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Beckenbauer zu Müllers Tod : „Gerd und ich – wir waren wie Brüder“

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Gemeinsam holten Gerd Müller (links) und Franz Beckenbauer den WM-Titel 1974 (Bild von 1997). Bild: Picture-Alliance

Der verstorbene Gerd Müller wird als einer der größten Fußballspieler von Weggefährten und internationalen Stars gewürdigt. Besonders nah geht sein Tod seinem ehemaligen Kapitän Franz Beckenbauer.

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          Nach dem Tod von Gerd Müller hat Franz Beckenbauer die besondere Beziehung zu dem einstigen Weltklasse-Torjäger hervorgehoben. „Er war so ein feiner Kerl und viel feinsinniger als viele dachten“, sagte der 75-Jährige der „Bild“. „Gerd und ich – wir waren wie Brüder.“ Müller war am frühen Sonntagmorgen gestorben. Er wurde 75 Jahre alt. Er litt an Alzheimer und lebte seit Jahren im Pflegeheim, wo er professionell betreut wurde. „Auch wenn man schon seit Langem die Nachricht fürchten musste: Sie trifft mich wie ein Schock“, gestand Beckenbauer.

          Müller war im Sommer 1964 zum FC Bayern München gekommen und prägte gemeinsam mit Beckenbauer eine im deutschen Klubfußball bis dahin beispiellose Erfolgsära. Mit der Nationalmannschaft wurden sie 1972 Europameister und 1974 Weltmeister, wobei Müller das Siegtor im Finale in München gegen die Niederlande erzielte.

          Nach seiner aktiven Karriere arbeitete Müller lange als Trainer im Nachwuchs-Bereich des FC Bayern. Unter anderen profitierte Thomas Müller von ihm. Er habe von dem Stürmertrainer in jungen Jahren viel gelernt, schrieb der Nationalspieler am Sonntagabend bei Instagram in einem sehr persönlichen Post an seinen Namensvetter.

          „Abgesehen von meinen persönlichen Begegnungen mit dir sind deine Leistungen für unseren @fcbayern und das @dfb_team nicht hoch genug einzuschätzen. Ohne deine Tore wären wir nicht da, wo wir jetzt sind“, meinte Thomas Müller und schloss seinen Beitrag mit den Worten: „Vielen Dank für alles und zum Abschluss noch die wichtigste Botschaft: Du warst ein sensationell guter Mensch !!“

          Weggefährte Günter Netzer würdigte Müller als „besten und unberechenbarsten deutschen Torjäger aller Zeiten“. Der Angreifer sei „ein Phänomen“ gewesen. „Er war nicht der allerbeste Spieler, aber er hat Dinge gemacht, die er – glaube ich – manchmal selbst nicht verstanden hat“, sagte Netzer. HSV-Legende Uwe Seeler meinte zu Müllers Tod nach langer Krankheit: „Vielleicht ist es für ihn eine Erlösung.“

          Beckenbauer erinnerte sich an eine Anekdote mit dem Ausnahmefußballer aus der gemeinsamen Zeit beim deutschen Rekordmeister: „Wir wohnten damals nur ein paar Kilometer voneinander entfernt. Er holte mich vor Spielen ab und musste manchmal auf mich warten. Als er mal ungeduldig sagte: „Franz, wir kommen zu spät zur Mannschaftsabfahrt.“ Da lachte ich: „Dicker“ – so nannte ich ihn – „merke dir eines. Ohne uns fährt bei Bayern keiner ab...“„, erzählte Beckenbauer.

          Müller krönte sich gemeinsam mit Beckenbauer und unter anderem Uli Hoeneß zum Weltmeister. „Es war mir persönlich eine große Ehre, dass ich an seiner Seite spielen durfte“, sagte Hoeneß dem Münchner Merkur und der tz. „Gerd war auf dem Platz einmalig und neben dem Platz stets ein bescheidener, bodenständiger, von uns allen über die Maße geschätzter Gefährte“, sagte Hoeneß. Für den früheren Bayern-Präsidenten war Müller ein Mann, „dem wir alle unendlich viel zu verdanken haben“.

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          Auch Paul Breitner, ebenfalls Weltmeister 1974, war tief betroffen. „Gerd Müller war für mich der größte Fußballer meines Lebens. Gerd ist der Sockel, auf dem der große FC Bayern unserer Tage entstanden ist. Gerd hat meinen Lebensweg entscheidend mitgeprägt“, schrieb Breitner in der tz. Er bedankte sich zudem bei Müllers Frau Uschi, „dass ich ihn gerade auch in seinen letzten Jahren im Heim begleiten durfte. Bis zuletzt konnte ich ihm noch nahe sein.“

          In den beiden Sonntag-Spielen der Bundesliga zwischen Mainz 05 und RB Leipzig sowie zwischen dem 1. FC Köln und Hertha BSC wurde Müller geehrt. In Mainz gab es eine Schweigeminute, in Köln einen einminütigen Applaus.

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