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Frauenfußball : Hacke, Spitze, 1, 2 - und 3?

Erfolge in Serie: Der Pokalsieg war Streich Nummer zwei der Wolfsburgerinnen Bild: dpa

Während Bayern München noch vor Etappe zwei steht, können die Frauen des VfL Wolfsburg das Triple schon am Donnerstagabend (20.30 Uhr) Wirklichkeit werden lassen. Im Champions-League-Finale wartet mit Olympique Lyon allerdings ein lange ungeschlagener Gegner.

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          Martina Müller hat die größten Titel, die möglich sind, schon lange im Doppelpack in ihrer Sammlung. Zweimal ist die Stürmerin des VfL Wolfsburg mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeisterin geworden, zweimal hat sie mit ihren Toren zu Europameistertiteln beigetragen. Für ihren ersten Vereinstitel musste sie allerdings 33 Jahre alt werden. Nun aber wird sie reichlich beschenkt: Nach der Meisterschaft hat sie am vergangenen Sonntag auch den DFB-Pokal gewonnen. Am Donnerstagabend (20.30 Uhr, live in Eurosport) könnte sie mit ihrem Klub Titel Nummer drei in diesem Jahr folgen lassen: im Champions-League-Finale gegen Olympique Lyon.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Anders als beim Männer-Rekordmeister FC Bayern München, der dasselbe Ziel anstrebt, sind die Titelgewinne die ersten Erfolge in der Geschichte der Frauenabteilung des VfL Wolfsburg. „Ich habe immer gewusst, dass der VfL etwas aufbaut, das irgendwann zu Titeln führen wird“, sagt Martina Müller. Sie war dabei lange Zeit die einzige Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft. 2005 war sie als Weltmeisterin zum damaligen Zweitligaklub gewechselt. Sie sollte die Galionsfigur beim Aufschwung werden.

          Ganz so einfach, wie sich mancher rund ums VW-Werk den Weg nach oben mit den Mitteln aus der Portokasse der Männerabteilung vorgestellt hatte, war es freilich nicht. Es hat acht Jahre gedauert. „Der Erfolg ist nicht vom Baum gefallen, wir haben dafür hart arbeiten müssen“, sagt Martina Müller. „Gerade in der Vorbereitung auf diese Saison haben wir oft geflucht, aber jetzt wissen wir, wozu das gut war.“

          Von der Kreisliga an die Stamford Bridge

          Ihr Trainer Ralf Kellermann hatte sich mangels eigener Erfahrung im Umgang mit einer Dreifachbelastung aus Meisterschaft, Pokal und Champions League mit seinem Betreuerstab viele Gedanken gemacht. „Wir haben ein bisschen aus der Ferne analysiert, wieso der FFC Frankfurt in der vergangenen Saison am Ende eingebrochen und in allen drei Wettbewerben auf der Ziellinie gescheitert war“, sagt Kellermann. „Offenbar hatten wir nun mehr Glück mit unserer Trainingssteuerung.“

          Berechtigte Freude: Trainer Ralf KEllermann feiert nach dem Pokalsieg
          Berechtigte Freude: Trainer Ralf KEllermann feiert nach dem Pokalsieg : Bild: dpa

          Und so steht der ehemalige Zweitligatorwart nun an der Seitenlinie im Stadion des FC Chelsea, wenn der VfL Wolfsburg gegen Lyon nach dem wertvollsten Titel im Vereinsfrauenfußball greift. Das war vor fünf Jahren kaum vorhersehbar: Der Vierundvierzigjährige ist nämlich einen ungewöhnlichen Weg zum Meistertrainer gegangen. Bis 2008 war er neben einer Tätigkeit als Scout für die Wolfsburger Männer noch für ein Kreisliga-Männerteam verantwortlich. Der damalige Geschäftsführer Klaus Fuchs bot ihm dann überraschend den Einstieg in den Frauenfußball an.

