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Trainerin Voss-Tecklenburg : Das Flaggschiff wieder auf Kurs bringen

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Martina Voss-Tecklenburg: Ihr Auftrag lautet zurück zur Weltklasse Bild: dpa

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg kann frischen Eroberergeist einspeisen in die verjüngte Frauen-Nationalmannschaft: Bei ihrem Debüt bildet gleich WM-Favorit Frankreich den Maßstab.

          Eine spezielle Episode ihrer Trainerlaufbahn war das zwölfwöchige Engagement bei den Männern vom SV Straelen II. Sie half im Heimatverein ihres Ehemanns aus – und führte die körperlich nicht ganz austrainierten Kicker vom Niederrhein noch zum Klassenverbleib. Die nicht ahnen konnten, dass eine künftige Bundestrainerin ihnen gerade Beine machte. Fußballkompetenz, Temperament, Zielstrebigkeit, Authentizität, Erfahrung, Motivations- und Kommunikationsfähigkeit habe Martina Voss-Tecklenburg vorzuweisen.

          Dieses Bild ergibt sich aus den Schilderungen einstiger und aktueller Weggefährten und den Eindrücken ihrer ersten öffentlichen Auftritte. Als Bundestrainerin leitet sie keine kurzfristige Rettungsmission an – wie es der Job ihres interimistisch agierenden Vorgängers Horst Hrubesch war. Sie hat den Auftrag, das Flaggschiff des deutschen Frauenfußballs auf Sicht wieder dort zu verankern, wo es gemäß dem eigenen Selbstverständnis hingehört: zur Weltklasse.

          Die WM in Frankreich im Juni fällt noch in die Übergangszeit nach dem Ende der titelgesättigten Ära Silvia Neid und den Irrungen der kurzen Ägide von Steffi Jones samt dem schmachvollen Viertelfinal-Ausscheiden bei der EM 2017. Martina Voss-Tecklenburg muss zunächst nicht hohe Erwartungen managen, wie es ihre Vorgängerinnen stets mussten, sondern kann frischen Eroberergeist einspeisen in die verjüngte Nationalmannschaft. Als eine, die ihre Trainerkarriere nicht ausschließlich im Schoße des DFB machte, sondern auch schon in der Bundesliga und fern der Heimat ihren Horizont erweitert hat.

          Zwar ist ihre Verpflichtung schon Ende April 2018 bekanntgegeben worden. Doch Martina Voss-Tecklenburg bestand darauf, ihre Pflichten zu erfüllen im siebten Jahr als Schweizer Nationaltrainerin. So kommt es, dass bis zu ihrer ersten Arbeitsprobe für den DFB seitdem zehn Monate vergangen sind.

          An diesem Donnerstag (21 Uhr, live auf Eurosport) wird die deutsche Mannschaft in Laval vom formstarken französischen WM-Gastgeber und Titelfavoriten geprüft. „Wir haben das bewusst so entschieden, weil ich sehen möchte, wie weit wir mit der Mannschaft sind. Wir brauchen diese guten Gegner, um dann bei der WM auch wirklich performen zu können“, sagte Martina Voss-Tecklenburg am Mittwoch.

          Spielplan, Ergebnisse, Termine der Frauenfußball-WM 2019

          Der Duisburgerin bleiben bis dahin nur vier offizielle Testspieltermine. Für eine konkrete Zielsetzung für das Turnier in Frankreich sei es noch zu früh, sagt die 125-malige Nationalspielerin. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio sollte aber schon herausspringen. Dafür, und das wird schwer genug, muss Deutschland bei der WM unter den besten drei europäischen Teams sein.

          Sportpsychologin im Team: Die frühere Stürmerin Birgit Prinz

          Der DFB-Tross hat aktuell in Rennes Quartier bezogen, wo am 8. Juni auch das erste Gruppenspiel gegen China stattfinden wird. Überraschend mit dabei ist die einstige Vorzeigespielerin Birgit Prinz. Zunächst für zwei Testmatches hat die neue Bundestrainerin die Rekordschützin (214 Länderspiele, 128 Tore) als Sportpsychologin ins Team geholt. In diesem Bereich ist Birgit Prinz schon seit 2012 für die TSG Hoffenheim tätig.

          Bleibt die Frage, wie Martina Voss-Tecklenburg, die eine 20-jährige Trainererfahrung vorzuweisen hat, mit dem für sie ungekannten Druck umgehen wird, den ihr neuer Job mit sich bringt. In der Schweiz war sie mehr Entwicklungshelferin – es gab viel zu gewinnen und wenig zu verlieren. Ähnlich wie damals bei den Männern vom SV Straelen II.

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