 starken Minuten nicht nur steigerte, sondern sich vom spielerischen Niveau über ein Topteam hinwegsetzte, war ermutigend. Die einstige Frankfurter Bundesligaspielerin Jackie Groenen hatte die „Oranje Leeuwinnen“ in Führung gebracht (16.). Der aktuellen Frankfurter Angreiferin Laura Freigang gelang mit ihrem fünften Länderspieltor im vierten Einsatz der Ausgleich (44.), ehe die Niederländerinnen nach dem Wechsel durch Danielle de Donk (61.) zurückschlugen.

          Nicht tadelnd, sondern fürsorglich

          Dass den Deutschen beim sehenswerten, weil fast atemlosen Schlagabtausch in der zweiten Hälfte kein weiterer Treffer mehr gelang, lag auch an der Nervosität von Klara Bühl. In der jungen Offensivspielerin vom FC Bayern spiegelte sich ein Stück weit der Status quo der deutschen Mannschaft mit Blickrichtung Europameisterschaft 2022. „Dieses Mädel ist noch so jung und hat schon so viel Potential. Ich hoffe, dass es in rund anderthalb Jahren ein wenig cooler vor der Kiste abgeht bei ihr“, sagte Martina Voss-Tecklenburg.

          Ihr Tonfall war nicht tadelnd, sondern fürsprechend. Denn was Klara Bühl mit ihren 20 Jahren an Wucht, Dynamik und Finesse in ihre Aktionen zu bringen vermag, lässt für die Zukunft viel erhoffen. Dass sie reihenweise gute, teils selbst erarbeitete Torchancen ausließ, hat sie selbst am meisten geärgert. „Klara war den Tränen nahe“, berichtete die Bundestrainerin. Was aber auch darauf hinwies, wie bedeutsam das Match für die deutschen Frauen war.

          Das Viertelfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich hatte deutlich gezeigt, dass die deutsche Auswahl sich nach einer Ära voller Titelgewinne ein Stück von der Weltspitze entfernt hat. Wenn vom Europameisterschafts-Sommer 2022 an möglicherweise vier Turniere in vier Jahren anstehen – WM 2023, Olympia 2024, EM 2025 –, sollen die Deutschen aussichtsreiche Mitspielerinnen um Trophäen und Medaillen sein. Das ist das erklärte Ziel der Bundestrainerin. Nur gab es pandemiebedingt kaum Gelegenheiten, Fortschritte zu illustrieren.

          „Wir wissen, wo wir anpacken müssen“

          Nach vielen glanzlosen Siegen in Qualifikationsspielen über unterklassige, sich defensiv verschanzende Gegnerinnen, gierte der ganze Betrieb nach dem Duell mit den hochstehenden, angriffslustigen Niederländerinnen. Das Spiel bildete den Abschluss des Miniturniers „Three Nations, One Goal“ mitsamt den Belgierinnen, das dem Wunsch der drei Länder nach einer gemeinsamen Ausrichtung der WM 2027 Nachdruck verleihen sollte.

          „An diesen Spielen reifen die Spielerinnen. Wir haben Widerstände überwunden, unser Spiel durchgebracht und Torgefahr entwickelt auf einem Niveau, das auch in Turnieren auf uns zukommen wird“, sagte die Bundestrainerin. In Sachen individueller Qualität haben die Niederländerinnen den Deutschen sicher etwas voraus. Auch vermochten Mittelfeld-Führungskräfte, wie die bei den europäischen Frauenfußball-Vormächten Olympique Lyon und Paris St. Germain angestellten Dzsenifer Marozsan und Sarah Däbritz, dem gegnerischen Wirbel in der ersten Halbzeit zu wenig entgegenzusetzen.

          Die jungen Innenverteidigerinnen Lena Oberdorf (19 Jahre) und Sophia Kleinherne (20 Jahre) waren in Abwesenheit der angeschlagenen Marina Hegering und der früh verletzt ausgeschiedenen Lena Lattwein mitunter überfordert. Doch Martina Voss-Tecklenburg brauchte ihre gute Laune nach Schlusspfiff nicht zu rechtfertigen. „Wir wissen, wo wir anpacken müssen“, sagte sie.

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