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Neustart der Bundesliga : Viel Stress, große Chance für die Frauen

  • -Aktualisiert am

Sie wollen und dürfen wieder spielen: Auch die Fußballspielerinnen des FFC Frankfurt bereiten sich auf den Neustart vor. Bild: Picture-Alliance

Sportlich geht es in den verbleibenden 38 Spielen der Frauenfußball-Bundesliga um wenig. Der Aufwand dafür ist groß. Die Klubs müssen ihre oft bezweifelte Professionalität unter Beweis stellen.

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          Die Männer spielen wieder. Und von diesem Freitag an dürfen auch die Frauen in ihrer Bundesliga unter Wahrung der von DFL und DFB erarbeiteten strengen Hygieneauflagen gegen den Fußball treten. Das ist ein Erfolg im Sinne der Gleichberechtigung, auch wenn sich die Liga den etwas zu laut hinausposaunten Stolz über die Tatsache, als „erste Frauenfußball-Liga der Welt“ in der Corona-Krise wieder spielen zu können, besser erspart hätte.

          Das ist keine Leistung allein von Klubs und DFB, sondern dem glücklichen Umstand geschuldet, dass Deutschland von noch gravierenderen Folgen des Corona-Virus verschont geblieben ist. Andererseits ist es fraglich, ob der riesige Aufwand für noch 38 Spiele in einem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen steht. Sportlich geht es, da die Meisterfrage zu Gunsten des VfL Wolfsburg so gut wie geklärt ist, nur noch um zwei Entscheidungen: Bayern München und Hoffenheim kämpfen um den zweiten Champions-League-Platz. Zudem wird noch ein Absteiger gesucht.

          Äußerst enger Kalender

          Dafür bürden sich die Fußballspielerinnen viel Stress auf: Von „Fünf Wochen Fußball non-stop“ spricht Claudia von Lanken, Sportliche Leiterin des SC Sand, auf deren Team beginnend mit dem Auswärtsspiel beim FFC Frankfurt am Freitagabend (19.15 Uhr bei Eurosport) im besten Fall beim Einzug ins DFB-Pokalfinale neun Spiele in dieser Zeit zukämen. Das ist ein bei den Frauen ungekannter Rhythmus. Und das mit deutlich kleineren Kadern als bei den Männern. Der SC Sand, ein kleiner Verein ohne den Rückhalt einer starken Struktur aus dem Männerfußball, hat beispielsweise nur 17 bundesligaerprobte Akteurinnen. Die Freiburger Spielerin Sharon Beck fragte provokativ, wie sich der DFB das überhaupt vorstelle.

          Mehr noch als sportlich ist die Ausnahmesituation für die Klubs organisatorisch eine echte Härteprobe. Einige Spielerinnen müssen beruflich kürzertreten, andere büßen Einkünfte aus Nebenjobs ein. Jung-Nationalspielerin Sophia Kleinherne musste auf einen Einsatz für den FFC Frankfurt zum Neustart verzichten, da ihre Schule die mündliche Abiturprüfung nicht in das Quarantäne-Hotel verlegen konnte. Der Hoffenheimer Trainer Jürgen Ehrmann wiederum verzichtete wegen seiner Verpflichtung als Berufsschullehrer auf den Einzug ins siebentägige Quarantäne-Quartier und wird sein Team ausgerechnet im sportlich bedeutsamsten Spiel der restlichen Bundesligasaison nicht betreuen: Wenn es in München um die Vorentscheidung im Kampf um Champions-League-Platz zwei geht, sitzt Ehrmann vor dem Fernseher.

          Sollte die Liga die Herausforderungen der kommenden Wochen meistern, hätte sie allerdings eine harte Prüfung bestanden: Der Wolfsburger Trainer Stephan Lerch verweist zurecht darauf, dass der Frauenfußball jetzt in einer Ausnahmesituation bei vielleicht auch größerem Interesse der Öffentlichkeit (alle Spiele sind live, vornehmlich bei Magenta Sport, zu sehen) beweisen könne, wie professionell gearbeitet wird. Für eine solche Chance hätten Spielerinnen wie Funktionäre lange gekämpft. Die Klubs sollten sie nutzen.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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