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Franz Beckenbauer : Der Sommermärchen-Deal

Das Sommermärchen endet im Albtraum: Franz Beckenbauer verliert weiter an Ansehen Bild: dpa

Franz Beckenbauers Traumwelt rund um die Sommermärchen-WM 2006 bricht zusammen – und auch für den aktuellen DFB-Präsidenten Grindel will die Vergangenheit einfach nicht vergehen.

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          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist stolz auf seine Vergangenheitsbewältigung. Zwar ist die seit vergangenem Herbst aufgeworfene Frage, welchem Zweck eigentlich ein verwickeltes Zahlungsmanöver in Höhe von 6,7 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gedient hat, ungeklärt geblieben. Aber angeblich wurde der Vorgang, in den der damalige Organisationschef Franz Beckenbauer involviert ist, ausreichend untersucht durch die Frankfurter Kanzlei Freshfields. Sie hat fünf Millionen Euro bekommen für einen gewaltigen Bericht. 740 Aktenordner, so steht es in der Einleitung, seien dafür ausgewertet worden und 128.000 E-Mails.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.
          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          42 Anwälte hätten sich mit den geschäftlichen Vorgängen rings um das Sommermärchen befasst. Es sei ein Bericht entstanden, betont man beim DFB, der vom Umfang und von der inhaltlichen Tiefe her beispiellos sei. Darauf könne man einen glaubwürdigen Neuanfang aufbauen, erklärte der im April neu gewählte DFB-Präsident Reinhard Grindel fröhlich. Das mag ein Grund sein, warum am Montag seine Laune in den Keller sackte.

          361 Seiten umfasst der sogenannte Freshfields-Bericht, der am 4. März präsentiert wurde. Doch der Vorgang, der jetzt die Reputation der einstigen WM-Ikone Beckenbauer vollends in den Staub zieht, kommt darin nicht vor. Weder die fragwürdige Zahlung von 5,5 Millionen Euro des DFB im Jahr 2006 an den damaligen Chef des Organisationskomitees, die man als Honorar verstehen kann für einen angeblich kostenlos sich aufopfernden Nationalheiligen. Noch das Ergebnis der Betriebsprüfung vier Jahre später, nach dem der DFB 1,1605 Millionen Euro an Abzugsteuer zahlen musste. Franz Beckenbauer hat dieses Geld im folgenden Jahr erstattet. Zu den Gründen, warum der Vorgang nicht beanstandet wurde, wollten sich auf Anfrage weder der DFB noch die Kanzlei Freshfields äußern.

          Die Millionenzahlung an Beckenbauer wurde offenbar aus dem Geld bestritten, das die staatliche Lotterie Oddset als einer von sechs nationalen WM-Sponsoren gezahlt hatte. Beckenbauer, der dann auch tatsächlich als Werbeträger für Oddset auftrat, wurde jedenfalls aus diesem Topf bezahlt. Gewusst haben müssen davon zumindest all jene, die über die Betriebsprüfung informiert waren: Wolfgang Niersbach etwa, der damalige Generalsekretär des DFB, der von Freshfields auch befragt wurde. Niersbach ist inzwischen als DFB-Präsident zurückgetreten und vom Fußball-Weltverband als internationaler Funktionär suspendiert. Gesagt hat er den Freshfields-Leuten offensichtlich nichts.

          DFB hofft auf Reinwachungswirkung

          Dass Reinhard Grindel in aller Schärfe auf die Nachrichten vom neuesten Kaiser-Deal reagierte, ist also nicht erstaunlich. Seine Präsidentschaft basiert auf der allgemeinen Reinwaschungs-Wirkung der teuren Analyse – auch wenn die Anwälte sich gegen Versäumnisse gründlich abgesichert haben. Man habe nicht zu allen Unterlagen Zugang gehabt, einiges sei verschwunden gewesen, anderes von der Frankfurter Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, aber solche kleinen Schwächen ließen sich bisher erfolgreich verdrängen. Nun aber wird klar: Die Vergangenheit ist noch nicht ausgestanden, das Schweigen der Funktionärsriege bleibt eine Bedrohung für Grindel.

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          Was bisher geschah : Die Chronologie der WM-2006-Affäre

          Bevor er am Dienstag beim Kongress der Europäischen Fußball-Union zur Wahlurne schritt, um dem Slowenen Aleksander Ceferin ins Präsidentenamt zu helfen, machte er darum ungewöhnlich deutlich, was er vom Verhalten der damals Verantwortlichen hält, die Beckenbauer stets als ehrenamtlichen Gutmenschen präsentierten: „Für mich ist völlig unverständlich, warum die Mitglieder des damaligen Organisationskomitees diese These über einen so langen Zeitraum vertreten haben. Für mich ist dieser ärgerliche Vorgang ein neuerlicher Beleg, dass das WM-OK auf Abschottung gesetzt hat, dass dort keine Transparenz geherrscht hat und die Öffentlichkeit in Teilen auch getäuscht worden ist. Das verurteile ich.“ Auch Grindel interpretierte die Zahlung aus dem Budget des Organisationskomitees der WM 2006 als Honorar. „Man kann vor diesem Hintergrund sicher nicht davon sprechen, dass seine Tätigkeit im OK ehrenamtlich war.“ Er habe gewusst, sagte Grindel, dass Beckenbauer für den WM-Sponsor Oddset als Werbeträger tätig gewesen sei. Doch bis Montagnachmittag sei ihm nicht bekanntgewesen, dass er die Bezahlung von 5,5 Millionen aus dem Budget der WM erhalten habe.

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