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Franz Beckenbauer : Wo kommen denn die Millionen her?

Die Rückzahlung von sechs Millionen Schweizer Franken will Franz Beckenbauer nicht bemerkt haben. Bild: AP

Franz Beckenbauers Nettigkeiten und Versteckspiele helfen nicht mehr weiter. Nun gibt es einen Hinweis, den Freshfields gar nicht thematisiert hat: Es geht um ein altes Schweizer Netzwerk.

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          Eigentlich hat Franz Beckenbauer nicht mehr viel zu sagen - außer ein paar Lappalien als Fußball-Experte im Bezahlsender „Sky“. Doch die Nation hängt weiter an seinen Lippen. Der Kaiser soll nun endlich Klarheit schaffen über die Vorgänge rings um das Sommermärchen. Jedoch: Er tut es nicht. Der Siebzigjährige gibt sich immer noch als eine Art unmündiger Lausbub, eine Nummer, die viele Jahrzehnte lang bestens gezogen hat.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Passend dazu versteckt er sich in der Affäre um die Fußball-WM 2006, deren Organisationschef er immerhin war, hinter seiner Vaterfigur, dem Manager Robert Schwan. Und der nahm schon vor vierzehn Jahren seine Geheimnisse mit ins Grab. Der Kaiser, der Vielgeliebte, dem immer alles verziehen worden ist, wagt sich nicht aus der Deckung.

          Genauso wenig wie all die anderen Beteiligten an dieser himmelschreienden Affäre, in der keiner einen substantiellen Fehler zugeben kann und offenbar niemand auf die Idee kommt, dass auch die Wahrheit eine Alternative ist. Zumal das damalige Bewerbungs- und Organisationskomitee es mit Mohamed bin Hammam aus Qatar und Jack Warner aus Trinidad und Tobago zu tun bekommen hatte, zwei der übelsten Gestalten im verkommenen WM-Vergabesystem des Fußball-Weltverbandes (Fifa).

          So aber kommt man nicht zur Ruhe - auch nach der Freshfields-Show in Frankfurt nicht. Der Untersuchungsbericht der vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit einer „niedrigen siebenstelligen Summe“ entlohnten Anwaltskanzlei ergab zwar keine Beweise, dass Deutschland den Zuschlag zur Fußball-WM 2006 mit gekauften Stimmen erhalten hat. Aber eine Reihe unerledigter Vorgänge und einen ganzen Steinbruch von Zweifeln, die auch Franz Beckenbauer weiter zusetzen werden.

          Reinhard Grindel, Reinhard Rauball, Rainer Koch, Ralf Köttker und Christian Duve (von links nach rechts). Bilderstrecke

          Irgendwann hilft Naivität nicht mehr weiter, wenn einer Verantwortung übernommen hat. Zumal die Akte noch einen Hinweis enthält, den Freshfields gar nicht thematisiert hat: dass die kompliziert verschleierte Zahlung von 6,7 Millionen Euro im Jahr 2002, um die sich die Affäre rankt, über ein altes Schweizer Beckenbauer-Netzwerk geflossen ist. Dem „Spiegel“ ist es zuerst aufgefallen: Die Millionen wurden über ein Konto nach Qatar weitergeleitet, das von der Kanzlei Gabriel & Müller in Sarnen im Schweizer Kanton Obwalden geführt wurde. In Sarnen-Bitzighofen hatte Franz Beckenbauer Ende der siebziger Jahre eine Wohnung.

          Beckenbauer hatte bei Cosmos New York unterschrieben, und der Kanton bot Prominenten damals extreme Steuervergünstigungen an. „Meine Familie war dort, meine Kinder gingen dort zur Schule“, sagte Beckenbauer 2007 anlässlich einer Preisverleihung der „Jungfrau-Zeitung“. Es sei „eine göttliche Gegend“. Der Anwalt Othmar Gabriel, Namenspartner von Gabriel & Müller, hat laut „Spiegel“ früher in der Kanzlei gearbeitet, die damals Beckenbauer beriet. Und ihm erhebliche Probleme mit den Steuerbehörden einbrachte.

          „Freshfields Bruckhaus Deringer“ führen diesen Aspekt zwar nicht an. Doch die vom DFB beauftragten Anwälte scheuten nicht zurück, Beckenbauers Glaubwürdigkeit offen in Zweifel zu ziehen. So heißt es im Zusammenhang mit der komplizierten Zahlung von 6,7 Millionen Euro (zehn Millionen Schweizer Franken), die ja angeblich dazu dienen sollten, einen Veranstaltungszuschuss in Höhe von 170 Millionen vom Fußball-Weltverband lockerzumachen und die seltsamerweise in Qatar landete: „Trotz erheblicher Zweifel haben wir nach derzeitigem Stand keinen eindeutigen Beleg finden können, dass Franz Beckenbauer im Jahr 2002 Kenntnis von einer Zahlung in Höhe von CHF 10 Mio. über das Sammelkonto an die KEMCO Scaffolding Co. sowie den hiermit verfolgten Zweck hatte.“

          Nicht einmal die Tatsache, dass, um die Summe zusammenzubringen, zunächst von einem auf Beckenbauers und Schwans Namen geführten Konto in vier Tranchen sechs Millionen Schweizer Franken vorgeschossen worden waren, will Beckenbauer bemerkt haben.

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          Dies hat Freshfields zu folgender Einschätzung veranlasst: „In der Tat überrascht es, dass Franz Beckenbauer keine Kenntnis darüber gehabt haben will, dass im Zeitraum vom 29. Mai bis zum 8. Juli 2002 vier Tranchen in Millionenhöhe - insgesamt CHF 6 Mio. - von dem (auch auf seinen Namen lautenden) Oder-Konto ... überwiesen wurden.“ Dazu kommt, dass in der Zeit zwischen den Überweisungen und der Rückzahlung Anfang September 2002 Robert Schwan gestorben war.

          Und dass die Rückzahlung auf einem Konto einging, das ausschließlich auf den Namen Beckenbauer lautete. Der Kanzlei scheint dies „um so befremdlicher“. „Es ist uns kaum vorstellbar, dass man derartige Geldbewegungen auf eigenen Konten nicht mitbekommt.“ Mit anderen Worten: Jeder normale Mensch hätte sich gefragt: Wo kommen denn die sechs Millionen her? Ist denn schon Weihnachten? Die Bescherung dürfte angesichts staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen in Frankfurt und der Schweiz und des Interesses des Fußball-Weltverbands jedenfalls noch nicht zu Ende sein.

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