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Frauenfußball : Auf der Suche nach individueller Stärke

Falsche Position: Auf der Außenbahn kommt Linda BResonik (r., im Duell mit Kristie Mewis) nicht zur Geltung Bild: dpa

Die deutschen Fußballfrauen haben sich mit toller Moral ein schmeichelhaftes 3:3 gegen die Vereinigten Staaten erkämpft. Für ein Weltklasseteam fehlen der Auswahl aber entsprechende Spielerinnen.

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          Vielleicht lag es daran, dass Alexandra Popp 88 Minuten während des 3:3-Unentschiedens zwischen ihrem deutschen Frauenfußball-Nationalteam und der Auswahl der Vereinigten Staaten bis zu ihrer Einwechslung von der Bank aus verfolgen musste. So hatte die Offensivspielerin am Freitagabend einen objektiveren Blick auf das Spielgeschehen als ihre Teamkolleginnen. Kim Kulig oder Nadine Angerer deuteten das schmeichelhafte 3:3-Unentschieden vor 16000 Zuschauern in Offenbach beispielsweise in einen „gefühlten Sieg“ gegen den seit nun elf Duellen nicht bezwungenen Angstgegner um.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und sie ignorierten dabei, dass die Amerikanerinnen, die nach Toren von Weltfußballerin Abby Wambach (47.), Megan Rapinoe (55.) und Alex Morgan (71.) bei einem zwischenzeitlichen Gegentreffer durch Kim Kulig (63.) ihren deutschen Gastgeberinnen mit fahrlässiger Chancenverwertung und Nachlässigkeiten in den Schlussminuten eine deftige Niederlage ersparten. Celia Okoyino da Mbabi per Foulelfmeter (84.) und Anja Mittag (87.) durften deshalb noch ausgleichen. „Das Spiel hat heute gezeigt, dass wir in der Weltrangliste zurecht hinter den USA stehen“, sagte Alexandra Popp vollkommen zurecht.

          Gut, aber nicht Weltklasse: Celia Okoyino da Mbabi  im Duell mit der amerikanischen Torhüterin Nicole Barnhart
          Gut, aber nicht Weltklasse: Celia Okoyino da Mbabi im Duell mit der amerikanischen Torhüterin Nicole Barnhart : Bild: dpa

          Es ist die individuelle Stärke, die den im Spiel gewaltigen Unterschied zwischen dem derzeit besten Team der Welt und dem deutschen Herausforderer aufzeigt. Abby Wambach, Megan Rapinoe und Alex Morgan sind Weltklassespielerinnen, die nach den Worten ihres Trainers Tom Sermanni den Unterschied ausmachen. „Gerade in der jetzigen Entwicklungsstufe des Frauenfußballs mit vielen immer besser verteidigenden Teams braucht ein Team solche Matchwinner“, sagt Sermanni.

          Dem deutschen Team fehlen bei allem Talent von Nachwuchshoffnungen wie Spielmacherin Dzsenifer Marozsan oder der Rechtsverteidigerin Leonie Maier diese Ingredienzen, obwohl die Begabungen in den vergangenen Jahren vorhanden waren. Alexandra Popp gilt beispielsweise seit ihren Leistungen bei der U20-WM 2010 als eine der großen Torjägerverheißungen. Bundestrainerin Silvia Neid hat ihre Stärken indes nie wirklich zu nutzen vermocht.

          Liste der Enttäuschungen

          Auch bei Celia Okoyino da Mbabi lässt die erhoffte Entwicklung zur Weltklasseakteurin auf sich warten. Sie traf im Jahr 2012 fast nach Belieben, aber meist gegen zweitklassige Teams. Gegen die Vereinigten Staaten erarbeitete sich die 24 Jahre alte Stürmerin lediglich den selbst verwandelten Elfmeter und zeigte sich sonst damit „zufrieden, für andere Lücken gerissen zu haben“. Die Liste ließe sich um die am Freitag als rechte Außenbahnspielerin falsch eingesetzte Linda Bresonik oder die nach einem Kreuzbandriss noch nicht einsatzfähige Lira Bajramaj ergänzen.

          Genau diese Spielertypen fehlen dem deutschen Spiel freilich, um den Amerikanerinnen wieder gefährlich werden zu können. Ein schmeichelhaftes 3:3 in dem Test oder die dennoch guten Aussichten auf eine Titelverteidigung bei der EM im Juli in Schweden sollten nur ein schwacher Trost sein.

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