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Frauenfußball-Manager Dietrich : „Feste Sendezeiten für die Frauen-Bundesliga“

Stürmen vor leeren rängen: Fra8uenfußball braucht einen Schub in Deutschland. Bild: Picture-Alliance

Siegfried Dietrich, Manager des FFC Frankfurt, fordert vor dem Länderspiel vor 90.000 Zuschauern in Wembley die Hilfe von DFB und DFL für den deutschen Frauenfußball. Nur so könne ein bestimmtes Ziel erreicht werden.

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          An diesem Samstag spielt die deutsche Nationalmannschaft gegen England in Wembley. 90.000 Fans kommen, das Spiel ist seit Wochen ausverkauft. Warum ist in England möglich, was wir uns hierzulande im Frauenfußball kaum vorstellen können?

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es ist zunächst einmal ein grandioses Signal, dass dieser Klassiker vor einer solch gigantischen Kulisse stattfindet. Und ich bin sicher, dass auch die Strahlkraft, die wir als zweifacher Weltmeister und Olympiasieger mitbringen, dazu beiträgt, dass es bei diesem Spiel zu einem europäischen Zuschauerrekord kommen wird. Ein Grund dafür ist, dass in England die Vorbereitungen auf ihre EM 2021 auf Hochtouren laufen und die Engländerinnen schon bei der WM 2015 und 2019 mit dem Halbfinal-Einzug erfolgreich gespielt haben. Aber was man auf keinen Fall unterschätzen darf: Die Ligapräsenz des Frauenfußballs unter dem Dach der Männer-Lizenzklubs ist in England besonders groß. Das zeigt auch, mit welchem Selbstverständnis und welcher Nachhaltigkeit der Frauenfußball dort gelebt wird. Für mich ist das der entscheidende Faktor. Die tiefe Verankerung des Frauenfußballs in der englischen Gesellschaft hat man auch bei der Präsentation des WM-Kaders 2019 gesehen. Das Königshaus war eingebunden, aber auch Fußballikonen wie David Beckham und andere Stars. Wenn man mit Verantwortlichen aus England oder Vertretern aus anderen erfolgreichen Ligen und Ländern spricht, wird eines klar: Das Thema Fußball und Frauen ist dort, wo der Frauenfußball besonders erfolgreich ist, gesellschaftlich tief verankert.

          Zu Beginn der Dekade fand 2011 die Frauen-WM in Deutschland statt. Die Aufmerksamkeit war enorm. Warum ist hier nicht gelungen, was England schafft – war dieses Jahrzehnt im internationalen Vergleich ein verlorenes Jahrzehnt für die deutschen Frauen?

          Es waren keine verlorenen Jahre, wohl aber lehrreiche. Ich glaube, viele europäische Länder haben erst nach dem Vorbild des deutschen Erfolgs den Frauenfußball für sich entdeckt und dann haben sie auf der Vereinsebene in den vergangenen Jahren viel investiert. Das ist in einer Zeit geschehen, in der Themen wie die Rolle der Frauen in der Gesellschaft, in der Wirtschaft oder in der Politik immer wichtiger geworden sind. 2011 war in dieser Hinsicht noch ein anderes Zeitalter.

          Siegfried Dietrich will die Fusion von FFC Frankfurt mit Eintracht Frankfurt: Als Vorsitzender der Kommission Frauenfußball macht er im DFB Druck.

          Warum gibt es in Deutschland nun Nachholbedarf?

          Im internationalen Frauenfußball ist entstanden, was unser Sport dringend gebraucht hat – Wettbewerb, auch auf Länderebene. Diesem Entwicklungsschub haben wir uns auch in Deutschland gestellt, allerdings mit Höhen und Tiefen. Bis auf die beiden letzten Turniere waren wir gut plaziert, in der Weltrangliste stehen wir weiterhin auf Rang zwei. Auch mit Blick auf dem Umbruch beim DFB und dem neuen Präsidenten Fritz Keller habe ich die Hoffnung, dass wir aus dem Tal herauskommen. Tatsache ist nach wie vor: Der deutsche Frauenfußball hat beste Voraussetzungen für eine Rückkehr an die Weltspitze. Ich bin überzeugt, dass man dabei die positive Haltung von Präsident Keller gegenüber dem Frauenfußball nicht unterschätzen darf. Es ist für uns ein Glücksfall, dass er die Entwicklung des Frauenfußballs schon in seiner Bewerbung zu einem seiner Hauptthemen gemacht hat. Es wird jetzt Priorität haben, die von ihm angestoßene Haltung zum Frauenfußball mit Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit auch zu leben. In den neuen Strukturen des DFB, aber auch in den Akademie-Plänen spielt der Frauen- und Mädchenfußball schon eine große und auch gleichberechtigte Rolle. Aber zweifellos muss sich auch die mediale Präsenz erhöhen. Wir brauchen bessere TV-Sendezeiten und ein entsprechendes Marketing, um unsere Gesichter bekannter zu machen, gerne auch zusammen mit den männlichen Stars, wie das in England üblich ist. Konkret bedeutet das: feste Sendezeiten für die Bundesliga. Auch eine Erweiterung der Liga halte ich mittelfristig für sinnvoll. Aber Tatsache ist auch: Erfolg ist das Zauberwort für unsere Zukunft. Wir müssen zurück an die Spitze. Und dafür müssen und wollen DFB und Liga in allen Bereichen die Voraussetzungen schaffen.

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