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Französischer Fußball : Qatarische Verhältnisse in Paris

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Umarmungstaktik: Scheich Tamim ben Hamad al-Thani (r.) bindet Manager Leonardo ein Bild: dapd

Wie im Fußball-Schlaraffenland: Manager Leonardo darf für den Traditionsklub Paris Saint-Germain neuerdings so viel ausgeben, wie er will. Bei 130 Millionen Euro ist noch lange nicht Schluss.

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          Es geht also doch: Geld verhindert keine Tore - Paris Saint-Germain (PSG) kann noch Fußballspiele gewinnen. Im dritten Anlauf feierte die Mannschaft von Trainer Antoine Kombouaré in der ersten Liga ihren ersten Saisonsieg. Das 2:1 über Valenciennes am Sonntag gehörte allerdings nicht zu den Glanzstücken französischer Fußballkunst, und somit wackelt sein Trainerstuhl nicht weniger heftig als vor dem Wochenende.

          Die Ansprüche sind ganz andere in der Hauptstadt, als einen mittelmäßigen Gegner knapp zu besiegen. PSG gehört nicht nur zu den populärsten Klubs im Land, sondern ist seit kurzem auch der reichste. Am 31. Mai hat die Qatar Sport Investments Company (QSI) 70 Prozent der Aktien des traditionsreichen Vereins gekauft. Die Höhe der Transaktion wird auf 50 Millionen Euro geschätzt. Viel höher ist die Summe, die seitdem in den Klub gepumpt wurde. Mehr als 80 Millionen Euro durfte PSG für Transfers ausgeben, um an alte glanzvolle Zeiten anzuknüpfen: Sieger im Europapokal der Pokalsieger 1996, zweimal Meister (1986 und 1994), achtmal Pokalsieger. Die Summen sind ein Klacks für das Investment-Unternehmen, das 2005 von Scheich Tamim ben Hamad al-Thani, Erbprinz des Emirats Qatar, gegründet wurde.

          Über den Rahmen einer normalen Geldanlage hinaus

          Qatar, dieses kleine Land von 1,7 Millionen Einwohnern, ist so groß wie Korsika, nimmt jedoch den dritten Platz in der Rangliste der Erdgasproduktion in der Welt ein. Es ist seit langer Zeit schon ein bevorzugter Partner der französischen Wirtschaft, was sich in Anteilen an großen Unternehmen wie Lagardère (Medien), Veolia (Umwelt, Wasser) und Suez (Wasser, Abfälle) ausdrückt. Ansonsten finanzieren die Qatarer in Frankreich gerne Immobilien, weil im Jahre 2009 das französische Parlament ihre Immobilieninvestitionen von der Mehrwertsteuer befreite.

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          Der Kauf von PSG geht weit über den Rahmen einer normalen Geldanlage hinaus. Er ist ein Teil einer politischen Marketingstrategie. Für Pascal Boniface, Geopolitiker und guter Kenner der Fußballwelt, besteht kein Zweifel: „Qatar hat den Weg der Sportdiplomatie gewählt, um seinen Platz in der Welt zu definieren. Um zu zeigen, dass seine Rolle viel bedeutender ist als seine demographischen Werte.“ Die erfolgreiche Bewerbung um die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ist ein weiterer Eckpfeiler dieser Strategie. Die Stadt Paris hat den Investoren anders als 2006, als man Avancen noch ablehnte, inzwischen den roten Teppich ausgerollt. Sie hofft insgeheim, dass QSI dazu beitragen wird, die Renovierungsarbeiten des städtischen Stadions „Parc des Princes“, wo PSG seine Heimspiele austrägt, für die Europameisterschaftsspiele 2016 zu finanzieren. Und auch die französische Profiliga greift gerne zu, wenn Geld aus den Golfstaaten winkt. Am 23. Juni teilte der Verband dem Sportressort des in Doha gegründeten Senders „Al Dschazira“ einen Teil der Fernsehrechte für die Summe von 90 Millionen Euro zu.

          Auch Michel Platini ist ein Freund des Nahen Ostens. Er hat nie dementiert, bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 für Qatar gestimmt zu haben. Der Präsident der Europäischen Fußball-Union ist sich bewusst, dass er die Unterstützung der Länder dieser Region braucht, wenn er 2015 den Internationalen Fußballverband erobern und dessen Schweizer Präsidenten Joseph Blatter ablösen will.

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