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Frauenfußball-Kommentar : Kapitulation in der Komfortzone

  • -Aktualisiert am

Macher in der Krise: Siegfried Dietrich und der FFC Frankfurt versuchen es mit einer abermaligen Trainerbeurlaubung Bild: Seuffert, Felix

Der FFC Frankfurt beurlaubt abermals einen Trainer. Doch Philipp Dahm ist nicht alleine schuld am Niedergang eines Vorzeigeklubs. Der einstige Serienmeister hat womöglich ein Führungsproblem.

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          Das deutsche Frauenfußball-Nationalteam belegt in der Weltrangliste den zweiten Platz. Nun kann man über den sportlichen Wert dieser Tabelle streiten, die vom Internationalen Fußballverband als vermarktungstaugliche Spielerei einem Großsponsor zuliebe eingeführt wurde. Sicher ist aber, dass das Nationalteam trotz anhaltender spielerischer Krise noch immer zur Weltspitze zählt.

          Wenn eine solche Weltklasseauswahl in der Bundesliga kurz vor Saisonende Rang drei belegt, erscheint die Beurlaubung des Trainers Philipp Dahm beim Frauenfußball-Bundesligaverein FFC Frankfurt zwangsläufig.

          Zehn aktuelle deutsche Nationalspielerinnen bestreiten gemeinsam mit zwei zwischenzeitlich aus dem Nationalteam zurückgetretenen ehemaligen Weltmeisterinnen und einer Handvoll ausländischer Auswahlspielerinnen im FFC-Trikot den Ligaalltag so schlecht, dass der Klub sich in der nationalen Hierarchie immer weiter von der Spitze entfernt. Mit großer Wahrscheinlichkeit verpasst das Starensemble nicht nur zum fünften Mal in Serie die Meisterschaft, sondern auch Rang zwei und die Teilnahme an der Champions League.

          Klub mit Führungsproblem

          Ein Verein muss sehr viel falsch machen, damit eine solche Ansammlung an Einzelkönnerinnen beim Drittletzten aus Jena nur ein Unentschieden erreicht. Das deutsche Nationalteam im Gewand des FFC Frankfurt müsste ein solches Duell auch ohne Betreuer gewinnen.

          Deshalb kann nicht allein der Trainer schuld sein am anhaltenden Niedergang eines einstigen Vorzeigevereins. Dahm verwendete nun eine schön Redensart, um den Fokus auf andere Schwachstellen des Klubs zu lenken: „Wenn man eine Treppe von unten nach oben kehrt, dann kann es ziemlich lange dauern, bis sie sauber wird“, sagte der Dreiunddreißigjährige und betonte, dass er sich wie auch die Spielerinnen in der Vereinshierarchie nicht oben ansiedele.

          Der FFC Frankfurt hat also womöglich ein Führungsproblem. Siegfried Dietrich ist dank seines Vermarktungstalents der Motor des Klubs. Als allmächtiger Macher hat der Neunundfünfzigjährige mit der Zustimmung des Vereinsvorstands seinen Klub mit Stars immer weiter aufgerüstet und dabei zugleich immer tiefer in die Krise geführt - weil er versäumte, bei der Kaderzusammenstellung auf passende Charaktere statt Prominenz zu setzen.

          Zudem hat er es unterlassen, zur rechten Zeit auch einmal öffentlich an die Verantwortung seiner verhätschelten und teilweise von ihm persönlich vermarkteten Stars zu appellieren. So aber macht es sich ein Nationalteam in der Komfortzone des vergleichsweise gut bezahlenden Klubs offenbar etwas zu bequem.

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