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Frauenfußball in Bahrein : Die Spielmacherin

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„Geld soll nicht die größte Rolle spielen“

Das Café wollte sie nicht übernehmen, ein ganzes Leben in Dietzenbach, das war für sie kein Leben. „Das Unbekannte hat mich getrieben“, sagt sie heute. „Alles hinter sich lassen, immer wieder neu anfangen.“ Sie jobbte in London als Putzfrau, um die Sprache zu lernen, und als die berühmten Queens Park Rangers Spielerinnen suchten für ihr Frauenteam, waren sie bei Monika Staab goldrichtig. Morgens putzen, nachmittags Training, abends Restaurantleiterin im Hilton. Irgendwann erzählte ihr eine Bekannte, dass sie in einen Kibbuz nach Israel gehe, und Monika Staab ging mit. 15 junge Leute aus aller Welt mussten miteinander klarkommen. Der eine kochte, der andere erntete das Gemüse. Staab ging um drei Uhr morgens aufs Feld und lag nachmittags in der Hängematte. „Im Kibbuz entstand zum ersten Mal die Idee, als Entwicklungshelferin zu arbeiten. Ich will etwas bewegen im Leben. Es hätte genauso gut sein können, dass ich Brunnen baue, der Fußball war eher Zufall.“

Dass es der Frauenfußball wurde, das kann kein Zufall gewesen sein. In den nächsten 24 Jahren formte sie aus dem Provinzklub Praunheim den 1. FFC Frankfurt - bis heute eine der besten Adressen im internationalen Frauenfußball. Die Trainerin Monika Staab gewann vier Meisterschaften und den Uefa-Cup, sie ist damit die erfolgreichste Vereinstrainerin der Welt. Warum sie kündigte und den Erfolg hinter sich ließ? Staab sagt es so: „Es ist nicht meine Philosophie vom Spiel, wenn Geld die größte Rolle spielt und das Menschliche auf der Strecke bleibt.“ Am Tag nach ihrer Kündigung kam der Anruf, in Bahrein werde eine Nationaltrainerin gesucht ...

Fußball als beliebter Schulsport

Rauchsäulen über Manama. Der arabische Frühling zeigt auch im am westlichsten geprägten Staat der Golfregion seine Ausläufer. Immer wieder verbrennen Jugendliche Autoreifen auf den Straßen, vor einer Woche kam bei einer Autobombe ein Polizist ums Leben. In dem Schiitenviertel Khamis sind die Häuserwände dutzendfach mit der immer gleichen Graffiti-Parole besprüht: „Nieder mit dem König“. Bahrein ist keine Demokratie, auch wenn es keine Arbeitslosigkeit gibt und der Liter Benzin nur zwanzig Cent kostet. Gewaltbereite Jugendliche der schiitischen Bevölkerungsmehrheit verstehen offensichtlich immer weniger, warum sie sich von einem sunnitischen König befehligen lassen müssen. König Hamad bin Isa gilt als Gemäßigter, seine Cousine Sheika Hussa ist so etwas wie das gute Gewissen des bahreinischen Frauenfußballs.

Zum verspäteten Meeting im Konferenzsaal des Fußballverbands hat Sheika Hussa ein vierzigseitiges Strategiepapier aufgesetzt, das sie mit der deutschen Entwicklungshelferin diskutieren will. Hussa hat sich vorgenommen, Fußball für Mädchen als Schulsport an allen öffentlichen Schulen zu etablieren. „Unsere Gesellschaft hat den Frauenfußball am Anfang nicht akzeptiert. Die Männer fanden es unnötig, lächerlich“, gibt Sheika Hussa ganz offen zu. Das aber habe sich geändert. Beim Arabien-Cup vor zwei Jahren belegte Bahrein den dritten Platz. Das Fernsehen übertrug live, Tausende kamen zu den Spielen, fast ausschließlich Männer, die die Trikots der Mädchen trugen.

Und auch in der Weltrangliste überholte die Frauen-Nationalmannschaft (Platz 69) die Männer (115) deutlich. „Coach“, insistiert Sheika Hussa, „mein Ziel ist, dass der Frauenfußball in Bahrein eine Erfolgsgeschichte in der gesamten Golfregion wird. Die anderen sollen fragen: Wie habt ihr es gemacht?“ Rund 1300 junge Frauen spielen heute in Bahrein Fußball, so viele wie nie zuvor, erzählt die Abgeordnete Sheika Hayat. Hayat ist Vorsitzende des Ausschusses „Frauen & Sport“, sie stellt die Mittel zur Verfügung. „In den Schulen mögen die Mädchen Fußball lieber als jede andere Sportart. Und das nur wegen Ihnen, Monika!“, scherzt Hayat. Staab ist begeistert und trommelt mit den Fingern auf die Tischplatte. Vor fünf Jahren durften nur die privilegierten Mädchen aus den Privatschulen spielen, erinnert sich Staab. Sie findet: „Das sind mal gute Nachrichten.“

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