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Franz Beckenbauer : Der Sommermärchen-Deal

Beckenbauer selbst schweigt

Beckenbauers Anwälte erklärten am Mittwoch, ihr Mandat habe das Geld für „seine werblichen Aktivitäten für den von ihm geworbenen Sponsor Oddset“ erhalten. Beckenbauer habe das Geld nach Kenntnis der Betriebsprüfung „unverzüglich“ an seinem Wohnsitz in Österreich ordnungsgemäß versteuert“, hieß es in einem Statement der Kanzlei Nesselhauf. Die Behauptung, Beckenbauer habe das Geld für die WM 2006 oder für ein Ehrenamt erhalten, seien falsch. Lotto Bayern, die Dach-Organisation von Oddset, ergänzte in einer Mitteilung: Es habe im Zusammenhang mit der WM 2006 keine vertraglichen Beziehungen von Oddset und/oder der Lotterieverwaltung zu Beckenbauer gegeben. „Dementsprechend gab es auch keine Honorarvereinbarungen und keine Honorarzahlung. Vertragspartner von Herrn Beckenbauer war der DFB. Das Werbehonorar erhielt Herr Beckenbauer vom DFB.“

Beckenbauer selbst schweigt, nachdem er sich zuletzt einer Bypass-Operation unterziehen musste, von der er sich im Moment erholt, während draußen seine Welt langsam zusammenbricht. Das Frankfurter Steuerverfahren gegen den DFB im Zusammenhang mit der Zahlung von 6,7 Millionen an unbekannt ist noch nicht abgeschlossen. Sollte es nicht in einem Vergleich enden, müsste der DFB Schadensersatzforderungen womöglich auch an Beckenbauer richten. Doch das ist nur eine von vielen Schlingen, die sich um den Kaiser zusammenzuziehen drohen. Der Blick in die Schweiz dürfte dem Wahl-Österreicher nicht unbedingt angenehm sein. Dort hat ihn die Bundesstaatsanwaltschaft im Visier, seit im Mai 2015 mehrere Funktionäre des Fußball-Weltverbandes bei einer spektakulären Aktion in einem Hotel in Zürich verhaftet wurden.

Am 1. September durchsuchten Schweizer Ermittler das Appenzeller Haus von Fedor Radmann, eines engen Beraters von Franz Beckenbauer, der in Teufen wohnt. Auch diesmal ging es um eine Millionenzahlung. 5,4 Millionen Schweizer Franken sollen von der Fifa über Radmann an Beckenbauer geflossen sein für die Zeit zwischen 2007 und 2011, in der er Exekutivmitglied der Fifa war. Die Zahlungen seien als „Löhne und Zulagen“ deklariert gewesen, hieß es in Schweizer Medienberichten. Löhne und Zulagen in exorbitanter Höhe wohlgemerkt: Die übliche Aufwandsentschädigung für ein Fifa-Exekutivmitglied betrug damals 100 000 Dollar. Radmann, so wurde in der Schweiz berichtet, werde vorgeworfen, die Hälfte des Geldes an ein Bankhaus überwiesen zu haben, ohne Beckenbauer als wahren Berechtigten offenzulegen. Es gehe um den Vorwurf der Urkundenfälschung und Geldwäsche. Die Verdachtsmomente ergaben sich offenbar aus riesigen Datenmengen, die sich die Bundesanwaltschaft nach den Verhaftungen bei der Fifa gesichert hat. Deutsche und österreichische Behörden leisten Amtshilfe.

Bereits seit November 2015 läuft ein weiteres Schweizer Strafverfahren gegen deutsche Fußball-Funktionäre von einst: Franz Beckenbauer, die ehemaligen Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach und den ehemaligen Schatzmeister Horst Rudolf Schmidt. Der Verdacht lautet auf untreue Geschäftsbesorgung, Geldwäsche, Betrug und Veruntreuung. Hier geht es um die berühmten 10 Millionen Schweizer Franken oder 6,7 Millionen Euro, die über Schweizer Umwege an ein Konto in Qatar gingen und deren Zusammenhänge auch der Freshfields-Bericht nicht klären konnte.

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