          Dort hat sich Kellermann ebenso weiterentwickelt wie sein mittlerweile mit sieben deutschen Nationalspielerinnen ausgestattetes Team, das in der Bundesliga die seit 2001 mit je sechs Titeln belohnte Vorherrschaft der reinen Frauenfußballklubs Turbine Potsdam und FFC Frankfurt gebrochen hat. Entsprechend erntete er nun ein Lob von Silvia Neid. „Ralf Kellermann hat in den vergangenen Jahren aus guten Spielerinnen eine Mannschaft geformt“, sagt die Bundestrainerin. Das soll soviel heißen wie: Wolfsburg bietet dank der Mittel von Volkswagen genauso gute Rahmenbedingungen wie die Frauenfußballklubs aus Potsdam und Frankfurt, aber erst Kellermanns Trainingsarbeit hat zu Erfolgen geführt.

          Offensive Stärken

          Beim 3:2-Sieg im Pokalendspiel am vergangenen Sonntag gegen den Meisterschaftszweiten Potsdam bewiesen die Wolfsburgerinnen in ihren stärksten Szenen vor allem ihre Offensivqualitäten - und Martina Müller die dazugehörige Abschlussstärke. Ihr erstes Tor bereitete Conny Pohlers, die mit insgesamt 44 Karrieretreffern die Rekordschützin in der Champions League ist,  mit einem sehenswerten Volley-Hackentrick vor. Beim 2:0 traf die VfL-Torjägerin mit einem mächtigen Vollspannstoß aus spitzem Winkel. Heißt es also: Hacke, Spitze, 1, 2, 3 zum Champions-League-Titel, zumal die überragende Ungarin Zsanett Jakabfi rechtzeitig zum Finale wieder fit geworden ist? Da wehrt sich Trainer Kellermann, weil er um die Außenseiterrolle gegen das seit drei Jahren in allen Wettbewerben ungeschlagene Starensemble aus Lyon weiß.

          Torjägerin mit Lauf: Martina Müller (r.) wird von Lina Magull bejubelt
          Torjägerin mit Lauf: Martina Müller (r.) wird von Lina Magull bejubelt : Bild: dpa

          Der französische Serienmeister beschäftigt die wichtigsten Spielerinnen der aufstrebenden „Equipe Tricolore“, zudem finanziert Vereinspräsident Jean-Marc Aulas auch Weltstars wie die Amerikanerin Megan Rapinoe oder die Schwedin Lotta Schelin. Wolfsburg hat indes zwei personelle Probleme: Viola Odebrecht, die nun wegen einer aufgeschobenen  Knieoperation für die Europameisterschaft abgesagt hat, hätte auch ohne ihre Verletzung wegen einer Gelbsperre nicht in ihrer Rolle als defensiver Mittelfeldspielerin zur Verfügung gestanden. Zudem fehlt dem VfL die an Pfeiferschem Drüsenfieber erkrankte Nationalspielerin Verena Faißt und hinteerlässt eine noch viel gravierendere Lücke. Der Klub hat nämlich schlicht und ergreifend versäumt, die mögliche Ersatzfrau für die Linksverteidigerin für die Champions League zu melden.

          „Wir hatten Maren Tetzlaff nicht zugetraut, dass  sie nach ihrem Kreuzbandriss so schnell wieder fit werden könnte“, sagt Trainer Kellermann. Die Erklärung lässt Fragen offen, da bis März eine Nachmeldung möglich gewesen wäre. So müssen die Wolfsburgerinnen auf der Linksverteidigerposition vermutlich einer Akteurin ins Endspiel gehen, die diese Position nicht gewohnt ist. Eventuell könnte gar die Offensivspielerin Alexandra Popp in der Defensive aushelfen, wo sie bei ihrem ehemaligen Klub FCR Duisburg einst zum Einsatz kam.

          „Lyon ist natürlich Favorit“, sagt Martina Müller auch wegen der misslichen Personalsituation zurecht. „Aber wir sind selbstbewusst genug, dass wir um unsere Chance kämpfen werden.“ Für sie selbst geht es dabei um einen besonderen Karrierehöhepunkt: Mit dem Champions-League-Titel hätte sie alle möglichen Titel gewonnen.

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