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Spektakuläre Kulisse erwartet : Viel Trubel und Trara um das Spitzenspiel der Frauen

  • -Aktualisiert am

Haben gut Lachen: Wolfsburgs Fußball-Frauen freuen sich auf eine besondere Kulisse. Bild: dpa

Vor dem Bundesliga-Gipfel gegen Bayern München vor großer Kulisse sind Wolfsburger Spielerinnen gefragte Fernsehgäste. Doch der Spagat zwischen PR und Sport ist keine leichte Aufgabe.

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          In die Vorbereitung des VfL Wolfsburg auf den ersten echten Saisonhöhepunkt hat sich jede Menge Werbung gedrängt. „Wir versuchen, die Spielerinnen prominent zu zeigen“, sagt Sportdirektor Ralf Kellermann. Um den Frauenfußball im Allgemeinen und das Bundesliga-Spitzenspiel gegen Bayern München (Sonntag, 14 Uhr bei Magenta Sport und im Livestream des BR sowie NDR) im Besonderen zu fördern, traten die Hauptdarstellerinnen zuletzt in diversen Fernsehsendungen auf.

          Dank der großen Begeisterung, die der schwungvollen Europameisterschaft in England zu verdanken bleibt, war vor allem VfL-Torjägerin und Nationalspielerin Alexandra Popp extrem gefragt. Ihre Teamkollegin Joelle Wedemeyer trat immerhin im „Tigerenten Club“ der ARD auf. Mit großem Einsatz wird versucht, den neuen Schwung des Frauenfußballs zu nutzen.

          Für das Duell der beiden besten deutschen Teams steht am Sonntag ein Umzug auf eine prominente Bühne an. Fast 20.000 Zuschauer werden erwartet, wenn der VfL Wolfsburg von seinem kleinen Stadion in die große Arena der Männer am Ufer des Mittellandkanals wechselt. „Die Resonanz ist deutlich besser als in den vergangenen Jahren“, sagt VfL-Torhüterin Merle Frohms.

          Ein kleiner Boom dank der EM

          Am Donnerstag war sie zum Auftakt der Champions League noch froh, dass 1700 zahlende Stadiongäste den 4:0-Erfolg der Wolfsburgerinnen gegen SKN St. Pölten sehen wollten. Aus dem Bundesliga-Spitzenspiel gegen die Münchenerinnen soll der nächste Hingucker werden, der den Frauenfußball nach vorne bringt. Frohms erwartet ein Spiel auf höchstem Niveau, in dem die kleinen Momente entscheiden.

          Wer viel wirbt und medial glänzt, hat weniger Zeit für das Wesentliche. Für die besten Spielerinnen des VfL Wolfsburg und des FC Bayern München gilt es in diesen Tagen, einen anspruchsvollen Spagat zu bewältigen. Einerseits auf dem Platz zu glänzen und parallel dazu als PR-Botschafterinnen im Einsatz zu sein, das ist angesichts des kleinen Booms dank der EM und des Finaleinzugs der deutschen Mannschaft keine leichte Aufgabe.

          „Unsere Spielerinnen können sich vor Anfragen kaum retten“, sagt VfL-Vordenker Kellermann. Als Trainer und Funktionär hat er jahrelang dafür gekämpft, dass der deutsche Frauenfußball an Popularität gewinnt. Jetzt muss er plötzlich darauf achten, dass zu viel Trubel und Trara nicht die Leistungen beinträchtigen. Der Ratschlag von Kellermann an die Spielerinnen lautet: Es ist eine gute Taktik, aus dem jüngst ausgeschütteten Adrenalin so viel Motivation wie möglich zu ziehen.

          Der vierte Frühling der Alexandra Popp

          Worüber in der Bundesliga weiterhin gestritten wird, ist die Frage, wem eigentlich die Rolle des Favoriten gebührt. Der FC Bayern hat sein Auftaktspiel in der Champions League gegen den FC Rosengard aus Norwegen knapp 2:1 gewonnen – ohne die am Kreuzband schwer verletzte Giulia Gwinn. Was der VfL Wolfsburg bei seiner Generalprobe gegen St. Pölten zu bieten hatte, sah ein wenig souveräner aus. Trotzdem möchte niemand in Wolfsburg oder München laut sagen, dass er dem anderen überlegen sein könnte.

          Bei den Auftritten der Niedersachsen fällt auf, dass Cheftrainer Tommy Stroot von einem breiten Spielerkader mit extrem hoher Qualität profitiert. Er kann bei Partien in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League immer wieder variieren und experimentieren. So spielte die in der Offensive seit Jahren überragende Alexandra Popp zuletzt im Mittelfeld und dirigierte ihr Team.

          Sie erlebt im Alter von 31 Jahren laut Ralf Kellermann „ihren zweiten, dritten oder vierten Frühling“. Was das national bewirkt, wird sich kurzfristig im Duell mit Bayern München und langfristig wohl erst nach der Gruppenphase der Champions League zeigen. „Der deutsche Vereinsfußball muss sich im europäischen Vergleich auf keinen Fall verstecken“, sagt Kellermann. Seine grundlegenden Einschätzungen über den Frauenfußball sind bestens formulierte Einladungen für das Gipfeltreffen in Wolfsburg.

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