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Frauenfußall : „Naturtalent“ Steffi Jones und der Klub der Hunderter

  • -Aktualisiert am

Führungsfigur: Steffi Jones Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Steffi Jones hat ihren 100. Einsatz im Trikot der Nationalmannschaft hinter sich. Die Frankfurterin ist eine Art Franz Beckenbauer bei den Frauen, die als eine der wenigen ihrer Branche vom Fußball gut leben kann. Ihre Zukunft sieht sie im Osten.

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          So viele Spiele, so viele Titel, so viele Auftritte - und dann immer noch diese Fragen nach dem prominenten Bruder, den es gar nicht gibt. Hin und wieder jedenfalls. Nein, antwortet Steffi Jones dann freundlich, sie sei nicht verwandt mit Jermaine Jones, dem Profi der Eintracht. Immerhin: Beide sind Fußballspieler, Frankfurter aus Bonames im Norden der Stadt, dunkelhäutig. Allerdings hat der Name Jones im Frauenfußball einen ganz anderen Klang als bei den Männern.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Er steht für deutsche Meisterschaften, vor allem mit dem 1. FFC Frankfurt, Pokalsiege, für zweimal Olympia-Bronze, drei Titel bei Europameisterschaften und einen bei der WM 2003. Und für 99 Länderspiele. An Samstag folgte Nummer 100, bei der Partie in Ulm gegen die Schweiz (Siehe auch: 4:0 gegen Schweiz: Erfolgreicher Jahresabschluß für Fußballfrauen). Damit ist Steffi Jones eine Art Franz Beckenbauer bei den Frauen. Der "Kaiser", Abwehrspezialist wie sie, kam in seiner Karriere auf 103 Einsätze für Deutschland, und ihn wird sie sicher in nächster Zeit einholen. Allerdings sind Vielspielerinnen verbreiteter: Vor Steffi Jones kamen schon 13 Frauen auf 100 Länderspiele und mehr; bei den Männern sind es nur acht.

          Pionierleistung

          Als Profi gehört sie da schon einem exklusiveren Kreis an. Daß Frauen mit Fußballspielen so viel Geld verdienen können, daß sie keinem anderen Beruf mehr nachgehen müssen, war auch ihre Pionierleistung. Der finanzielle Schub folgte nach dem Titelgewinn bei der WM 2003, und ihn nutzten außerdem ihre Frankfurter Mitspielerinnen Nia Künzer, Birgit Prinz und Renate Lingor. "Steffi ist Vollprofi", sagt Manager Siegfried Dietrich, der den Verein und das Quartett vermarktet. Damit meint er nicht nur die Einnahmeseite, sondern vor allem die Einstellung. Steffi Jones gilt als eloquent, zuverlässig, freundlich, medienkompatibel. "Sie ist ein Naturtalent", sagt Dietrich. Er hat ihr vier persönliche Sponsoren vermittelt, die dafür sorgen, daß sich die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau ganz auf den Sport konzentrieren kann. Außerdem bezahlt natürlich auch der FFC seine Spitzenspielerin. "Das ist aber nicht die Welt", gibt Dietrich zu.

          Öffentliche Auftritte liegen Steffi Jones. Sie ist weniger sperrig als Birgit Prinz, die zweimalige "Weltfußballerin des Jahres", und derzeit präsenter als Nia Künzer, die dauerverletzte Schützin des deutschen Siegtores im WM-Finale. Ob Gala, Wohltätigkeitsfest, Pokalauslosung im Fernsehen, Volkslauf als prominente Vorzeigesportlerin, Schirmherrschaft gegen Rassismus - auf die 32 Jahre alte Halbamerikanerin ist Verlaß. Die Begehrlichkeiten gingen kürzlich so weit, daß Bad Soden einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt wünschte - dabei wohnt nur noch ihre Familie hier, sie ist längst wieder umgezogen nach Frankfurt. Die Vielseitigkeit von Hessens Sportlerin des Jahres soll bleiben. "Sie wird auf vielen Baustellen unterwegs sein", sagt Manager Dietrich über die Perspektiven seiner Klientin, der er auch nach dem Karriereende einen Stammplatz zwischen Medien, Werbepartnern und Fußball sichern will.

          Zukunft im Osten

          Der Sport bleibt vorerst natürlich die Basis von allem. Steffi Jones, die einst mit Washington Freedom auch amerikanischer Meister wurde, hat einen Vertrag beim FFC bis 2006. Allerdings denkt sie schon weiter. Ihre Zukunft sieht sie im Osten. "Die WM 2007 und die Olympischen Spiele 2008 sind mein Ziel", hat sie zuletzt häufiger gesagt. Beides findet in China statt. Danach will sie Trainerin werden, womöglich sogar bei den Männern, wie sie in einem besonders kühnen Moment einmal verriet. Es wäre eine weitere, eine nicht weniger bemerkenswerte Pioniertat. Derzeit aber denkt sie gar nicht an ein vorzeitiges Ende ihrer internationalen Laufbahn, denn Pausen hat sie sich schon genug genommen.

          Bis zur WM 2003 war sie eine bereits zurückgetretene Nationalspielern, erst kurz vor dem Turnier konnte sie zur Rückkehr überredet werden. Sie hat immerhin über zwölf Jahre gebraucht, um ihrem 100. Länderspiel nahezukommen - vom ersten Einsatz Anfang Juli 1993 gegen Dänemark, damals 20 Jahre alt, bis zur Partie an diesem Samstag. Außerdem mußte sie mitunter unfreiwillig aussetzen. Bei der WM 2003 etwa zog sie sich in der Vorrunde einen Kreuzbandriß zu, weshalb sie sich manchmal nur als "halbe Weltmeisterin" fühlt. Dieses Turnier - einerseits Ärgernis, andererseits Triumph - läßt einen Auftrag von Siegfried Dietrich für das WM-Jahr 2006 doch etwas pikant erscheinen. Er wünscht sich eine allseits präsente Erfolgsbotschafterin Steffi Jones, die Jürgen Klinsmanns Mannschaft öffentlich anstachelt. Nach dem Motto: "Kommt, Jungs, nachmachen." Das sollte bloß keiner falsch verstehen.

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