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Frauenfußball : Fifa will Kopftuchverbot aufheben

Bald offiziell genehmigt: Frauen sollen Fußball mit Kopftuch spielen dürfen Bild: REUTERS

Wende im Kopftuchstreit: Die Fifa will muslimischen Frauen gestatten, bei Fußballspielen den Hijab zu tragen. Zuletzt führte das Verbot immer wieder zu politisch brisanten Disqualifikationen von iranischen Teams.

          Der Welt-Fußballverband (Fifa) ist entschlossen, auch Frauen, die muslimische Kleidungsvorschriften befolgen müssen, die Teilnahme an seinem Sport zu ermöglichen. Bei einem Expertenseminar am vergangenen Montag in Amman wurde ein möglicher Lösungsweg aufgezeigt, der dem Exekutivkomitee des Weltverbandes bei seiner nächsten Sitzung im Dezember vorgelegt wird.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Besonders die Frauenmannschaften aus dem Iran werden immer wieder Opfer des Konflikts zwischen dem Bekleidungsdiktat ihrer religiösen Führer, die den körperbedeckenden Hijab verlangen, und dem Fifa-Regelwerk, das die unter dem Kinn geschlossenen Kopfbedeckungen aus Sicherheitsgründen verbietet.

          „Der Hijab ist kein religiöses Symbol“

          Unter Federführung des neu gewählten Fifa-Vizepräsidenten Ali bin al Hussein (Jordanien) und des belgischen Chefs der Medizinischen Kommission, Michel d’Hooge, erarbeiteten Offizielle, ehemalige Spielerinnen aus Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrein, Neuseeland und Großbritannien, Trainer und Schiedsrichter ein Abschlusskommuniqué, in dem als zentraler Punkt festgehalten wurde: „Der Hijab ist kein religiöses Symbol, Slogan oder Statement und gehört eher in den Bereich der Kultur.“

          Wegen kultureller Gebräuche aber dürfe niemand diskriminiert oder vom Fußball ausgeschlossen werden. „Das Fußballfeld muss eher ein Forum für kulturellen Austausch sein als für Konflikte.“ Auf dieser Grundlage werde die Fifa die Kopfbedeckungen künftig erlauben.

          Sicherheit bleibt Hauptkriterium

          Praktische Fragen blieben bei dem Seminar allerdings offen. Wie die im Fußball einzuführende, regelgerechte Kleidung aussehen soll, muss noch erarbeitet werden. „Die Sicherheit muss das Hauptkriterium bleiben“, heißt es in dem Kommuniqué. Deshalb sollen von der Fifa koordinierte Studien zu einem sicheren Einsatz des Hijab in Auftrag gegeben werden. Es müssten darin das Verletzungsrisiko und der gesundheitliche Effekt des Fußballspiels für die Frauen gegeneinander abgewogen werden.

          „Innovative Gestaltung der Kleidung muss hinsichtlich der medizinischen Aspekte, besonders der Sicherheit, geprüft werden, nach ästhetischen Gesichtspunkten und der Beschaffenheit des Materials.“ Es wurde ein einheitliches Reglement gefordert, das keine unterschiedlichen Interpretationen zulasse.

          Sollte sich das Exekutivkomitee dazu entschließen, seine bisherige Haltung zu ändern, müssten die obersten Regelhüter der Fifa, der International Football Association Board, das Regelwerk anpassen. Die nächste Sitzung dieses konservativen, von britischen Funktionären geprägten Kreises, findet am 3. März statt.

          Mützen statt Kopftüchern

          Der Hijab auf Fußballfeldern ist seit 2007 verboten. Um den Mädchen aus Iran die Teilnahme am Fußballturnier der Olympischen Jugendspiele 2010 in Singapur trotzdem zu ermöglichen, einigte sich die Fifa mit dem iranischen Nationalen Olympischen Komitee auf eine Art Mützen statt der üblichen, festgezurrten Kopftücher. Auch in anderen Verbänden hat das Risiko, sich in dem Stoff zu verhaken oder gar von den Tüchern gewürgt zu werden, zum Verbot der Kopfbedeckungen geführt.

          Im Juni war eine iranische Frauenmannschaft vom Olympia-Qualifikationsspiel gegen Jordanien ausgeschlossen worden, weil die Spielerinnen im Hijab antreten wollten. Ihre Funktionäre hatten den Kompromiss vom Vorjahr ignoriert und sich andererseits beklagt, dass die Regeln ihre Spielerinnen vom Fußball abhielten. „Den Hijab zu erlauben“, erklärten die Experten in Amman, „würde die Teilnahme von Frauen am Spiel auf allen Ebenen erhöhen.“

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