https://www.faz.net/-gtl-7iyd9

Frauenfußball : Quali-Qual statt Schützinnenfest

Erlösung durch die Torjägerin: Celia Sasic holt mit dem 1:0 ihre heutige Trainerin Silvia Neid in der Torjägerinnenliste ein. Bild: dpa

Kroatien galt vor dem Spiel als nächstes Opfer der deutschen Frauenfußball-Tormaschine. Nach den Kantersiegen in den ersten WM-Qualifikationsspielen tun sich die Europameisterinnen beim 4:0-Sieg aber deutlich schwerer als erwartet.

          Einseitige Frauenfußballspiele mit einem stark überlegenen Heimteam und einem deutlich unterlegenen Gegner und einem dennoch nicht entsprechend deutlichen Ausgang kennt der Frauenfußballfreund in Frankfurt. Und so dürften sich viele der 6000 Zuschauer im Stadion des Männer-Zweitligaklubs FSV Frankfurt am Bornheimer Hang wie bei einem Heimspiel des unweit beheimateten FFC Frankfurt gefühlt haben, nicht nur weil in der Startformation der DFB-Auswahl beim 4:0-Sieg im WM-Qualifikationsspiel gegen Kroatien fünf aktuelle FFC-Spielerinnen und die ehemalige FFC-Schlussfrau Nadine Angerer standen. Vielmehr ähnelte auch der Spielverlauf den Partien des Spitzenklubs, der sich trotz Starensemble in den vergangenen Jahren so schwer tut gegen vom Papier her deutlich schwächer besetzte Teams.

          52 Minuten mussten die Fans beim nach einem 9:0-Sieg gegen Russland und einem 13:0 gegen Slowenien am vergangenen Samstag erwarteten nächsten Schützinnenfest gegen Kroatien warten, ehe Celia Sasic das deutsche Team in einem Spiel auf ein Tor erlöste. Mit dem Treffer holte sie Bundestrainerin Silvia Neid mit nun 48 Toren in der Torschützinnenliste des DFB ein. Nach zwei unglücklichen Eigentoren der Kroatinnen jeweils bei Abwehrversuchen durch Helenna Moulton (56., 62.) war das Spiel dann freilich auch schnell entschieden. Luisa Wensing (80.) erhhte schließlich noch zum halbwegs standesgemäßen 4:0-Endstand. Deutschland führt die Qualifikationsgruppe nun mit drei Siegen an und dürfte ungefährdet die leichte Hürde auf dem Weg zur WM 2015 in Kanada nehmen. „Das war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Mittelfeldspielerin Lena Goeßling. „Wir mussten lernen, dass es immer wieder von vorne losgeht in jedem Spiel und wir uns nichts kaufen können für vorangegangene Siege.“ Torhüterin Nadine Angerer, die für die beiden Qualifikationsspiele eigens aus ihrer neuen sportlichen Heimat Brisbane in Australien angereist war, sprach davon, „dass es sich irgendwie nicht wie ein Sieg anfühlt, weil alle von uns mehr als ein 4:0 erwartet haben.“

          Die erste Halbzeit dürfte für Bundestrainerin Silvia Neid freilich noch Anlass geben zur kritischen Analyse. Die Deutschen spielten zwar auf ein Tor, ihnen fehlte aber die gute Idee, um den dichten Abwehrriegel der Kroatinnen um deren in der Bundesliga beim USV Jena spielende und auch stark agierende Kapitänin Iva Landeka zu knacken. Die beiden einzigen Großchancen vergaben zudem Celia Sasic, die aus nur einem Meter den Ball über die Latte schoss (22.), und Simone Laudehr per Kopfball (40.). Es fehlte die Entschlossenheit vor dem Tor. Hinzu kam, dass sich die finnische Schiedsrichterin Lina Lehtovaara wie so viele ihrer Kolleginnen im Frauenfußball als überfordert erwies. Bei zwei klaren Fouls im  Strafraum an Leonie Maier und Celia Sasic verweigerte sie den fälligen Strafstoß.

          Schwache Schiedsrichterin

          Allerdings profitierten auch die Deutschen von der Schwäche  der Unparteiischen: Sie übersah kurz vor dem Pausenpfiff eine Tätlichkeit von Simone Laudehr. Die deutsche Mittelfeldspielerin ohrfeigte nach einem Foul von Helenna Moulton ihre Gegenspielerin, die Schiedsrichterin übersah das Vergehen indes. Laudehrs Tätlichkeit war ein Beleg dafür, dass sich die nervöser werdenden Deutschen sichtlich unwohl fühlten nach dem bis dahin schwachen Auftritt.

          Erst nach dem Seitenwechsel und der Führung zeigte das deutsche Team dann ansatzweise sein Können.

          Lange ging alles vorbei: Celia Sasic köpft knapp daneben Bilderstrecke

          Weitere Themen

          Eine endlose Schande

          Russische Manipulationen? : Eine endlose Schande

          Krisensitzung bei der Welt-Anti-Doping-Agentur: Die brisanten Daten aus dem Moskauer Labor könnten manipuliert sein. Bestätigt sich dieser Verdacht, drohen ernste Konsequenzen.

          Topmeldungen

          Vor UN-Klimagipfel : Jetzt muss endlich gehandelt werden

          Angela Merkel und ihre Regierung reisen mit einem Plan nach New York, mit dem sie nicht als Vorkämpfer fürs Klima zurückkehren werden. Nur guten Willen zeigen – das genügt nicht mehr. Die neuen Klimaberichte sind alarmierend.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.