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Frauenfußball : Französinnen stubsen deutsches Auto an

Zu Stark für die Deutschen: Frankreich jubelt über einen Prestigeerfolg Bild: AFP

Warnschuss im ersten Härtestest: Die deutschen Fußballfrauen sind gegen Frankreich chancenlos. Bundestrainerin Silvia Neid muss auf verletzte Rückkehrerinnen hoffen und Probleme im Spielaufbau lösen.

          Lira Alushi erzählte in den Tagen vor dem Länderspiel der deutschen Fußballfrauen gegen Frankreich gut gelaunt von ihren ersten Erfahrungen mit den Franzosen. Sie habe vor allem bereut, dass sie ihr Auto mitgenommen habe, sagte die 26 Jahre alte Offenivspielerin, die seit dieser Saison für Paris St-Germain spielt. „Beim Parken stubsen die Franzosen andere Autos so oft an, dass mein Auto schon ganz zerbeult ist.“.

          Aufs Sportliche übertragen sind Lira Alushi und ihr Team am Samstag ebenfalls ziemlich zerbeult aus dem Kräftemessen mit den Französinnen herausgekommen. Bei der 0:2-Niederlage war der zuletzt fünfmal in Serie bei kontinentalen Titelkämpfen siegreiche Serien-Europameister so chancenlos wie seit Jahrzehnten nicht mehr in einem Länderspiel gegen einen europäischen Gegner. „Wir haben verdient verloren gegen eine strake französische Mannschaft“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid, ehe sie eine lange Mängelliste bei ihrem Team anführte. „Es fehlte uns an der Robustheit, der Zweikampfstärke, Laufverhalten, Körpersprache. Wir hatten zu viele technische Mängel unter Druck. Es ist wichtig, dass wir zur Kenntnis nehmen, dass gegen einen Gegner auf diesem Niveau alles passen muss, um gewinnen zu können.“

          Die Gegentreffer durch ein Eigentor von Bianca Schmidt (17. Minute) und Elodie Thomis (20.) waren bei der Niederlage nicht einmal das Schmerzhafteste. Schlimmer noch war die spielerische Unterlegenheit und Ratlosigkeit der Deutschen im ersten Härtetest vor der in siebeneinhalb Monaten beginnende Weltmeisterschaft in Kanada. „Aber wir dürfen keine Panik schieben. Zum einen ist Frankreich nicht irgendwer, zum anderen ist es noch lange hin bis zur WM“, sagte Routinier Annike Krahn mit der Erfahrung aus zahlreichen Turnieren und manchem Tief im Nationalteam. „Wir werden schon rechtzeitig in Schwung kommen.“

          Vielleicht schon ein wenig besser an diesem Mittwoch, wenn das nächste Länderspiel ansteht. Dann werden die deutschen Fußballspielerinnen freilich gleich auf zwei Gegner treffen: In Örebro wird gegen Schweden auf Kunstrasen gespielt. Mit diesem Belag, der auch bei der WM die Grundlage für Erfolge bieten wird, haben sich die deutschen Spielerinnen und allen voran Kapitän Nadine Angerer noch lang nicht abgefunden. Einige Teamkolleginnen unterstützen sogar eine Gemeinschaftsklage gegen die angebliche Ungleichbehandlung des Frauenfußballs gegenüber den Männern, die nicht auf Kunstrasen spielen müssen - der allerdings nur wenig Chancen auf Erfolg eingeräumt werden.

          Unbeweglich und zerbeult

          Gegen Frankreich wirkte die deutsche Elf, die lediglich beim allerersten Angriff nach 27 Sekunden für ein spielerisches Highlight und eine Großchance durch Torjägerin Celia Sasic sorgte, aber auch auf gewohntem Naturrasen wie das unbewegliche parkende Auto, das von den Französinnen nach Lust und Laune mal in die eine oder andere Richtung „angestubst“ wurde. Bundestrainerin Silvia Neid sollte ihr Team deshalb schleunigst aus der Parkbucht manövrieren.

          Dabei helfen würden ihr sicherlich die derzeit verletzten Führungsspielerinnen wie Nadine Keßler, Lena Goeßling, Saskia Bartusiak, Lena Lotzen oder Leonie Maier, die dem deutschen Spiel vor nur 5000 Zuschauern im Stadion auf dem Bieberer Berg in Offenbach besonders fehlten.

          Noch einiges zu tun: Bundestrainerin Silvia Neid

          Die Französinnen deckten aus einer zunächst abwartenden Grundhaltung heraus die massiven Probleme der Europameisterinnen im Aufbauspiel auf. Neid versuchte die Defizite im Passspiel der deutschen Innenverteidigerinnen Annike Krahn und Babett Peter aufzufangen, indem sich Melanie Behringer immer wieder aus dem zentralen Mittelfeld zwischen die Innenverteidigerinnen zurückfallen ließ. Der im Männerfußball derzeit beliebte Versuch einer Stärkung des Aufbauspiels misslang den deutschen Frauen indes gründlich, weil Behringer immer wieder den langen Ball versuchte, der die Franzosen nach der Balleroberung wiederum zu Kontern einlud, die zu Torchancen führten.

          Es war allein Nationaltorhüterin Nadine Angerer zu verdanken, dass die daraus resultierenden Gelegenheiten nicht zu Toren führten. Angerer rechtfertigte die Kosten für ihren Business-Class-Flug mit einigen Glanztaten vor allem gegen die französische Spielmacherin Luisa Necib.

          Statt einer Französin war es derweil eine eigene Mitspielerin, die die 35 Jahre alte Weltfußballerin als Erstes bezwang. Bianca Schmidt verlängerte einen Eckball von Amel Majiri ins eigene Tor, Nur drei Minuten später schob Elodie Thomis den Ball nach einem perfekten Schnittstellenpass von Eugenie Le Sommer zum 2:0 ein. Die Deutschen durften dann in Halbzeit zwei froh sein, dass die Franzosen einen Gang zurückschalteten.

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