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Franz Beckenbauer im Gespräch : „Der Fifa würde weibliche Intelligenz sehr gut tun“

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Franz Beckenbauer (rechts) glaubt an die Kraft des 75 Jahre alten Joseph Blatter Bild: dapd

Franz Beckenbauer verabschiedet sich von allen sportpolitischen Ämtern, weil die Familie ruft. Im F.A.Z.-Interview spricht er über die Zustände im Weltfußballverband Fifa, die Verhältnisse in der Bundesliga - und einen Wunsch für sein zukünftiges Leben.

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          Die Familie ruft: Franz Beckenbauer verabschiedet sich von allen sportpolitischen Ämtern. Der 65 Jahre alte Ehrenpräsident des FC Bayern München sieht die Wiederwahl von Joseph Blatter als Fifa-Präsident am 1. Juni nicht als Selbstläufer. Der Qatarer Mohamed bin Hammam tritt als Gegenkandidat an – „und die Bewerbung ist ernst zu nehmen. Da muss Blatter aufpassen“.

          Fifa-Präsident Joseph Blatter ist gerade 75 geworden. Er will sich am 1. Juni zum vierten Mal für weitere vier Jahre wählen lassen – trifft aber nun auf einen Gegenkandidaten: Mohamed bin Hammam. Welche Chancen geben Sie dem qatarischen Präsidenten des Asiatischen Fußballverbandes?

          Wenn bin Hammam – der ja mitgeholfen hat, die Weltmeisterschaft 2022 nach Qatar zu holen – kandidiert, macht er das nicht arglos. Seine Bewerbung ist legitim und ernst zu nehmen. Sie wird auch gut vorbereitet sein. Blatter hat sicher die meiste Erfahrung bei der Fifa, ist am längsten dabei und hat als Präsident einen sehr guten Job gemacht. Aber er muss aufpassen.

          Kann bin Hammams Kandidatur auch zu einer Zerreißprobe innerhalb der Fifa führen?

          Ich erinnere mich noch gut an 2002, als der afrikanische Konföderationspräsident Issa Hayatou gegen Blatter zur Wahl um die Fifa-Präsidentschaft antrat. Damals in Seoul herrschte eine fürchterliche Stimmung des Misstrauens. Eine Spaltung innerhalb der Fifa wäre das letzte, was der Fußball jetzt gebrauchen kann.

          Sie selbst treten mit 65 aus der Fifa-Exekutive zurück. Glauben Sie wirklich, dass 75 noch ein Alter ist, um eine Organisation mit 208 Mitgliedsverbänden kraftvoll führen zu können?

          Ich finde, dass Sepp Blatter sehr fit und rüstig ist – vielleicht auch wegen seiner Aufgabe und weil er so beschäftigt ist. Vielleicht fürchtet er auch, dass es, wenn er erst einmal von seiner Lebensaufgabe losließe, ruhiger um ihn würde. So etwas beschleunigt oft genug den Alterungsprozess.

          Bei aller Stärke, die Sie Blatter noch zutrauen, steht die Fifa nach den jüngsten Korruptionsskandalen um zwei Exekutivmitglieder und der Vergabe der WM 2022 an Qatar so schlecht wie lange nicht da im öffentlichen Ansehen. Braucht dieser Verband nicht dringend mehr Transparenz und Verjüngung in seinen Gremien?

          Die Fifa-Exekutive und die verschiedenen Fifa-Komitees setzen sich aus Menschen zusammen, die aus den verschiedensten Teilen der Welt kommen. Da gibt es schon mal Fälle von Korruption – leider ein weltweites Phänomen. Wir in Europa haben ein ganz anderes, strengeres Verständnis von Korruption und davon, wo sie anfängt, als das in Afrika, Asien oder Südamerika der Fall ist. Wenn innerhalb der Fifa einzelne Personen Verfehlungen begehen, wirft es ein schlechtes Licht auf den ganzen Verband. Und so etwas fällt auch auf den Fifa-Präsidenten zurück. Zu Qatar: Diese Entscheidung des Fifa-Exekutivkomitees aus dem vergangenen Dezember hat mich selbst überrascht, auch wenn Qatar seine Kandidatur sehr gut und plausibel präsentiert hatte.

          Zumal die Evaluierungskommission Qatar und auch Russland, das die Titelkämpfe 2018 bekommt, vorher die schwächsten Noten gegeben hatte.

          Da muss man sich im Nachhinein wirklich fragen, ob es sinnvoll ist, dass auch in Zukunft das Exekutivkomitee mit seinen 24 Mitgliedern über die Vergabe der Weltmeisterschaften entscheidet, oder ob man dieses Votum nicht doch besser einem Fifa-Kongress überlässt. Wenn immer wieder Stichworte wie Bestechung und Korruption rund um die WM-Vergaben fallen, ist es rein gedanklich naheliegend zu vermuten, dass eine solche unlautere Einflussnahme gegenüber 24 Personen womöglich leichter fiele als gegenüber den Vertretern aus 208 Fifa-Verbänden.

          Halten Sie die Entscheidung pro Qatar nach wie vor fatal?

          Man kann es so oder so sehen. Meistens gibt man eine WM dahin, wo schon Strukturen sind. Das ist in Qatar, einem sehr kleinen Land mit 1,7 Millionen Einwohnern, darunter höchstens 350 000 Qatarer, nicht so. Andererseits ist Qatar ein extrem reiches Land mit einem Emir, Scheich Hamad ibn Chalifa Al Thani, an der Spitze, der alles machen wird, um eine gute Weltmeisterschaft zu ermöglichen. Das Problem ist die Hitze. Wenn die WM wirklich im Sommer, wonach es augenblicklich ausschaut, gespielt wird, traue ich den Qatarern alles zu: dass die Stadien, die Fanzonen runtergekühlt werden. Aber was wäre das für ein Milliardenaufwand? Das sollte man sich sparen und stattdessen im Januar spielen, wenn die Bedingungen bei 25 Grad im Schnitt perfekt sind.

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