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Frauenfußball-Pokalfinale : Wolfsburg zum Fünften

Frauenfußball in Deutschland: am Ende gewinnt der VfL Wolfsburg Bild: dpa

Almuth Schult rettet die knappe Führung nach dem Tor von Ewa Pajor: Wieder einmal setzt sich der favorisierte VfL Wolfsburg im Pokalfinale der Fußballfrauen durch.

          Vor dem Finale im DFB-Pokal der Frauen hatte sich Almuth Schult einigen Druck aufgebürdet. Im Interview mit dieser Zeitung hatte die Nationaltorhüterin auf einige Missstände im deutschen Frauenfußball und vor allem in dessen Vermarktung durch Klubs und DFB hingewiesen. Das Interview hat im Frauenfußball einen gewissen Wirbel verursacht, weswegen in Köln die Augen noch etwas mehr als üblich auf die 28 Jahre alte Schlussfrau des VfL Wolfsburg gerichtet waren, zumal Schult zuletzt beim 2:2-Unentschieden in einem Testspiel gegen Japan gleich zwei folgenschwere Fehler unterlaufen waren.

          Am Mittwoch in Köln bewies sie, dass sie mit der Situation umzugehen versteht. Schult rettete ihrem Team den 1:0-Sieg nach einem Tor von Ewa Pajor (55. Minute) durch eine bravouröse Leistung. Vor der Siegerehrung gratulierte der gegnerische Trainer Jens Scheuer entsprechend noch der Matchwinnerin fair in einem längeren Plausch zu deren Leistung. „Für mich steht immer der Erfolg der Mannschaft im Vordergrund. Wenn ich dazu etwas beitragen kann ist das schön. Aber ich schaue heute nicht auf mich“, sagte Schult. Stattdessen freute sie sich über den fünften Finalerfolg in Serie „genauso wie über alle vier zuvor, weil jeder anders ist“.

          Vor 17.000 Zuschauern in Köln mussten sich die Wolfsburgerinnen auf dem Weg zum fünften Pokalsieg in Serie mutigen Herausforderinnen aus Baden erwehren, die womöglich aus gutem Grund besonders motiviert waren. Die SCF-Frauen nahmen es dem VfL im Vorjahr übel, dass er als bereits feststehender deutscher Meister ein Spiel bei Bayern München drei Tage nach dem verlorenen Champions-League-Finale aus Sicht der Badenerinnen abgeschenkt hatte. Wolfsburg schonte damals nach einem harten Kampf samt Verlängerung einige Stammkräfte, Stürmerin Alexandra Popp weilte am Vorabend gar als Gast im ZDF-Sportstudio.

          Der VfL verlor anderntags, Freiburg hatte somit keine Chance mehr auf die Champions-League-Qualifikation. Daraus entwickelte sich eine gegenseitige Abneigung, die die altgedienten Wolfsburgerin Babett Peter vor ihrem elftem Pokalfinale in zwölf Jahren mit im meist um etwas zu viel Harmonie bemühten Frauenfußball ungewohnt klaren Worten formulierte. „Die zwei Teams mögen sich nicht so besonders, also wird es ein emotionales Spiel“, sagte die in der vergangenen Woche aus der Nationalmannschaft abgetretene Verteidigerin.

          Wolfsburgs Torhüterin Almuth Schult hält ihr Tor sauber

          Dank des Freiburger Tatendrangs entwickelte sich ein Spiel, in dem der Außenseiter anfangs durch konsequente Verteidigungsarbeit vor allem im Spielfeldzentrum den Wolfsburger Kreativspielerinnen um Pernille Harder den Spaß am Spiel nahmen. Nach Balleroberungen strömten die Freiburgerinnen immer wieder so flott aus, dass sie bei ihren Kontern über die schnelle Sturmspitze Klara Bühl zunächst die besseren Torchancen erspielten. Almuth Schult musste deshalb gleich mehrfach ihr Können unter Beweis stellen: Sie bewahrte ihr Team in Eins-gegen-Eins-Situationen gegen Klara Bühl (11.) und Sandra Starke (29.) sowie bei einem Distanzschuss von Sharon Beck (26.) vor einem Rückstand.

          Der Bundesliga-Tabellenführer fand erst kurz vor der Pause besser ins Spiel, als Ewa Pajor mit einem Fallrückzieher für den fußballerischen Höhepunkt der ersten Halbzeit sorgte. Die Freiburger Schlussfrau Lena Nuding wehrte bravourös ab.

          Kurz nach dem Wiederanpfiff hatte Pajor mehr Glück: Nach einem Pfostenschuss von Harder sprang ihr der Ball vor die Füße, die Polin musste den Ball nur noch ins leere Tor schieben. Die nun aufmerksameren Wolfsburgerinnen ließen fortan in der Defensive nichts mehr zu, vergaben aber durch Pajor zweimal die frühzeitige Entscheidung.

          Das änderte aber nichts mehr daran, dass der VfL Wolfsburg sich den zehnten nationalen Titel seit 2013 sicherte. Eine imponierende Bilanz, die der Bundesliga-Tabellenführer bereits am kommenden Sonntag mit einem Sieg im Spiel bei der TSG Hoffenheim durch den Gewinn des fünften deutschen Meistertitels weiter verbessern könnte. Dafür nahmen sie in der Nacht zum Donnerstag sogar eine Begrenzung der Party-Time in einem Kölner Club bis ein Uhr in Kauf. „Wir wollen auf jeden Fall die Meisterschaft klarmachen. Meine Spielerinnen sind Profis. Sie wissen, dass Sonntag ein wichtiges Spiel ist“, hatte Lerch schon nach dem Spiel gesagt. Bei der Party waren übrigens auch die Freiburgerinnen zu Gast. Sie ließen sich die Feierlaune nicht nehmen nach dem ersten Finaleinzug. „Für uns war der erste Finaleinzug schon ein Erfolg“, befand Trainer Scheuer. „Wie wir uns präsentiert haben, war Werbung für den Frauenfußball. Ich bin glücklich, mit dieser Mannschaft zusammenzuarbeiten.“ Das hat freilich bald ein Ende. Der Trainer wechselt zu Bayern München, wo er den Spielerinnen vermutlich genauso eifrig und besessen den „Schulterblick“ beizubringen versuchen wird nach Vorbild von Xavi und Iniesta, wie er es bislang in Freiburg zu tun pflegte. „Das Wort Schulterblick hängt den Spielerinnen wahrscheinlich zu den Ohren raus“, sagte Scheuer nun schmunzelnd.

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