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Olympique Marseille : Die große Liebe des Emmanuel Macron

Seine Frau Brigitte ist nicht immer begeistert von der Fußball-Leidenschaft ihres Mannes Emmanuel Macron. Bild: Picture-Alliance

Die Liebesgeschichte von Emmanuel Macron und Olympique Marseille reicht weit zurück. Die Begeisterung von Frankreichs Präsidenten führt aber bisweilen zu kuriosen Situationen – zum Ärger seiner Frau.

          Wer der größte Fan eines Fußballvereins ist, lässt sich meist nur schwer bestimmen. Im Fall von Olympique de Marseille (OM) dagegen kann man leicht sagen, wer der höchstrangige Fan ist: der französische Präsident Emmanuel Macron. Er ist zwar mehr als 900 Kilometer nördlich der Küstenstadt geboren und aufgewachsen, in Amiens, doch wie bei vielen Franzosen im ganzen Land gehört seine glühende Unterstützung OM.

          Seine Leidenschaft ist in einer Szene aus einer TV-Dokumentation während des Wahlkampfes 2017 festgehalten. Vor einem wichtigen Auftritt starrt der Kandidat auf sein Handy und ruft dann empört: „Verdammte Scheiße – zum zweiten Mal!“ Seine Frau Brigitte kommt sorgenvoll hinzu. „Was ist los?“ – „Monaco hat OM geschlagen!“, ärgert sich Macron. Jetzt ist seine Gattin auch empört – doch über ihren Mann, der sich in einer entscheidenden Phase des Wahlkampfes mit Banalitäten wie Fußball beschäftigt. „On s’en fout“, ruft sie – das ist jetzt schnurzegal. Macron lässt von seinem Handy ab – doch nicht von seinem Eifer für den Ballsport.

          Dass sich Präsidenten offen hinter einen Fußballverein stellen, hat in Frankreich nicht unbedingt Tradition. Die Politik-Berater empfehlen Zurückhaltung, weil der Staatschef niemanden verprellen soll. Macron will seine Loyalität dagegen nicht verbergen. Die symbolische Abgehobenheit eines französischen Präsidenten als „Jupiter“ über dem Sternenvolk lebt er zwar in vollen Zügen, doch in Fußballfragen gibt er sich ganz bodenständig.

          Bei OM ist das Risiko ohnehin begrenzt; der südfranzösische Verein hat in Frankreich mit Abstand die größte Fanbasis – weit vor Paris Saint-Germain, der für viele ein Krösusverein ohne Seele ist. Macrons Vorvorgänger Nicolas Sarkozy ging dennoch regelmäßig ins Stadion von PSG – er wurde nach einer Amtszeit allerdings auch nicht wiedergewählt. François Hollande hatte es auch nicht leicht mit seiner Fußball-Zuneigung, die ausgerechnet dem AS Monaco aus dem gleichnamigen Steuerparadies galt – für einen sozialistischen Präsidenten eine heikle Kommunikationsaufgabe. Auch Hollande wurde bekanntlich nicht wiedergewählt.

          Macron und OM – diese Liebesgeschichte reicht bis in die Jugendzeit des Präsidenten zurück. In diesen Tagen mögen alle vom Mai 1968 reden – Macron bezeichnet sich jedoch als „Kind des Mai 1993“. Damals, Macron war 15 Jahre alt, gewann OM in München das Champions-League-Finale gegen den AC Mailand. Am Mittwoch (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League sowie bei Sport 1 und Sky) schmerzt es den Präsidenten daher umso mehr, dass er beim Europa-League-Finale gegen Atlético Madrid in Lyon fehlen wird. Für ein EU-Gipfeltreffen muss er sich in der bulgarischen Hauptstadt Sofia aufhalten.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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