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3:1 gegen SC Sand : FFC Frankfurt zurück in guter Form

FFC-Manager Dietrich: „Es ist wichtig fürs Ansehen und die Zukunft des Frauenfußballs, dass wir das schaffen.“ Bild: Picture-Alliance

Dem FFC gelingt bei der Fortsetzung der Frauen-Bundesliga die Rückkehr zu ein bisschen Normalität. Beim Sieg im Geisterspiel gegen den SC Sand überragt eine Spielerin, die fünf Jahre auf einen Startelfeinsatz warten musste.

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          Im Frauenfußball laufen die Spielerinnen bei einem Bundesligaspiel ohnehin nie in ein tosendes Fußballstadion ein. Von der Lautstärke her war es also nicht so ungewohnt, als die Spielerinnen des FFC Frankfurt vor dem 3:1-Sieg gegen den SC Sand den Rasen betraten. Die paar im Stadion zugelassenen Vereinsvertreter beider Klubs mühten sich denn auch mit kräftigem Applaus, den Spielerinnen etwas von Normalität zu geben. Zudem hatte es sich FFC-Manager Siegfried Dietrich nicht nehmen lassen, Stadionsprecher Werner Damm selbst ohne Zuschauer mit seinem üblichen Dienst am Mikrofon zu beauftragen. Der getrennte Einmarsch mit den vom Hygienekonzept des DFB vorgegebenen Abstandsgeboten auch unter den Spielerinnen, die vor Anpfiff eine Woche lang im Quarantäne-Hotel einquartiert waren, erinnerte die Akteurinnen aber spätestens an die besondere Situation in Zeiten der Corona-Krise.

          Auf dem Feld aber boten aber der Tabellensechste FFC wie auch der direkte Verfolger trotz aller Bedenken bezüglich der Fitness nach 90 Tagen Wettkampfpause und kaum einer Woche ernsthaften Teamtrainings ein ansehnliches Spiel. Sand ging in der fünften Minute in Führung, als Dina Blagojevic FFC-Spielführerin Pawollek im Zweikampf schlecht aussehen ließ, ehe sie den Ball elegant über die herausstürzende Schlussfrau Bryane Heaberlin hinweg lupfte. Der FFC glich umgehend durch Sjoeke Nüsken aus, die ein Freistoß von Theresa Panfil per Kopfball unhaltbar verlängerte.

          Die stets anspielbare und ballsichere Panfil, nach schier endloser Verletztengeschichte und einigen Einwechslungen im Saisonverlauf erstmals seit fünf Jahren in der Startelf bei einem Bundesligaspiel, war es dann auch, die den Führungstreffer mustergültig vorbereitete. Ein Anspiel von Laura Freigang ließ die 24 Jahre alte Mittelfeldspielerin im Strafraum so perfekt zu ihrer Mitspielerin zurück prallen, dass die FFC-Torjägerin bei freier Schussbahn aus zehn Metern ohne Schwierigkeiten einschießen konnte (37.) Panfil, die auch jeden Standard ihres Teams ausführte, war die Freude über die Rückkehr auf den Platz bis zur ihrer Auswechslung nach 69 Minuten am allermeisten anzumerken.

          Der Restart als „Chance für den Frauenfußball“

          „Ich freue mich sehr, dass ich heute nach über fünf Jahren mein Startelfdebüt geben konnte und von meinem Trainer das Vertrauen bekommen habe und zeigen konnte, dass ich noch Fußball spielen kann“, sagte Panfil, der bei einem Lattenschuss sowie einem von Torhüterin Charlotte Voll parierten Freistoß ein eigenes Tor verwehrt blieb. Barbara Dunst erhöhte schließlich auf 3:1 (75.) und rundete die gute Leistung ihres Teams bei der Rückkehr in den Spielbetrieb angemessen ab.

          „Es war eine ungewohnte Situation mit vielen Ungewissheiten in der Vorbereitung. Wir haben aber heute gesehen, dass wir viel richtig gemacht und die Mädels das hervorragend umgesetzt haben“, sagte FFC-Trainer Niko Arnautis. „Wir sind sehr glücklich, dass wir wieder unserem Sport und Beruf nachgehen können. Man hat heute gesehen, dass unsere Mannschaft sehr gerne Fußball gespielt hat.“

          So hat die Frauenfußball-Bundesliga, nachdem am frühen Nachmittag schon der überlegene Tabellenführer VfL Wolfsburg mit 4:0 gegen den 1. FC Köln gewonnen hatte, nun mit großem Aufwand seine Rückkehr auf den Rasen geschafft. Weniger aus ökonomischer Not wie im Männerfußball. Dafür sind die Umsätze und drohenden Verluste wegen ausbleibender Fernseh- oder Sponsorenraten schlicht zu gering. Es ging bei dem Bemühen just im 50. Jahr nach der Aufhebung des Frauenfußballverbots durch den DFB eher um Gleichberechtigung und den Willen der zwölf Klubs, ihre Professionalität zu unterstreichen. Als „Chance für den Frauenfußball“ bezeichnete auch FFC-Manager Siegfried Dietrich den Neustart als erster Frauen-Liga in Europa, die neben der Spielklasse im Corona weitgehend ignorierenden Weißrussland wieder den Ball rollen lässt. „Es ist für einige Vereine auch wirtschaftlich notwendig gewesen, dass wir weiterspielen. Und es ist wichtig fürs Ansehen und die Zukunft des Frauenfußballs, dass wir das schaffen“, sagte Dietrich.

          Der Sander Trainer Sven Thoß hatte hingegen noch am Spieltag in einem Interview mit der „Badischen Zeitung“ Kritik geübt am Vorhaben, die ausstehenden 38 Spiele der Bundesligasaison sowie noch sieben Pokalspiele bis Anfang Juli durchzuführen. „Die große Sorge aller Verantwortlichen ist, dass es zu vielen Verletzungen kommt“, sagte er. Zudem sieht er den Tabellenletzten FF USV Jena benachteiligt, da das Team wegen eines Trainingsverbots in Thüringen erst eine Woche verspätet in Trainings- wie Spielbetrieb einsteigen kann.

          Sand, in der Bundesliga trotz der Niederlage sorgenlos, aber im Pokal noch mit Hoffnungen, demonstrierte dann auf dem Feld eindrücklich die Notlage, indem das Team nur mit 14 Spielerinnen anreiste, nachdem unter der Woche aus dem nur 17 Frauen zählenden Kader neben einer gesperrten Spielerin auch noch eine Torhüterin und die Feldspielerin Marina Georgieva verletzt abmeldeten. Georgieva hatte dabei noch eigens ihre Fern-Abiturprüfung im heimischen Österreich um einige Monate verlegen lassen, um in das vorgeschriebene Quarantäne-Lager einziehen zu können. Die wegen der besonderen Situation und Belastung eröffnete Möglichkeit, fünf Spielerinnen zu wechseln, konnte der Klub deshalb bei weitem nicht nutzen.

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