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Franz Beckenbauer im Gespräch : „Der Fifa würde weibliche Intelligenz sehr gut tun“

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Sie räumen Ihren Platz bei der Fifa für Theo Zwanziger, den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, den die Europäische Fußball-Union für die künftige Fifa-Regierung nominieren wird, und geben Ihre sportpolitischen Ämter auch im DFB-Präsidium sowie in der Uefa ab – befürchten Sie, dass es nun auch um Sie ruhiger wird?

Das glaube ich nicht. Ich habe nach wie vor genug zu tun – mit meinen medialen Verpflichtungen, meiner Stiftung, meinen Sponsoren und nicht zuletzt mit meiner Familie, deretwegen ich das Fifa-Exekutivkomitee verlassen werde.

Wenn Sie zum 1. Juni der Fifa-Regierung adieu sagen, verabschiedet sich ein Praktiker, eine Kapazität, einer der wenigen großen Fußballer aus diesem wichtigsten Gremium. Tut Ihnen dieser Schritt auch weh?

Ich kann der Fifa leider nicht mehr helfen. Natürlich haben sie bei der Fifa gesagt, warum gehst Du, wir brauchen Dich. Aber ich habe eine Familie mit Frau und zwei kleinen Kindern. In meiner ersten Ehe, für mich ein warnendes Beispiel, habe ich es versäumt, meine drei Söhne aufwachsen zu sehen.

Wenn Sie sich die Fifa von morgen wünschen könnten, wie sollte sie aussehen?

Auf jeden Fall brauchen wir mehr Frauen in der Verantwortung. Die Fifa-Exekutive ist ein reiner Männerklub, dem weibliche Kompetenz und Intelligenz sehr gut täte. Vom Konzept und System her ist die Fifa inzwischen sehr gut und professionell aufgestellt. Mit inzwischen über einer Milliarde Euro Cashflow hat sie selbst in der Weltwirtschaftskrise glänzende Bilanzen geschrieben.

Was erhoffen Sie sich von Ihrem Nachfolger Theo Zwanziger in der Fifa?

Mir hat das United-Nations-Gesicht der Fifa immer gefallen. Ich bin der erste, der seiner Familie zuliebe freiwillig da rausgeht. Für Theo wird es ein Erlebnis, dort dabei zu sein. Da er ein Freund des Frauenfußballs ist, kann er ja von mir die U 17- und U 20-Frauen-WM-Kommission übernehmen.

Haben Sie selbst in Zukunft wirklich mehr Zeit?

Ich schlafe jedenfalls schon viel häufiger als früher im eigenen Bett, und mein Leben ist längst nicht mehr so hektisch wie etwa 2006 im Jahr der Weltmeisterschaft in Deutschland, als ich an 330 Tagen im Jahr unterwegs war. Das kann man nicht ewig durchhalten. Für mich bleibt wieder mehr Zeit zum Golfspiel oder zum Bergwandern.

Die Bundesliga haben Sie nicht zuletzt als Fernsehexperte ständig vor Augen. Wie beurteilen Sie diese verrückte Saison mit dem souveränen Tabellenführer Borussia Dortmund ganz oben und einem FC Bayern München, der hart darum kämpfen muss, überhaupt noch einen Champions-League-Platz zu ergattern?

Es ist eine Saison mit vielen Fragen. Warum schwächeln die Schalker, die in der Champions League überzeugen, in der Bundesliga? Was ist mit den Bayern? Dortmund dominiert die Liga, scheidet aber in den Gruppenspielen der Europa League aus – irgendwie passt das alles nicht zusammen. Am Anfang wurde die Schwäche der Großen, vor allem der Bayern, mit den Strapazen bei der WM 2010 in Südafrika erklärt. Spätestens nach der Winterpause aber hätten alle Klubs ihr wahres Gesicht zeigen müssen. Aber auch dann ist fast alles unstabil geblieben.

Glauben Sie, dass der BVB wie in den neunziger Jahren auf Dauer wieder zum großen Rivalen der Bayern werden kann?

Wenn die Dortmunder Mannschaft weitgehend zusammenbleibt, ja. Die Konstellation dort ist perfekt. Jürgen Klopp, das Trainergespann, die junge Mannschaft, Geschäftsführer Watzke, sie alle machen einen Superjob.

Wie sehen Sie Ihre Bayern, die sich zum Saisonende früher als geplant von Trainer Louis van Gaal trennen werden, und was müsste den zukünftigen Bayern-Trainer auszeichnen?

In Oberbayern gibt es hervorragende Holzschnitzer. Ich habe schon mal überlegt, ob man dort nicht einen Trainer für den FC Bayern schnitzen könnte. Bei Bayern lagen sich nach dem 1:0-Hinspielsieg im Champions-League-Achtelfinale alle in den Armen, dann verlor die Mannschaft dreimal nacheinander, und dann kam die Krisensitzung. Das ist der Fußball heute. Da wird dann alles in Frage gestellt. Man sollte dies alles nicht so hoch hängen.

Welchen Wunsch haben Sie an Ihr zukünftiges Leben?

Wenn es der liebe Gott gnädig mit mir meint, es noch ein bissel mit mir aushält und mich oben noch nicht braucht, bin ich ihm mit meinen 65 Jahren für jeden Tag dankbar.

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