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Frauenfußball : Nur ein gefühlter Sieg

Ohne Sieger: Deutschland (mit Melanie Behringer, l.) und die Vereinigten Staaten (mit Crystal Dunn) trennen sich 3:3 Bild: dpa

Auch im elften Spiel in Serie gelingt den deutschen Fußballfrauen kein Sieg gegen die Vereinigten Staaten. Beim 3:3 in Offenbach beweist das deutsche Team aber mit bewundernswerter Moral, dass es weiter erster Herausforderer des besten Teams der Welt ist.

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          Für Nadine Angerer war die Negativserie gegen die Vereinigten Staaten wenigstens vom Gefühl her beendet. „Es fühlt sich an wie ein Sieg“, sagte die Torhüterin des deutschen Frauenfußball-Nationalteams nach dem 3:3-Unentschieden gegen lange Zeit spielerisch hoch überlegene Amerikanerinnen. In der Statistik wird aber nach einem unterhaltsamen Fußballabend vor 16.000 Zuschauern im Stadion auf dem Bieberer Berg trotz Nadine Angerers Hochgefühl das elfte Spiel in Serie stehen, in dem der deutschen Auswahl gegen die Amerikanerinnen kein Sieg in der regulären Spielzeit gelang.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit 2003 warten die DFB-Frauen auf ein solches Erfolgserlebnis gegen das beste Team der Welt, das auch in der Gesamtstatistik mit 20 Siegen bei nur vier deutschen Erfolgen deutlich vorne liegt. Der Sieg 2003 war freilich der vielleicht wichtigste Meilenstein für den deutschen Frauenfußball, weil er im Halbfinale der Weltmeisterschaft den Weg ins Endspiel und zum ersten Titel ebnete.

          Beim dritten Unentschieden im vierten Duell binnen eines halben Jahres bewies das deutsche Team freilich vor allem in der Schlussviertelstunde, weshalb es trotz manch spielerischen Defizits noch immer zu Recht als härtester Konkurrent der Vereinigten Staaten gilt: Mit bewundernswerter Moral kämpfte sich das deutsche Team nach einem 1:3-Rückstand nach Toren von Abby Wambach (47. Minute), Megan Rapinoe (55.) und Alex Morgan (71.) und dem zwischenzeitlichen 1:2 durch Kim Kulig wieder zurück ins Spiel und glich durch einen Elfmeter von Celia Okoyino da Mbabi (84.) und einen Abstauber von Anja Mittag (87.) noch aus.

          Konzentrierter Beginn, unkonzentrierter Wiederbeginn

          Das deutsche Team begann die Partie konzentriert und erarbeitete sich zunächst eine gewisse Feldüberlegenheit. Vor allem die Rechtsverteidigerin Leonie Maier setzte sich immer wieder auf der Außenbahn mit Offensivvorstößen in Szene. Lediglich der letzte Pass fand nie eine Abnehmerin, da Mittelstürmerin Celia Okoyino da Mbabi sich nicht gegen die resolute amerikanische Innenverteidigung durchsetzen konnte. „Leonie Maier war für mich heute die Beste“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid. „Sie spielt so, wie wir es uns vorgenommen hatten: Sie geht mutig nach vorne, spielt gewitzt, ist bissig  und aufmerksam.“

          Amerikanische Stars: Megan Rapinoe und Abby Wambach (r.) jubeln
          Amerikanische Stars: Megan Rapinoe und Abby Wambach (r.) jubeln : Bild: AP

          Diese Eigenschaften ließen die deutschen Frauen nach dem Wiederanpfiff kollektiv vermissen: In der 47. Minute wurde Verena Faißt nach einer kurzen Ecke von ihren Kolleginnen so alleine gelassen, dass Megan Rapinoe recht ungehindert per Flanke der Weltfußballerin Abby Wambach das Führungstor per Kopfstoß ermöglichen durfte. „Das Tor hat uns durcheinandergerüttelt“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid später. Die Amerikanerinnen hätten deshalb bis zur 75. Minute noch mehr als einen Zwei-Tore-Vorsprung herausspielen können, ein Morgan-Treffer wurde ihnen jedoch von der Schiedsrichterin fälschlicherweise wegen Abseits aberkannt, zudem gingen die Amerikanerinnen etwas großzügig mit ihren Chancen um.

          So ermöglichten sie dem deutschen Team ein „tolles Comeback“, wie der amerikanische Trainer Tom Sermanni lobte, der die ehemalige Deutschland-Legionärin Ali Krieger wegen Kniebeschwerden schonte. Zunächst holte Celia Okoyino in der 84. Minute einen Elfmeter heraus, den sie selbst verwandelte. Drei Minuten später traf die eingewechselte Anja Mittag.

          Den deutschen Frauen gelang somit wie schon beim 3:3 im Februar in Frankreich das Kunststück, ein verloren geglaubtes Spiel noch mit einem zufriedenstellenden Resultat zu beenden. An der Moral muss Silvia Neid also bis zur EM im Juli nicht mehr allzu viel feilen. Spielerisch ist indes auch nach dem Gipfeltreffen auf dem Bieberer Berg noch Luft nach oben.

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