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Frauenfußball : Es riecht nach Wachablösung

Große Freude: Der VfL Wolfsburg wird erstmals deutscher Meister im Frauenfußball Bild: Wonge Bergmann

Der VfL Wolfsburg wird erstmals deutscher Meister im Frauenfußball. Zwei Spieltage vor Schluss ist das Team nur noch rechnerisch von der Konkurrenz einzuholen. Die neue Macht im deutschen Frauenfußball arbeitet an der endgültigen Wachablösung.

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          Offiziell fehlt noch ein Punkt. Aber Trainer Ralf Kellermann genehmigte auf dem Rückweg von Leverkusen nach Wolfsburg schon den ein oder anderen Schluck aus der Sektflasche. „Wir sind es noch nicht offiziell, aber wir fühlen uns defintiv schon als Meister“, sagte Kellermann in einem Telefonat mit der F.A.Z. an einer Raststätte, wo im Hintergrund gut gelaunte Spielerinnen zu hören waren. Nach dem 4:1-Sieg bei Bayer Leverkusen haben die Frauen aus der Volkswagenstadt nun sechs Punkte und 27 Tore Vorsprung auf den Tabellenzweiten FFC Frankfurt. „Wir feiern schon ganz schön“, sagte Kellermann. „Ein solcher Vorsprung ist uns natürlich nicht mehr zu nehmen.“

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der 44 Jahre alte Trainer, ein ehemaliger Zweitligatorhüter, ist der Mann hinter dem Erfolg der erstmals zu Meisterehren kommenden Wolfsburgerinnen. Seit 2008 hat er kontinuierlich ein Team aufgebaut, das den führenden reinen Frauenfußballklubs FFC Frankfurt und Turbine Potsdam, die seit 2001 alle Meistertitel gerecht im Verhältnis 6:6 unter sich aufgeteilt hatten, zum ernsthaften Konkurrenten erwachsen ist. Im Vorjahr scheiterte der VfL noch knapp und wurde Zweiter. „Meine Mannschaft hat sich mittlerweile einfach Qualität erarbeitet, der sie in engen Situationen vertraut“, sagt Ralf Kellermann.

          Beim Auswärtssieg in Leverkusen bewies der VfL das einmal mehr. Nachdem das Team am Sonntag noch beim FFC Frankfurt eine 0:2-Niederlage im Prestigeduell verkraften musste, lagen die Frauen auch beim Mittelfeld-Team aus Leverkusen überraschend zur Pause 0:1 zurück. Anna Blässe, Martina Müller, Nadine Keßler und Lisa Magull drehten aber mit ihren Toren das Spiel noch zugunsten des designierten Meisters. Das Spiel wurde noch einmal zu einer Demonstration der Stärke im Umgang mit komplizierten Situationen.

          Erster klangvoller Name seit 1976

          Es riecht also gewaltig nach einer Wachablösung im deutschen Frauenfußball und womöglich dem Ende der Vorherrschaft der reinen Frauenfußballvereine, nachdem erstmals seit dem Meistertitel der Frauen von Bayern München im Jahr 1976 ein wirklich klangvoller Name aus dem Männerfußball zu Meisterehren kommt. Gewissermaßen wirkt der Wolfsburger Erfolg deshalb auch wie die Erfüllung der oft geäußerten Prophezeiung, dass die Männer-Bundesligaklubs mit ihren finanziellen Mitteln den Frauenfußballvereinen quasi aus der Portokasse den Rang ablaufen.

          Noch stehen die Wolfsburger mit ihrem Titelhunger weitgehend alleine da, auch wenn im Vorjahr die Bayern-Frauen mit dem DFB-Pokalsieg ein ähnliches Zeichen gesetzt hatten. In München führen die Frauen indes weiter ein Nischendasein, beim HSV hatten sie im Vorjahr gar ihr Bundesligateam einfach aufgelöst, während in Wolfsburg der Vereins-Geschäftsführer Thomas Röttgermann sich zum weiblichen Kick bekennt und auch vor der Spielzeit unverhohlen Titel eingefordert hatte. „Wenn sich der VfL Wolfsburg im Spitzensport engagiert, dann macht er das auch richtig“, sagte Röttgermann bereits vor einem Jahr. „Wir sind in erster Linie ein Sportverein, der wie jeder andere Sportverein Erfolg haben will. Aber auch VW als unser Gesellschafter ist daran interessiert, dass wir das gut machen, weil auch die Erfolge im Frauenfußball das Gesicht von VW prägen. Die anderen Männerklubs werden schon noch merken, dass sich Engagement im Frauenfußball lohnt.“

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