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Frauenfußball-EM : Sie folgen ihr durch den Sommer

Völlig losgelöst: Pia Sundhage jubelt Bild: AFP

Pia Sundhage will die Schwedinnen zum ersten Titel seit 1984 führen: Mit der besten Trainerin der Welt soll im EM-Halbfinale der Sieg über Angstgegner Deutschland (20.30 Uhr) gelingen.

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          Das offizielle Magazin der Fußball-Europameisterschaft der Frauen in Schweden hat ein sensationelles Bild aus den frühen Tagen des Spiels ausgegraben. Es zeigt die damals 24 Jahre alte Pia Sundhage mit nach unten gerutschten Stutzen und hochgerissenen Armen beim Jubel nach dem entscheidenden Elfmeterschießen im EM-Finale 1984 gegen England. „Ich erinnere mich an den Schuss, ich habe ihn 100 Mal gesehen und auch meine Freude“, sagt Pia Sundhage.

          Der Schuss ins Glück bescherte Schweden den ersten Titel dieser Art, nachdem Fußball in den meisten europäischen Ländern bis in die siebziger Jahre hinein verpönt oder gar wie in Deutschland vom Verband verboten war. Der Titel war für den schwedischen Verband Lohn dafür, dass er den weiblichen Kick früher gefördert hatte als andere.

          Für die Pionierinnen aus Schweden sollte es freilich der bis heute letzte Titel bleiben, da in den kommenden Jahrzehnten vor allem das deutsche Team immer wieder im Weg stand. Das Trauma nahm 1995 seinen Anfang: Schweden mit der Spielerin Pia Sundhage ging als Favorit ins Endspiel um die Europameisterschaft in Kaiserslautern, Deutschland gewann mit 3:2. Später folgten entscheidende Niederlagen bei Europameisterschaften und Olympischen Spielen, vor allem aber die Endspielniederlage bei der WM 2003 durch das Golden Goal von Nia Künzer, das Deutschland den ersten Welttitel bescherte und die schwedische Wartezeit verlängerte.

          Nun ist am Mittwoch (20.30 Uhr/ ZDF und Eurosport) wieder Angstgegner Deutschland der Widersacher im EM-Halbfinale in Göteborg. Und Pia Sundhage ist die Frau, die als Trainerin dazu beitragen soll, das Trauma zu besiegen.

          Die Frau mit dem „american spirit“

          In den 17 Jahren seit dem Ende ihrer aktiven Laufbahn ist sie zu der renommiertesten Trainerin des Weltfußballs gereift. Vor allem die Erfolge mit dem amerikanischen Team haben sie endgültig zum Star unter den Fachfrauen werden lassen. 2008 und 2012 führte sie die „US-Girls“ zu Olympiagold, 2011 war erst im Finale Schuss. Im Gespräch mit dieser Zeitung hat sie während der WM 2011 gesagt, dass sie „als Trainerpersönlichkeit gerade von der amerikanischen Mentalität sehr viel gelernt“ habe. Genau diesen „american spirit“, der starken Teams zu großen Triumphen verhilft, soll sie nun dem Team ihres Heimatlandes vermitteln.

          Zumindest ist es Sundhage schon einmal gelungen, den riesigen Druck, der wegen der seit jeher frauenfußballinteressierten Öffentlichkeit auf dem Gastgeberteam lastet, auf ihre Person zu fokussieren. Dafür hat Pia Sundhage viel Energie für Öffentlichkeitsarbeit aufgebracht  und gar den Rummel um einen eigenen Song mit dem Titel „Folge mir durch den Winter“ in Kauf genommen, die die talentierte Hobbygitarristen und –sängerin auf den Markt gebracht hat.

          Im Turnierverlauf hat die 52 Jahre alte Trainerin nun eingestanden, dass sie vor der EM selbst stark unter der Anspannung gelitten habe. Diesen Druck hat sie sich unter anderem auch mit ihren Sangeskünsten von der Seele gesungen und gelegentlich das ungewöhnliche Mittel eines Motivationssongs statt der klassischen Motivationsansprache eingesetzt. „Das, was sie singt, ist motivierend“, sagt ihre Mittelstürmerin Lotta Schelin, die derzeit beste europäische Spielerin. „Und vor allem, ihre Stimme. Wahnsinn“.

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