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DFB-Frauen in Wembley : „Ein Spiel vor einer solchen Kulisse ist ein Geschenk“

Ihre Spielerinnen im Blick: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hofft auf Erkenntnisse in Wembley. Bild: dpa

Liegt es am Frauenfußball-Boom in England? Liegt es an Wembley? Oder doch am Gegner aus Deutschland? 90.000 Zuschauer sorgen für einen Europarekord beim Länderspiel. Die Bundestrainerin hofft auf wichtige Erkenntnisse.

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          Die Vorbereitung des deutschen Frauenfußball- Nationalteams auf das letzte Länderspiel des Jahres war ungewöhnlich. Nicht nur bezog das Team sein Trainingslager nahe der Grenze im Nachbarland Niederlande. Zudem statteten die fast zwei Dutzend Frauen mit ihrem teils auch männlichen Betreuerstab dem Klarissenkloster im niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer einen Besuch ab. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die in der Nähe lebt und  Kevelaer nach eigenen Worten immer mal wieder besucht als als Quell der Ruhe, ehoffte sich dadurch Anregungen für ihre Spielerinnen und vielleicht auch einen gewissen Schub. 

          die Bundestrainerin ist freilich auch ohne die Fürsprache der Nonnen selbstbewusst genug, um eine Erklärung zu liefern für das, was sich am Samstag (18.30 Uhr bei Eurosport) im Londoner Wembley-Stadion anbahnt. 90.000 Zuschauer werden vor Ort sein, wenn das von der Bundestrainerin betreute deutsche Nationalteam England herausfordert. „Es wird schon auch mit uns zu tun haben und zu einem Teil daran liegen, dass Fußballduelle zwischen England und Deutschland bei Männern wie Frauen mit Emotionen verbunden sind“, sagt Voss-Tecklenburg vor der ersten ernsthaften Standortbestimmung nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft im Juni.

          Tatsächlich trägt der Gegner sicher dazu bei, dass am Samstagabend ein Europarekord für ein Fußballspiel von Frauen aufgestellt wird. Aber vor allem ist die Begegnung der vorläufige Höhepunkt eines Booms im englischen Frauenfußball. Die starke WM im Sommer mit dem charismatischen früheren United-Profi Phil Neville auf der Trainerbank sowie die Ausrichtung der EM 2021 haben den Fußballerinnen auf der Insel einen erheblichen Schub gegeben, die Liga erlebt einen Aufschwung dank immer ernsthafterer Engagements der Männer-Topklubs aus London und Manchester.

          Werbung für Frauenfußball

          Der Fußballverband FA hat deshalb viel in Bewegung gesetzt, um diese Entwicklung mit dem Rekordspiel in Wembley zu untermauern. So lässt der Verband Jugendliche bereits für einen Pfund ins Stadion, Familien können anders als bei Männer-Länderspielen zu bezahlbaren Preisen Stadiontourismus zu einer auch noch familienfreundlichen Anstoßzeit betreiben. Und so werden viele Engländer erstmals zu einem Fußballspiel der Frauen pilgern, wo sie vor Ort von der Attraktivität überzeugt werden sollen. „Das wird großartige Werbung für den Frauenfußball und sicherlich auch weiteren Schub geben für die Entwicklung in England“, sagt Voss-Tecklenburg.

          Die 51 Jahre alte Bundestrainerin will freilich mit ihrem Team, das London trotz Flugsstreiks am Donnerstag planmäßig erreicht hat, etwas Wasser in den englischen Wein gießen. Die Deutschen wollen sich im Duell mit den Engländerinnen beweisen, die bei der WM in Frankreich mit Hochgeschwindigkeitsfußball imponiert hatten und letztlich die einzigen waren, die den Weltmeisterinnen aus den Vereinigten Staaten ernsthaft Paroli bieten konnten. Seit dem Turnier hat das Team freilich in vier Spielen gegen ernstzunehmende Gegner wie Brasilien oder Japan nicht mehr gewonnen.

          Erfolgsverwöhnt in Wembley: Pauline Bremer (Mitte, mit ihren Teamkameradinnen Abbie McManus, links, und Tessa Wullaert) hat dort schon mal mit City den FA-Cup gewonnen.

          Die Kulisse nutzt Voss-Tecklenburg dabei bewusst als Mittel, um ihr Team zu motivieren. „Ich weiß selbst nicht, was es bedeutet, vor 90.000 Zuschauern zu spielen“, sagt die Bundestrainerin, die die Chance auf ein solches Erlebnis 1999 nicht nutzen konnte. Damals schied das deutsche Team im Viertelfinale der Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten aus und verpasste somit die Qualifikation fürs WM-Endspiel, das die bis heute gültige Bestmarke von 90.185 Besuchern in Pasadena aufgestellt hat.

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