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Frauenfußball in Bahrein : Die Spielmacherin

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Frauenpower in Bahrain: Diese Fußballtrainerinnen machen aus ihren Spielerinnen starke und selbstbewusste Frauen. Bild: Thilo Komma-Pöllath

Eine Deutsche sorgt im Auftrag der Fifa dafür, dass immer mehr Frauen auf der ganzen Welt Fußball spielen – und sich dadurch so emanzipieren, dass sie sich gegen Unterdrückung und Benachteiligung zur Wehr setzen.

          Um kurz nach sieben Uhr abends ist das Training im königlichen Riffa-Club in Manama schon lange zu Ende. Reem, die Torjägerin der bahreinischen Nationalmannschaft, hat aber immer noch nicht genug. Sie zirkelt den Ball wieder und wieder kunstvoll von der Strafraumgrenze ins Netz. Nach unten links, in den oberen Winkel oder scharf unter die Latte. Reem ist ein großes Talent. Von ihren Mitspielerinnen wird sie „Speedy Gonzales“ gerufen, weil sie so schnell ist. Seit der Gründung des ersten Frauenfußballteams des Landes im Jahr 2007 hat sie kein Länderspiel verpasst und dabei unzählige Tore geschossen, einmal sogar sechs in einem Spiel.

          Monika Staab, 53, beobachtet Reem vom Spielfeldrand. Sie war vor fünf Jahren die bahreinische Nationaltrainerin, heute sehen sich beide das erste Mal wieder. „Die hat sich super entwickelt“, murmelt Staab anerkennend. Wenig später stecken Trainerin und ehemalige Schülerin die Köpfe zusammen. Reem fragt, was sie tun müsse, damit sie endlich die Deutschen schlagen? „Wenn du es bis in die Weltspitze schaffen willst, dann musst du mit fünf anfangen,“ antwortet Staab. Reem hat mit 15 begonnen, sie ist erst 24, aber sie wird es nicht mehr schaffen. „Coach“, sagt Reem kess, „geben Sie mir meine zehn Jahre zurück und ich werde es Ihnen beweisen.“

          In diesem Moment wäre der Fifa-Entwicklungshelferin wohl nichts lieber als das. Staab hat den deutschen Frauenfußball in den 80er und 90er Jahren mit erfunden, aber das ist lange her. Sechs Monate war sie 2007 Nationaltrainerin in Bahrein, dann ging sie auf Weltreise. Sie ist Chef-Lobbyistin des Fußball-Weltverbandes in Frauenfragen, was insofern ein beinharter Job sein muss, weil die Fifa und der Fußball fast autistische Männerbünde sind. Sie ist 340 Tage im Jahr unterwegs, war in 64 Ländern, in Bhutan, auf den Cook Islands oder in Pakistan, in denen sie meist mächtigen älteren Männern erklärte, warum auch Frauen gegen den Ball treten wollen und warum das in Ordnung ist. Weltweit spielen 250 Millionen Menschen Fußball, 30 Millionen davon sind Frauen. „Der Frauenfußball wächst rasend schnell“, sagt Monika Staab. „Ich versuche Funken zu versprühen, damit das Feuer der Begeisterung sich weiter entfachen kann.“ Für Monika Staab ist der Fußball ein Frauenrecht.

          Die Kleinste und das einzige Mädchen

          Es ist noch heiß Ende Oktober und die Hauptstadt Baheains wirkt wie ausgestorben. „Eid Mubarak“ ist der wichtigste islamische Feiertag, und wer sich nicht zur Hadsch nach Mekka angemeldet hat, der bleibt bei der Familie. Pech für Monika Staab, die auf ihrer Frauenfußballmission durch die arabische Welt für eine Woche nach Bahrein zurückgekehrt ist. Sie wird einen Fifa-Trainerkurs geben, sie wird die U16 und die Nationalmannschaft trainieren und sie möchte gern vom bahreinischen Verband hören, welche Fortschritte der Frauenfußball in den letzten Jahren gemacht hat.

          Unermüdlich: Monika Staab.

          Das erste Meeting wird prompt verschoben. Monika Staab, nur 1,64 Meter groß, drahtig und immer auf dem Sprung, lässt sich aber nicht beirren. Schon als Spielerin war sie diejenige mit der größten Ausdauer, weshalb sie die Nummer 10 trug, die Nummer der Spielmacherin. Mit vier Jahren kickte sie das erste Mal mit den Jungs aus ihrer Nachbarschaft im hessischen Dietzenbach auf der Straße. Die nannten sie „Embryo“, weil sie die Kleinste war und das einzige Mädchen. Die Eltern, Cafébesitzer, hätten sie vernachlässigt, erzählt sie. Aber die kleine Moni hatte ja den Fußball, und bald waren die älteren Mitspielerinnen ihre neuen Eltern.

          Am Kommunionstag ging sie mit Kleid zum Kicken auf den Bolzplatz. Nach der Kommunion hat sie das dem Pfarrer gebeichtet, Fußballspielen war Mädchen Mitte der sechziger Jahre in Deutschland nicht erlaubt. Mit elf spielte Monika im Verein bei den Frauen, und wenn sich Staab daran zurückerinnert, dann sagt sie: „Wir hatten 3000 Zuschauer, alles Männer, und alle wollten Brüste sehen.“

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