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Frauen in Irans Stadien? : „Fußball ist leider ein Macho-Sport“

  • Aktualisiert am

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien durften Frauen aus Iran ins Stadion, in ihrer Heimat dürfen sie das nicht Bild: Imago

In Iran sollen künftig Frauen Zutritt zu Fußballspielen der Männer haben. Das klingt zunächst nach radikalem Umdenken – ist aber ganz anders gemeint.

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          In Iran sollen künftig Frauen Zutritt zu Fußballspielen der Männer haben. Was zunächst wie ein radikales Umdenken klingt, wirkt auf den zweiten Blick allerdings wie schwarzer Humor. Was Ali Kafashian, der Präsident des Iranischen Fußballverbandes, meinte, war, dass in Zukunft Ausländerinnen, also Journalistinnen oder Funktionärinnen, in Iran ins Stadion gelassen werden sollen, Einheimische aber weiterhin nicht. „Wir haben Probleme, wenn Frauen in Stadien anwesend sind“, sagte er der Nachrichtenagentur Isna, „aber in Bezug auf Ausländerinnen suchen wir nach Lösungen.“

          Kafashian reagierte damit auf die Forderung Joseph Blatters, des Präsidenten des Fußball-Weltverbandes Fifa. Der Schweizer hatte anlässlich des Internationalen Frauentages am Sonntag in einer Kolumne für das Verbandsmagazin „Fifa Weekly“ gefordert, die „untragbare Situation“ zu ändern. Das habe er schon 2013 anlässlich seines Treffens mit dem Staatspräsidenten Hassan Rohani verlangt: „Öffnet die Fußballstadien auch für Frauen!“ Seit der Revolution 1979 dürfen Frauen keine Fußballspiele von Männern mehr besuchen. Angeblich sollen sie vor dem unsittlichen Verhalten von Fans geschützt werden.

          Das minimale Einlenken ist auf die Bewerbung Irans um die Austragung der Fußball-Asienmeisterschaft 2019 zurückzuführen - der Ausschluss von Frauen ist ein schweres Handicap für die Kandidatur. Mitbewerber sind die Vereinigten Arabischen Emirate. Im Januar hatte Irans Volleyballverband beschlossen, teilweise mit der Konvention zu brechen und Ausländerinnen den Zugang zu Männerspielen zu erlauben. Die britisch-iranische Studentin Ghontscheh Ghawami war im Sommer verhaftet worden, weil sie versucht hatte, ein Volleyballspiel der Männer zu sehen.

          Blatter, der zurzeit für seine Wiederwahl als Präsident wirbt, kritisierte zudem bei einer Veranstaltung zum Thema Frauen und Fußball in Zürich, dass die Kontinentalverbände es nicht schaffte, eine Frau in die Fifa-Exekutive zu wählen. „Es hat nie, nie einen Vorschlag gegeben“, sagte er. Da die Kontinentalverbände üblicherweise die Mitglieder des Fifa-Vorstands wählen, sei es schwierig gewesen, eine Frau mit Stimmrecht dort zu plazieren. „Es war harte Arbeit“, sagte er. Im Jahr 2011 wählte nach einer Verfassungsänderung der Kongress Lydia Nsekera aus Burundi zum stimmberechtigten Mitglied. Moya Dodd (Australien) und Sonia Bein Aimé (Turks- und Caicos-Inseln) wurden später kooptiert. „Dies ist leider ein Macho-Sport“, sagte Blatter. „Wir sollten das in Zukunft ändern.“

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