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EM-Qualifikation in Irland : Die DFB-Frauen vor der Abschlussarbeit

  • -Aktualisiert am

Unter Beobachtung: Auch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg steht in der Pflicht. Bild: Reuters

Das deutsche Frauen-Nationalteam will in Irland ein bewegtes Fußballjahr standesgemäß beenden. Trotz der Erfolge in der EM-Qualifikation muss ein Rückstand auf die großen Nationen aufgeholt werden.

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          Martina Voss-Tecklenburg könnte es sich leicht machen. Und sich einlassen auf den Ausdruck „verlorenes Jahr“ für das deutsche Frauenfußball-Nationalteam. Sie könnte hinweisen auf die überschaubaren Erkenntnisse, die sich aus den Partien der vergangenen Monate gegen überwiegend schwächere Gegner gewinnen ließen. Sie könnte von einem Zwischenjahr sprechen, in dem es mitunter schwer sei, Spannung aufzubauen, weil die Pandemie akut und das nächste Turnier noch fern ist. Aber so tickt die Bundestrainerin nicht. 2020 sei kein verlorenes, sondern „ein sehr lehrreiches Jahr“, sagt die 53-Jährige. Geeignet dafür, ihre Spielerinnen „mannschaftlich und von der Persönlichkeit her nach vorne zu bringen“. Fünf Länderspiele hat die DFB-Auswahl in diesem Kalenderjahr bestritten, fünf Siege bei einer Tordifferenz von 18:0 erreicht.

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          Immerhin konnte das deutsche Team an seiner Fähigkeit arbeiten, tief stehende Gegner zu bespielen und zu bezwingen. Eine Kompetenz, die sich sehr wohl lohnt, auszubauen. Denn aufgrund der erheblichen Leistungsunterschiede im Frauenfußball wissen sich die kleinen Nationen nicht anders zu helfen, als sich, um Schadensbegrenzung bemüht, am eigenen Sechzehnmeterraum zu verschanzen. „Mir hat gut gefallen, dass wir von der ersten bis zur letzten Minute in unseren dynamischen Prozessen geblieben sind“, sagte Martina Voss-Tecklenburg nach dem 6:0-Erfolg am Freitag in der EM-Qualifikation gegen überforderte Griechinnen.

          „Wir haben diese Idee und Spielauffassung und wollen sie gegen jeden Gegner durchziehen.“ So auch an diesem Dienstag (18.00 Uhr bei Sport 1) mit vielen neu ins Team kommenden Spielerinnen beim Jahresabschluss und letzten Quali-Spiel in Dublin gegen Irland. Mit nunmehr sieben Siegen aus sieben Gruppenspielen (49:0 Tore) steht die deutsche Mannschaft vor einem perfekten Durchlauf zu den in den Juli 2022 verschobenen Europameisterschaften in England.

          Zwar ist die Bundestrainerin schon seit Ende 2018 im Amt, doch wird erst die EM in anderthalb Jahren echten Aufschluss darüber geben können, inwieweit ihr mit Verve vorangetriebener Erneuerungsprozess des deutschen Frauenfußball-Flaggschiffs fruchtet. Die nicht misslungene, aber auch nicht gelungene Weltmeisterschaft in Frankreich 2019 markierte das Ende der Übergangszeit nach der titelgesättigten Ära Silvia Neid und den Irrungen der kurzen Ägide von Steffi Jones, die über das schmachvolle Viertelfinal-Ausscheiden bei der EM 2017 stolperte. Das WM-Viertelfinal-Aus 2019 hatte zwar deutlich gemacht, dass das deutsche Team international kein Schrittmacher mehr ist, sondern im Vergleich mit den Topteams zurückfiel. Doch dieser Befund konnte nach einigen Monaten im Amt nicht Voss-Tecklenburg allein angelastet werden. Zu groß war der Rückstand und zu kurz war die gemeinsame Vorbereitungszeit, um ihren Reformprozess schon auf stabile Stützen zu setzen.

          Doch die bei der WM verpasste Qualifikation für das olympische Turnier in Tokio im kommenden Sommer wiegt schwer. Denn internationale Erfahrung, gerade in Vergleichen mit guten Gegnern, könnte für die verjüngte Auswahl auf ihrem Weg zur EM 2022 Mangelware sein. Die Spielerinnen der beiden überragenden deutschen Vereine – VfL Wolfsburg und Bayern München – und einige der in anderen europäischen Ligen tätigen Legionärinnen sind zwar dauerhaft auch in der Champions League gefordert. Doch den Kräften aus anderen deutschen Klubs fehlt diese Bühne. Und das zieht sich pandemiebedingt weiter durch bis zu Nachwuchsspielerinnen, deren U-Turniere ersatzlos gestrichen wurden.

          Da kommt es auch Voss-Tecklenburg gelegen, dass es in der kommenden Saison einen dritten Champions-League-Startplatz für die Bundesliga geben wird. Die Bundestrainerin spricht zwar von einem schon herausgebildeten Stamm von sechs bis acht Spielerinnen in ihrer Auswahl, sieht sich aber auch in der Pflicht, „Spielerinnen die Möglichkeit zu geben, sich bei uns auf diesem Niveau zu zeigen. Denn wenn ich sie brauche, muss ich wissen, was sie können“, so Voss-Tecklenburg. Vor diesem Hintergrund war die kurzfristige Absage des Ende Oktober angesetzten und als Standortbestimmung deklarierten Testspiels gegen England bitter. Im Stab des britischen Teams hatte es eine Covid-19-Infektion gegeben.

          Die Frauenfußball-Bundesliga hat im Vergleich zu den Männern bislang bemerkenswert wenige Infektionen verzeichnet. Obwohl viele Akteurinnen keine Profis sind, sondern im parallel ausgeübten Beruf oder der Ausbildung stärker gefährdet sind. Voss-Tecklenburg führt dies auf „hohe Disziplin, hohe Bereitschaft und vielleicht auch das intensivere Auseinandersetzen mit dieser Thematik“ zurück. Doch die Planungen bleiben pandemiebedingt kompliziert. Nach vollbrachter EM-Qualifikation will man sich beim DFB im neuen Jahr mit stärkeren Kontrahenten messen. Eine Busreise in einen grenznahen Spielort ist im Februar geplant – womöglich gegen den aktuellen Europameister Niederlande. Und die in diesem Jahr ausgefallene Länderspielreise zum Weltmeister Amerika würde die Bundestrainerin auch gerne nachholen.

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