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Frauenfußball : Gedrosselte Turbine

Musterschülerin auf Abwegen: Babett Peter verlässt Potsdam Richtung Frankfurt Bild: dapd

Turbine Potsdam ist deutscher Meister und aktueller Tabellenführer. Nun verlassen die drei einzigen Nationalspielerinnen das Team. Trainer Schröder bleibt dennoch zuversichtlich.

          2 Min.

          Die Tabelle der Frauenfußball-Bundesliga schmeichelt dem 1. FFC Turbine Potsdam noch. Der Vorzeigeklub aus Brandenburg, der in den drei vergangenen Spielzeiten die deutsche Meisterschaft und einmal die Champions League gewonnen hat, steht ganz oben. Doch die Entwicklung gibt Anlass zur Sorge. Der Verein hat nach zwei enttäuschenden Unentschieden gegen den HSV und den Tabellenletzten Bayer Leverkusen den Großteil seines Vorsprungs vor Wolfsburg, Duisburg und Frankfurt verspielt.

          „Das passiert, wenn viele Spielerinnen im Kopf nicht bei der Sache sind“, sagte Trainer Bernd Schröder. Der seit der Klubgründung vor vier Jahrzehnten im Verein tätige erfolgreichste Trainer im deutschen Frauenfußball spielte damit auf die Gefahr an, dass der Fluss zu versiegen droht, der die Turbine antreibt.

          Verärgert über die Abgängerinnen: Turbine-Trainer Schröder

          Auf einen Schlag haben die drei Nationalspielerinnen des Vereins ihren Abschied zum Saisonende verkündet. Viola Odebrecht wechselt nach Wolfsburg bestätigt, Bianca Schmidt geht zum FFC Frankfurt, wohin ihr Babett Peter folgt. Sie sind nicht irgendwelche Turbine-Spielerinnen. Sie stehen für die gute Nachwuchsausbildung in Kooperation mit der benachbarten Eliteschule des Sports, wo das Trio seit den Teenagerjahren gefördert wurde.

          Musterschülerin weint Tränen

          Die Spielerinnen sollen als Gründe für den Abschied mangelhafte Kommunikation im Team und fehlenden Integrationswillen von Neuzugängen genannt haben. Der 69 Jahre alte Trainer Schröder hält die Motive für vorgeschoben. Nach Bekanntwerden der Wechsel reagierte er ähnlich emotional wie im Vorjahr beim Weggang von Lira Bajramaj zum FFC Frankfurt. „Ich sage ganz allgemein: Wenn eine Spielerin nicht mehr mit Herzblut und Leidenschaft beim Verein und bei den Fans ist, dann muss sie gehen“, sagt er.

          Wechsel nach Wolfsburg: Auch Viola Odebrecht schwächt die Turbine

          Vor allem seine Musterschülerin Babett Peter trifft er damit. Die Abwehrspielerin bekam am Sonntag die Rede ihres sportlichen Ziehvaters vor der Tür des Pressekonferenzraums mit und verdrückte laut Augenzeugen sogar ein paar Tränen. Als einzige Spielerin kommentierte Viola Odebrecht die Vorwürfe. „Die Aussage würde ich nicht unterschreiben“, sagte sie. Ihr Wechsel hat handfeste Gründe: Nach Abschluss ihres Sportmanagement-Studiums in Wolfsburg erhofft sie sich einen besseren Einstieg ins Berufsleben. „Jede muss selbst wissen, was für sie am besten ist“, sagt Schröder. „Aber keine unserer ehemaligen Spielerinnen ist woanders besser geworden.“

          Im Kampf um Meisterschaft und Champions-League-Titel vertraut Schröder nach seinen offiziellen Äußerungen darauf, „dass die drei Spielerinnen ihre Aufgaben bis zum Vertragsende mit dem nötigen Ehrgeiz erfüllen“. Spätestens im Sommer steht der Klub dann vor einem abermaligen Neuaufbau. „Aber das wird uns nicht schwächen“, sagte Schröder. „Wir haben alle sechs Jahre solch einen Schnitt, und wir werden nur stärker dadurch.“

          Trikottausch: Die Noch-Potsdamerin Bianca Schmidt (l.) dürfte künftig gemeinsam mit Nationalteamkollegin Svenja Huth für den FFC Frankfurt spielen

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