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Frauenfußball-Nationalteam : Endlich eine Chefin

Tanz mit Ball und zwei Japanerinnen: Dzsenifer Marozsan überzeugt beim Algarve-Cup Bild: AFP

Dzsenifer Marozsan setzt beim Algarve-Cup ihren Aufwärtstrend im Nationalteam fort. Die 20 Jahre alte Frankfurterin soll auch im Endspiel des Testturniers gegen die Vereinigten Staaten an diesem Mittwoch (18 Uhr) Linie ins Spiel bringen.

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          Am Dienstagnachmittag hätte Dzsenifer Marozsan endlich einmal Gelegenheit gehabt für einen Strandspaziergang an der portugiesischen Atlantikküste, wo sie mit dem deutschen Frauenfußball-Nationalteam am traditionsreichen Testturnier um den Algarve-Cup teilnimmt. Als Belohnung für den 2:0-Sieg gegen Norwegen und den Einzug ins Endspiel gegen die Vereinigten Staaten an diesem Mittwoch (18 Uhr/live in Eurosport) hatte Bundestrainerin Silvia Neid ihren Spielerinnen einen freien Nachmittag gegönnt.

          Die 20 Jahre alte Offensivspielerin hätte also die Seele baumeln lassen können nach drei Spielen in sechs Tagen, die als wichtige Tests auf dem Weg zur Europameisterschaft in Schweden im Juli dienen. Aber was zog Dzsenifer Marozsan dem Meeresrauschen vor? Sie ging auf den Trainingsplatz, um mit Mitspielerinnen ein bisschen „5 gegen 2“ zu spielen. „Das macht mir einfach Spaß“, sagt die im Saarland aufgewachsene Tochter eines ehemaligen ungarischen Nationalspielers. Als herausragende Technikerin kommt sie bei der beliebten Spielform nur selten in die Verlegenheit, nach einem Ballverlust zur Strafarbeit in die Mitte zu müssen.

          Durchbruch im Nationalteam

          Die zusätzliche freiwillige Trainingseinheit passt gut ins Bild, das die Spielerin vom FFC Frankfurt seit geraumer Zeit abgibt. Schon seit Jahren wurde sie als größtes Talent im deutschen Frauenfußball gehandelt, aber erst in den vergangenen Monaten hat sie den Durchbruch von der Nachwuchshoffnung zur Führungskraft im Nationalteam geschafft. Auch beim Algarve-Cup zählt sie zu den wenigen gesetzten Stammspielerinnen. Nachdem sie bei der U-20-WM im vergangenen Sommer zur besten Spielerin gewählt worden war, steigerte sie im Nationalteam vor allem bei den beiden Unentschieden gegen die Vereinigten Staaten während einer Amerikareise im Oktober 2012 ihren Stellenwert.

          Nach Jahren der Vakanz hat die deutsche Auswahl wieder eine Lenkerin und Denkerin auf der Spielmacherinnen-Position. „Mir haben aber nicht nur die Spiele in Amerika geholfen“, sagt Dzsenifer Marozsan, die sich seit dem Abschluss ihrer kaufmännischen Ausbildung in der DFB-Geschäftsstelle im Januar voll auf ihren Sport konzentriert. „Ich fühle mich einfach richtig wohl im Team.“

          Der DFB-Elf, die auch beim Algarve-Cup bei gewohnter physischer Stärke noch große spielerische Defizite offenbart, setzt wenigstens Dzsenifer Marozsan mit ihrer Übersicht und Passgenauigkeit den einen oder anderen kreativen Glanzpunkt. In ihren 13 Länderspielen hat sie zudem sechs Treffer erzielt, und dennoch sieht sie selbstkritisch vor allem im Torabschluss Verbesserungspotential. „Ich muss vor allem lernen, auch aus größerer Distanz meine Schussstärke einzusetzen“, sagt sie.

          In Portugal hat sie zwar gegen Weltmeister Japan den Siegtreffer aus gut 40 Metern erzielt, bei ihrem vom Winde verwehten Flankenversuch half aber die gegnerische Torhüterin derart mit, dass sich die Torschützin gar nicht erst feiern lassen wollte.

          Im Team anerkannt: Dzsenifer Marozsan wird von Spielführerin Nadine Angerer beglückwünscht

          Stattdessen freut sie sich über das Lob, mit dem Silvia Neid sie zu noch besseren Leistungen bringen will. Der Bundestrainerin gefällt vor allem die Gelassenheit, mit der ihre junge Spielmacherin zu Werke geht. Was in den vergangenen Jahren noch oft wie ein Phlegma wirkte, wirkt nun abgeklärt. Und wer so unaufgeregt durchs Fußballerinnen-Leben geht, der braucht auch keinen Strandspaziergang fürs seelische Gleichgewicht.

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