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Frauenfußball : Der Alltag in der Königinnenklasse

Erfolgstrainerin Martina Voss und ihre Innenverteidigerin Annike Krahn (r.) Bild: picture-alliance/ dpa

Während die Frauenfußball-Nationalmannschaft von Rekord zu Rekord eilt, lahmt der internationale Klubfußball - trotz des neuen Namens Champions League. Ein Abend in der Königinnenklasse zeigt trotz würdigen Rahmens und klangvoller Namen die Schwachstellen auf.

          Der FCR Duisburg hatte alles nett angerichtet: Dem klangvollen Namen des Gegners und des Wettbewerbs gemäß ist der derzeit beste europäische Frauenfußballklub in die schicke MSV-Arena umgezogen. Der FC Arsenal sollte in der Champions League standesgemäß empfangen werden und nicht im dürftigen Umfeld des Niederrhein-Stadions der Nachbarstadt Oberhausen spielen müssen, wo der FCR noch das Achtelfinale gegen die Schweden aus Linköping bestritten hatte.

          Den 2:1-Sieg gegen den englischen Meister FC Arsenal wollten freilich nur 5145 Zuschauer sehen, was in der mehr als 30.000 Zuschauer fassenden Arena des Zweitligavereins einen recht trostlosen Anblick erzeugte. Das Viertelfinalhinspiel im seit dieser Spielzeit mit dem Namen Champions League gekürten Nachfolgewettbewerb des von Duisburg im vergangenen Jahr gewonnenen Uefa-Pokals spiegelte deshalb die harte Wirklichkeit des Frauenfußballs im Alltag der vermeintlichen Königinnenklasse wider.

          Während die deutsche Nationalmannschaft sich von einem Zuschauerrekord zum nächsten steigert und im Fernsehen Einschaltquoten erreicht, die sich mit Europapokalabenden bei den Männern messen können, fehlt sowohl den nationalen wie dem internationalen Klubwettbewerb der besten europäischen Frauenteams bislang fast jede Aufmerksamkeit. „Ich bin sicher enttäuscht von der Resonanz heute“, sagte Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. „Es war den ganzen Tag über gutes Wetter, der Gegner hat einen Namen und das Spiel versprach europäischen Spitzenfußball. Da habe ich schon damit gerechnet, dass 10.000 bis 15.000 Zuschauer kommen“, sagte die ehemalige Nationalspielerin und begründete ihre Hoffnung mit dem Verweis auf das Vorjahresendspiel in Duisburg, als die europäische Rekordkulisse von 28.000 Zuschauern das Rückspiel gegen Zvezda Perm verfolgte. „Meine Mannschaft und dieses Spiel hätten sicher ähnlich viele Zuschauer verdient gehabt.“

          Ziel Titelverteidigung: Im Mai sicherte sich der FCR Duisburg den Sieg im Champions-League-Vorläuferwettbewerb Uefa-Pokal

          Zumal das Spiel, in dem Duisburg immerhin mit sechs Spielerinnen aus der Mannschaft des Welt- und Europameisters gegen die Ansammlung der besten Spielerinnen Großbritanniens angetreten ist, auch nicht im Fernsehen übertragen wurde. Der WDR hatte zur Enttäuschung von Duisburgs Manager Guido Lutz kein Interesse an einer Live-Übertragung in seinem Dritten Programm.

          Torjägerin trifft ins eigene Tor

          Das Spiel selbst passte sich den tristen äußeren Bedingungen an und bot bei extrem kalten Temperaturen nur phasenweise das, was ein Duell zwischen dem Titelverteidiger und dem Titelträger von 2007 im Vorfeld versprach. Duisburg beherrschte zwar über fast 90 Minuten das Geschehen, verließ sich aber im Abschluss zu sehr auf die unbestrittenenen Qualitäten der seit Monaten in Top-Form agierenden Torjägerin Inka Grings.

          Die erfolgreichste Torschützin der vergangenen Europameisterschaft und der laufenden Bundesligasasion traf jedoch am Mittwochabend nur einmal per Elfmeter zur 1:0-Führung ins gegnerische Tor (23. Minute), da sie bei der besten Arsenal-Spielerin Faye White gut aufgehoben war. Stattdessen stillte die Duisburger Mittelstürmerin ihren Torhunger nach dem 2:0 durch Martina Hegerink (49.) zu allem Überfluss bei einer missglückten Abwehraktion mit einem Kopfball-Eigentor. „So ist unsere Torjägerin halt: Wenn sie aufs Tor köpft, dann ist der Ball drin“, nahm es Torhüterin Ursula Holl mit Humor. „In London wird sie am Sonntag wieder auf der anderen Seite treffen und uns ins Halbfinale schießen.“

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