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Frauenfußball-Länderspiel : 4:0 für Steffi Jones

Nach dem Sieg über Frankreich hat Bundestrainerin Steffi Jones wieder bessere Laune. Bild: dpa

Die deutschen Fußballfrauen schlagen Frankreich im Testspiel und retten ihrer Trainerin Steffi Jones den Job. Die bei der EM verletzten Stürmerinnen Alexandra Popp und Svenja Huth zeigen jene Treffsicherheit, die zuletzt fehlte.

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          Reinhard Grindel brauchte eine gewisse Zeit, bevor auch er sich vom Torfestival beim 4:0-Sieg der deutschen Fußballfrauen über Frankreich anstecken ließ. Der DFB-Präsident quittierte die ersten drei Treffer durch Alexandra Popp (21. /44. Minute) und Svenja Huth (39.) noch weitgehend ohne Regung im Sitzen. Nach dem 4:0 durch einen sehenswerten Distanzschuss von Svenja Huth (54.) aber erhob sich Grindel und applaudierte. Nach der Vorgeschichte des Testspiels, in der er mit seiner eindringlichen Warnung an Bundestrainerin Steffi Jones und das Team quasi ein Ultimatum stellte für den Fall eines abermals enttäuschenden Auftritts, musste dieser Beifall als Entwarnungsgeste gedeutet werden. Grindel hatte schließlich nach der 2:3-Niederlage gegen Island in der WM-Qualifikation vor fünf Wochen angemahnt, dass es „gegen Frankreich besser werden und erkennbar sein“ müsse, „dass wir die Qualifikation noch schaffen können“. Ein Ergebnis wie ein 4:0 gegen Frankreich spricht nun trotz aller weiter vorhandenen Mängel für sich. Steffi Jones wird demnach auch im neuen Jahr als Bundestrainerin die Verantwortung für das im abgelaufenen Jahr in die Krise geratene deutsche Frauenfußball-Nationalteam tragen. Ob damit auch endgültig Ruhe einkehrt zumindest bis zum Ende der WM-Qualifikation? „Es ist nicht an uns als Mannschaft oder Mannschaftsrat, dem Präsidenten zu sagen, dass er sich zurückhalten soll. Von uns ist das richtige Signal, dieses Spiel auf dem Platz gezeigt zu haben“, sagte Alexandra Popp.

          Steffi Jones ließ sich derweil erst gar nicht auf eine Debatte über Grindels Warnung ein. „Wir haben in der ganzen Woche der Vorbereitung auf das Spiel ausgeblendet, was von außen an uns herangetragen wurde. Der Fokus lag auf dem Sportlichen“, sagte Steffi Jones nach dem Sieg. „Ich habe auch nie drüber nachgedacht, dass irgendwas passieren könnte, wenn wir heute verlieren. Ich habe das nicht so verstanden vom Präsidenten.“ Wie ernst die Lage indes war, belegt ein Indiz: Grindel hatte sich zum Spiel eigens Sportdirektor Horst Hrubesch als fachkundigen Beobachter an seine Seite geholt, einen eher nicht üblichen Gast bei Frauenfußball-Länderspielen.

          Die 44 Jahre alte Jones darf sich aber nun vorerst sicher fühlen in ihrem Job, da ihr Team eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber den enttäuschenden Auftritten mit dem Viertelfinal-Aus bei der EM und vor allem der Niederlage gegen Island zeigte. Die deutschen Frauen demonstrierten in einer 4-2-3-1-Grundformation von Beginn an Lauffreude, sicherten sich durch Zweikampfstärke die Dominanz auf dem Feld und nahmen mit defensiver Kompaktheit den Französinnen die Lust am Spiel. Lediglich ein kleines Transparent mit der Aufschrift „Jones raus!“ neben einer Fahne des VfL Wolfsburg im Stehblock des mit 6500 Zuschauern spärlich gefüllten Stadions auf der Bielefelder Alm erinnerte daran, dass das Testspiel im Vorfeld durch Aussagen von Grindel und die verbitterte Reaktion der für Wolfsburg spielenden gebürtigen Bielefelderin Lena Goeßling auf ihre Nichtberücksichtigung bei ihrem „Heimspiel“ zu einem Schicksalsspiel für Jones wurde.

          Vier Tore erzielten die Deutschen gegen Frankreich.

          Rückkehrerin Dzsenifer Marozsan, die gegen Island noch verletzt gefehlt hatte, tat dem Spiel als Spielführerin und Spielgestalterin sichtlich gut, weil es nicht jene Spielerin war, die sich bei der EM lethargisch auf das schwache Niveau des restlichen Teams herunterziehen ließ, sondern jene Dzsenifer Marozsan, die aus der Position als defensive Mittelfeldspielerin an der Seite von Abräumerin Tabea Kemme mit ihren technischen Fertigkeiten die Initiative an sich riss und durch mutiges Direktspiel Räume schuf für die Angreiferinnen, die über die Tore hinaus noch gute Einschussmöglichkeiten hatten beispielsweise durch Leonie Maier und Mandy Islacker. Die Bundesligatorschützenkönigin der vergangenen Saison ging indes leer aus. „Für mich wie das gesamte Team gilt, dass wir über den Kampf zum Spiel gefunden haben“, sagte Marozsan. „Wenn man Lauffreude zeigt, Zweikämpfe gewinnt und dem Gegner die Lust nimmt, dann gewinnt man Selbstbewusstsein und es gelingen Sachen in der Offensive.“

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