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Frauenfußball : Rückkehr der Amerikareisenden

Mit Volldampf in die WM: Maren Meinert (rechts) und Linda Bresonik Bild: dpa/dpaweb

Jetzt, wo es losgeht, will selbst die Chefin der deutschen Fußballfrauen nicht mehr länger mit ihrem Optimismus hinterm Berg halten. "Selbstverständlich wird das Gros meiner Spielerinnen auf die Frage nach dem Ziel den Weltmeistertitel angeben“, sagt Trainerin Tina Theune-Meyer.

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          Jetzt, wo es losgeht, will selbst die Chefin nicht mehr länger mit ihrem Optimismus hinterm Berg halten. "Selbstverständlich wird das Gros meiner Spielerinnen auf die Frage nach dem Ziel den Weltmeistertitel angeben. Das verbiete ich ihnen auch nicht. Ich selbst gehe mit großem Vertrauen in dieses Turnier", sagt Tina Theune-Meyer. Die Bundestrainerin der deutschen Fußballfrauen ist eigentlich für ihr zurückhaltendes Wesen bekannt, doch anscheinend verfügt die 49 Jahre alte Rheinländerin über genug positive Anhaltspunkte, daß die anstehende Mission in den Vereinigten Staaten diesmal wirklich zum gewünschten Erfolg führen könnte. "Alle sind fit. Im Team ist genug Feuer und Spannung", betont sie.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Endlich soll der große Coup gelingen, wenn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zum vierten Mal seine Frauenauswahl zu einer WM schickt. An diesem Samstag beginnt das Turnier für das deutsche Team mit dem Gruppenspiel gegen Kanada in Columbus/Ohio, weitere Partien folgen in der Gruppe C gegen Japan (Mittwoch) und Argentinien (nächsten Samstag). Insgesamt 16 Mannschaften nehmen an der Endrunde teil, die zu Beginn des Jahres wegen der Sars-Epidemie kurzfristig von China in die Vereinigten Staaten verlegt worden war. Und die Erwartungen auf deutscher Seite sind hoch: "Es gab noch nie eine so gute deutsche Frauennationalmannschaft. Wir haben den Titel verdient", sagt die defensive Mittelfeldspielerin Steffi Jones in einem Interview mit der morgen erscheinenden Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kurzfristig wurde die DFB-Auswahl personell verstärkt, nachdem es der Bundestrainerin gelang, zwei der international renommiertesten deutschen Spielerinnen, die zuletzt in der nun aufgelösten amerikanischen Profiliga aktiv waren, in die Mannschaft zurückzuholen und damit die Qualität nochmals zu steigern. Für das gemeinsame große Ziel erklärten Steffi Jones vom Meister und Pokalsieger 1. FFC Frankfurt sowie die offensive Mittelfeldspielerin Maren Meinert ihren Rücktritt vom Rücktritt, das Nationalteam verfügt nun über eine erfahrene, starke Achse: angefangen bei der Torfrau Silke Rottenberg (FCR Duisburg), über die Manndeckerin Sandra Minnert (1. FFC Frankfurt) und ihre Vorderfrau Steffi Jones, bis hin zum Mittelfeldduo Renate Lingor (1. FFC Frankfurt) sowie Maren Meinert und der zur Zeit vielleicht besten Stürmerin der Welt, Birgit Prinz, ebenfalls aus Frankfurt und ebenfalls mit Profierfahrung in Amerika. Alle zusammen gewannen vor zwei Jahren die Europameisterschaft in Deutschland. "Ich bin bereit zu helfen und hoffe, daß wir so weit wie möglich kommen", sagt Maren Meinert, die zuletzt im Trikot der Boston Breakers als "wertvollste Spielerin" der amerikanischen Profiliga ausgezeichnet worden war.

          Noch immer läuft die DFB-Auswahl einem der beiden größten Titel im internationalen Frauenfußball hinterher. Bei den Olympischen Spielen 2000 von Sydney gewann Tina Theune-Meyer mit ihrer Mannschaft die Bronzemedaille. Im WM-Turnier 1995 unterlag das Team im Finale den Norwegerinnen, 1991 (Halbfinale) und 1999 (Viertelfinale) war jeweils gegen die Amerikanerinnen das vorzeitige Ende im Titelrennen angesagt. Als größte Herausforderung gilt auch diesmal die Vertretung des Gastgeberlandes, die als Weltmeister besonders unter Druck steht. Nach der Auflösung der bankrotten Profiliga erwarten die Ligamanager, daß die Mannschaft um ihre populäre Dollar-Millionärin Mia Hamm wieder für sportlich positive Schlagzeilen sorgt und möglicherweise einen neuen Aufschwung für die Vereine einleitet.

          Doch das erfolgsverwöhnte Team könnte seinen Leistungszenit inzwischen überschritten haben, glaubt jedenfalls Steffi Jones: "Nur noch ganz wenige Spielerinnen sind hungrig. Die spielen nur noch wegen Geld und Werbung." Dennoch bleiben die Amerikanerinnen für alle Teams auf dem Weg zum Titel ein ganz schwerer Brocken. Zudem besteht der große Vorteil, in wohl immer ausverkauften Arenen vor heimischer Kulisse spielen zu können, woran nicht jede andere Mannschaft gewöhnt ist. Aber es gibt natürlich auch andere, starke Rivalen. Neben Amerikanerinnen dürften sich auch die Chinesinnen, die sich mit dem Ziel einer WM im eigenen Lande lange Zeit akribisch vorbereitet hatten, der Olympiasieger Norwegen und das schwedische Team als EM-Zweiter gute Chancen bei diesem Turnier ausrechnen.

          Für die deutsche Elf beginnt heute gegen Kanada der Ernstfall. Ganz schnell wird man sich dann an den eigenen Erwartungen messen lassen müssen. Bei allem Optimismus trägt Tina Theune-Meyer deshalb auch ein paar kleine Vorbehalte mit sich: "Ich bin nicht so vermessen zu behaupten, daß wir hier jeden schlagen. Das wäre arrogant. Ich will, daß sich die Mannschaft sehr, sehr gut verkauft. Daß wir auf dem Platz mit höchster Einsatzbereitschaft agieren."

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