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Frauen-Nationalmannschaft : Täglich neue Schuhe

  • -Aktualisiert am

Alles im Blick: Bundestrainierin Silvia Neid. Bild: dpa

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft sucht nach den passenden WM-Sohlen für das Turnier in Kanada. Probleme gibt es trotzdem bei fast allen Spielerinnen mit dem Schienbeinmuskel.

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          Wenn Silvia Neid dieser Tage auf den Parkplatz des idyllisch oberhalb des Zürichsees gelegenen Mannschaftshotels in Feusisberg schaut, dann sieht sie „jeden Tag Lastwagen, die Schuhe bringen“. Ihre Nationalspielerinnen leisten nämlich nicht nur auf dem Trainingsplatz im benachbarten Wollerau die letzte Feinarbeit für die am 7. Juni mit dem Spiel gegen die Elfenbeinküste beginnende WM. Sie arbeiteten in den Tagen vor dem letzten Testspiel gegen die von der deutschen Trainerin Martina Voss-Tecklenburg betreute Schweiz an diesem Mittwoch (17 Uhr/live im ZDF) auch eifrig an ihrem wichtigsten Werkzeug. Noch sollen die richtigen Schuhe gefunden werden für ein ungewohntes Arbeitsumfeld. Denn die besten Fußballspielerinnen der Welt, die in Kanada vier Wochen lang um den Titel kämpfen werden, müssen auf Kunstrasen spielen.

          Der Umstand hat für monatelange Diskussionen und sogar einen Vorstoß von 60 Spielerinnen vor einem kanadischen Menschenrechtsgericht geführt, wo sie gegen die vermeintliche Diskriminierung gegenüber stets auf Naturrasen agierenden Männern klagten. Die Spielerinnen erzielten juristische Teilerfolge, gaben aber letztlich aus Zeitnot klein bei, als der Internationale Fußball-Verband (Fifa) und die lokalen WM-Organisatoren wenigstens die Installation der bestmöglichen Kunstrasenqualität garantierten. Und so freunden sich die Spielerinnen auf ihrem Trainingsplatz nun notgedrungen mit dem ungewohnten Untergrund an. Diesen fanden sie nur in der Schweiz, weil in Deutschland fast ausschließlich das Produkt einer anderen Marke als der in Kanada genutzten verlegt wird. Zudem hat die Schweiz in Baden ein fernsehtaugliches Kunstrasen-Stadion, das es in Deutschland nicht gibt.

          „Ich bin auch jetzt noch der Meinung, dass Fußball auf einen richtigen Rasen gehört. Rasenflecken auf der Hose und Erdklumpen unter der Sohle müssen sein“, sagt Simone Laudehr. „Aber ich sehe auch Vorteile fürs Passspiel, die wir jetzt nutzen müssen.“ Und so üben die Spielerinnen derzeit das exakte Kombinationsspiel, weil das künstliche Grün Abspielfehler noch weniger verzeiht als ein Naturrasen, auf dem der Ball schneller an Tempo verliert.

          Training auf Kunstrasen: Bundestrainiern Neid und ihre Spielerinnen wollen nichts dem Zufall überlassen.

          Mindestens genauso wichtig wie die spielerische Gewöhnung ist in den Tagen am Zürichsee aber die körperliche Anpassung. „Wir haben festgestellt, dass die Spielerinnen am Anfang große Probleme hatten“, sagt Bundestrainerin Neid. „Bei fast allen Spielerinnen hat beispielsweise der Schienbeinmuskel zugemacht.“ Und da kommt nun das Schuhwerk ins Spiel. Einlagen und andere Verfeinerungen der Schuhe sollen Abhilfe schaffen, weswegen der Austausch zwischen Spielerinnen und dem jeweiligem Ausrüster per Telefon und Speditionsunternehmen dieser Tage so intensiv ist.

          Erstaunlich unbeeindruckt von den Rahmenbedingungen wirkt derweil vor allen eine Spielerin, bei der eine gewisse Unsicherheit verständlich wäre. Saskia Bartusiak präsentiert sich nach fast einjähriger Verletzungspause und nur zwei Startelf-Einsätzen in ihrem Bundesligaklub FFC Frankfurt in der Schweiz erstaunlich gelassen. „Ich fühle mich gut und habe das erreicht, was ich mir vom ersten Tag der Reha an als Ziel gesetzt habe“, sagte die 32 Jahre alte Innenverteidigerin. Und die Bundestrainerin betonte auch mit sichtlicher Zufriedenheit, dass sie „Saskias Namen bei den Auflistungen der medizinischen Abteilung lange nicht mehr gehört habe“.

          Und so dürfte die Chefin unter den Feldspielerinnen vermutlich schon an diesem Mittwoch nach über einem Jahr Abwesenheit erstmals wieder in der Startelf des Nationalteams auftauchen, wenn der Härtetest in der Schweiz ansteht. Für Saskia Bartusiak sollen dafür noch nicht einmal Schuhpakete geliefert worden sein.

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